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Raumfahrt trifft AutoSpaceX und Tesla beraten über Fusion im Billionenwert

Elon Musks Raumfahrt- und KI-Konzern SpaceX und der Elektroautobauer Tesla prüfen eine seit Langem diskutierte Fusion. Sie könnte Kapital und Technik für Chips, Robotik und Rechenzentren bündeln. Zugleich drohen Konflikte um Einfluss, Anlegerinteressen und nationale Sicherheit.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Sven Piper / Unsplash

Bei SpaceX ISIN US84615Q1031 WKN A42D4F und Tesla ISIN US88160R1014 WKN A1CX3T haben unabhängige Sonderausschüsse die Beratungen über eine mögliche Fusion übernommen. Eingesetzt wurden sie nach Angaben von Elon Musk auf Wunsch von Aktionären. Der Unternehmer befürwortete das Vorhaben am Dienstag öffentlich, beteiligt sich wegen seiner Interessen an beiden Konzernen jedoch nicht selbst an den Verhandlungen.

Gemeinsam kämen SpaceX und Tesla auf einen Börsenwert von rund 3,5 Bill. USD. Über die Bedingungen einer solchen Transaktion haben sich die Ausschüsse allerdings bislang nicht verständigt. Selbst bei einer Einigung müssten anschließend noch die Anteilseigner zustimmen.

Musks Pläne für einen vereinten Technologiekonzern

Einen Teil seines Technologieverbunds hat Musk bereits geschaffen. Im Februar 2026 übernahm SpaceX das KI-Unternehmen xAI, das seinerseits zuvor die Social-Media-Plattform X übernommen hatte. Entwicklung und Vermarktung von KI-Modellen sowie große Rechenzentren gehören damit bereits zu derselben Unternehmensgruppe. Mit Tesla kämen Fahrzeuge, Roboter, Batterietechnik und industrielle Fertigung unter einem gemeinsamen Dach hinzu. Eine weitere Verbindung besteht bereits beim gemeinsamen Halbleiterprojekt Terafab. Geplant sind Chips für Teslas selbstfahrende Fahrzeuge und Optimus-Roboter sowie für die KI-Infrastruktur von SpaceX. Nach Musks Zeitplan soll im Mai oder Juni 2027 ein erster Testchip entstehen. Die Serienfertigung ist für das dritte Quartal 2028 vorgesehen.

Die Zusammenarbeit berührt Geschäftsfelder, die bislang auf beide Konzerne verteilt sind. Tesla entwickelt neben Elektroautos auch Energiespeicher, Technologien für autonomes Fahren und humanoide Roboter. SpaceX wiederum baut sein Geschäft über Raketenstarts und Satelliteninternet hinaus aus und bietet inzwischen Rechenleistung für künstliche Intelligenz an.

Weitere technische Verbindungen sind denkbar, befinden sich allerdings vielfach noch im Planungsstadium. In der Fertigung ließe sich Teslas Erfahrung mit Fabrikautomatisierung für den Bau der SpaceX-Rakete Starship nutzen. Umgekehrt sollen Technologien aus der Raumfahrt beim neuen Tesla Roadster zum Einsatz kommen. Auch Energieversorgung und Kommunikation bieten Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Teslas Batterien könnten den Energiebedarf von Rechenzentren decken, während der Satelliteninternetdienst Starlink die Kommunikation vernetzter Tesla-Fahrzeuge und Roboter übernehmen könnte.

Aus den technischen Verflechtungen ergeben sich auch organisatorische Überlegungen. Ein vereinter Konzern hätte mehr Spielraum, Kapital, Fachkräfte und Fertigungskapazitäten zwischen diesen Bereichen zu verteilen. Entscheidungen, die bislang verschiedene Vorstände und Eigentümer betreffen, ließen sich innerhalb einer gemeinsamen Organisation treffen. Für Musk steht dabei auch die Kontrolle über sein Firmenimperium auf dem Spiel. Er besitzt fast ein Fünftel von Tesla und knapp die Hälfte von SpaceX, wo er bereits über die Stimmenmehrheit verfügt.

KI-Boom verändert das Geschäft von SpaceX

Die jüngsten Geschäftszahlen von SpaceX zeigen, welche wirtschaftliche Bedeutung die künstliche Intelligenz inzwischen für das Unternehmen hat. Im dritten Quartal stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 161 % auf 14,58 Mrd. USD. Allein die KI-Sparte erzielte 7,56 Mrd. USD und damit fast zehnmal so viel wie ein Jahr zuvor. Ein großer Teil dieser Einnahmen stammt aus der Vermietung von Rechenkapazität an Entwickler künstlicher Intelligenz. Neben der klassischen Raumfahrt hat sich damit ein weiteres, ausgesprochen kapitalintensives Geschäft etabliert. Erstmals übertraf der KI-Umsatz auch die Erlöse aus dem Kommunikationsgeschäft.

Operativ verdiente die Kommunikationssparte rund 2,37 Mrd. USD, das KI-Geschäft dagegen lediglich 431 Mio. USD. Trotz seines starken Umsatzwachstums benötigt der neue Geschäftsbereich somit weiterhin hohe Vorleistungen. Insgesamt erzielte SpaceX einen Nettogewinn von 4,4 Mrd. USD, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 1,1 Mrd. USD angefallen war. Für die Recheninfrastruktur und andere Vorhