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Der Liefermarkt ordnet sich neuUber zeichnet mit Delivery Hero die Lieferkarte neu

Uber will Delivery Hero übernehmen und seine Lieferplattform auf fast hundert Märkte ausdehnen. Der Berliner Konzern gewinnt einen finanzstarken Eigentümer, doch Kartellhürden und ein langer Vollzug bleiben.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 8 min
Titelbild: Robert Anasch / Unsplash

Uber (ISIN: US90353T1007, WKN: A2PHHG) legte am Donnerstag ein öffentliches Übernahmeangebot von 41,50 Euro je Aktie für Delivery Hero (ISIN: DE000A2E4K43, WKN: A2E4K4) vor. Die Offerte bewertet den Berliner Lieferkonzern mit 14,8 Milliarden US-Dollar und soll einen Verbund mit 236 Milliarden US-Dollar Bruttobuchungsvolumen schaffen.

Uber kauft sich Reichweite in 99 Märkten

Uber bietet 41,50 Euro je Aktie – rund 34 Prozent mehr als der umsatzgewichtete Dreimonatsdurchschnitt und knapp 26 Prozent mehr als beim ersten Vorstoß im Mai. Die Annahmeschwelle liegt einschließlich des bereits bestehenden Anteils bei 50 Prozent plus einer Aktie.

Nach dem Zusammenschluss würde die Plattform 99 Märkte umfassen. Delivery-Hero-Geschäfte in 50 Ländern, die 2025 Buchungen von 42 Milliarden US-Dollar vermittelten, sollen an Uber gehen. Zugleich steigt die Zahl der Märkte, in denen Uber sowohl Fahrdienste als auch Lieferungen anbietet, von 34 auf 58. Kunden beider Angebote erzeugen nach Konzernangaben etwa dreimal so hohe Buchungswerte und Gewinne wie Nutzer eines einzelnen Dienstes.

Finanziert werden soll die Übernahme aus vorhandenen Mitteln und neuen Schulden. Dafür wurde Uber eine Brückenfinanzierung über rund 14 Milliarden Euro zugesagt. Mit 6,1 Milliarden US-Dollar an frei verfügbaren Barmitteln und kurzfristigen Anlagen verfügte der Konzern Ende März zugleich über eine solide Liquiditätsbasis.

Delivery Hero bringt Wachstum und neue Kaufanlässe ein

Operativ übernimmt Uber kein schrumpfendes Geschäft. Delivery Hero steigerte das Bruttowarenvolumen im ersten Quartal 2026 auf vergleichbarer Basis um 8,8 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro; der Segmentumsatz legte um 17,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zu. Besonders kräftig wuchs das Schnellliefergeschäft mit Lebensmitteln und Alltagswaren: Sein Buchungsvolumen stieg um 30 Prozent und erreichte 18 Prozent des Plattformvolumens. Kunden mehrerer Warengruppen stehen bereits für 55 Prozent der Buchungen, Abonnenten für 43 Prozent. Diese häufigen Bestellungen erhöhen für Uber die Nutzung zwischen einzelnen Fahrten.

Regional bleibt das Bild uneinheitlich: Lateinamerika wuchs zuletzt um 18,1 Prozent, der Nahe Osten und Nordafrika um 16,1 Prozent, Europa um 6,8 Prozent und Asien trotz einer Erholung in Südkorea um 3,0 Prozent.

Parallel läuft ein Führungswechsel. Mitgründer und Vorstandschef Niklas Östberg will die Leitung spätestens am 31. März 2027 abgeben; der Aufsichtsrat strebt den Abschluss der Nachfolgesuche bis Ende 2026 an. Weil die Übernahme erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 vollzogen werden soll, fallen der Wechsel an der Spitze und die Vorbereitung der Eingliederung zeitlich auseinander.

Der Verkauf von 14 Märkten soll Kartellhürden senken

Parallel verkauft Delivery Hero Geschäfte in 14 Ländern für rund 1,6 Milliarden US-Dollar an SSW Partners, eine New Yorker Beteiligungsgesellschaft. Ausgegliedert werden Märkte, in denen Uber Eats bereits gegen Delivery-Hero-Marken um Kunden, Restaurants, Händler und Kuriere konkurriert - darunter foodora in Österreich, Norwegen und Schweden, Glovo in Spanien, Polen und Portugal sowie Yemeksepeti in der Türkei. Das Paket erzielte 2025 ein Bruttobuchungsvolumen von elf Milliarden US-Dollar. Uber soll darüber keine Kontrolle erhalten. SSW will später strategische Eigentümer suchen.

Für Deutschland verbindet Uber die Offerte mit politischen Zusagen. Bis 2031 sollen zwei Milliarden Euro in zusätzliche Unternehmensstellen, autonomes Fahren und Partnerschaften mit der deutschen Autoindustrie fließen. Der Berliner Hauptsitz und die dortige Belegschaft von Delivery Hero sollen mindestens bis 2029 erhalten bleiben.

Frühere Verbote erhöhen den Prüfungsdruck spürbar

Wie ernst die Kartellrisiken sind, zeigt ein früheres Geschäft derselben Parteien. Die taiwanische Kartellbehörde untersagte Ende 2024 den Verkauf des dortigen Geschäfts der Delivery-Hero-Marke foodpanda an Uber Eats, weil der Wegfall des wichtigsten Konkurrenten schwerer wog als die erwarteten Vorteile. Uber beendete die Transaktion im März 2025 und musste Delivery Hero eine Trennungszahlung von geschätzt 250 Millionen US-Dollar leisten.

Auch in Europa startet Delivery Hero mit regulatorischer Vorbelastung. Die Europäische Kommission verhängte im Juni 2025 gegen Delivery Hero und den spanischen Lieferdienst Glovo eine gemeinsame Geldbuße von 329 Millionen Euro wegen Absprachen über Mitarbeiter, vertrauliche Geschäftsdaten und die Aufteilung von Märkten. Für die Prüfer ist der Liefersektor damit bereits als anfällig für wettbewerbswidrige Koordination aktenkundig.

Wie sensibel Brüssel selbst Minderheitsbeteiligungen bewertet, zeigte die Übernahme des niederländischen Lieferkonzerns Just Eat Takeaway.com durch Prosus (ISIN: NL0013654783, WKN: A2PRDK), einen niederländischen Technologieinvestor. Die EU-Kommission genehmigte den Kauf nur unter der Bedingung, dass Prosus seinen Delivery-Hero-Anteil deutlich senkt, die restlichen Stimmrechte ruhen lässt und keinen Einfluss auf die Führungsgremien nimmt. Der nun zugesagte Verkauf der verbliebenen Aktien an Uber löst diese Verbindung auf.

Die Lieferbranche bündelt sich in wenigen Gruppen

Uber reagiert auf eine weit fortgeschrittene Neuordnung. Die US-Lieferplattform DoorDash schloss im Oktober 2025 die Übernahme des britischen Lieferdienstes Deliveroo ab und ist seither in mehr als 30 Ländern aktiv. Bei Prosus' Angebot für Just Eat Takeaway.com wurden 90,13 Prozent der Aktien angedient. Zwei wichtige Konkurrenten haben ihre internationale Reichweite damit bereits durch Zukäufe verbreitert.

Der Delivery-Hero-Kauf ist deshalb weniger ein isolierter Expansionsschritt als Ubers Antwort auf diesen Konzentrationslauf. Während DoorDash über Deliveroo in Europa und im Nahen Osten zulegte und Prosus einen europäischen Verbund formt, verschafft Delivery Hero Uber starke Marken in Lateinamerika, auf der Arabischen Halbinsel und in Südkorea. Je weiter die Branche in regionale Großplattformen zerfällt, desto teurer wird der spätere Aufbau vergleichbarer Reichweite aus eigener Kraft.

Die Börse preist weiter Vollzugsrisiken ein

Am Donnerstagnachmittag gegen 14 Uhr wurde die Delivery-Hero-Aktie auf Xetra mit rund 38,50 Euro gehandelt. Damit lag der Kurs gut sieben Prozent unter dem Angebot von 41,50 Euro. Der Abschlag bündelt den Zeitwert bis zum geplanten Abschluss sowie die Unsicherheit über Genehmigungen und weitere Bedingungen.

Uber hatte sich vor der Offerte 24,77 Prozent der Stimmrechte direkt gesichert. Weitere 11,74 Prozent hält der Konzern wirtschaftlich über Derivate, also Finanzverträge, deren Wert von der Delivery-Hero-Aktie abhängt. Prosus hat zugesagt, seinen Anteil von knapp 17 Prozent anzudienen; dadurch steigt Ubers gesamtes wirtschaftliches Interesse auf rund 53 Prozent.

Vorstand und Aufsichtsrat von Delivery Hero unterstützen die Offerte und wollen den Aktionären die Annahme empfehlen, sobald das formale Angebotsdokument geprüft ist. Zuvor muss die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht das Dokument genehmigen. Der Abschluss ist für die zweite Hälfte des Jahres 2027 vorgesehen.

Unter Analysten gilt der gebotene Preis weitgehend als ausgereizt. Giles Thorne, Leiter der europäischen Internetanalyse bei der US-Investmentbank Jefferies, sieht kaum Spielraum für eine Nachbesserung und nur geringe Chancen auf einen Gegenbieter. Jefferies bestätigte sein Kursziel von 42,50 Euro. Das Analysehaus Deutsche Bank Research hob sein Kursziel von 20 auf 40 Euro, beließ die Aktie aber auf "Halten". Der geringe Abstand zwischen Angebot und Kurszielen begrenzt die Spekulation auf einen Bieterwettkampf.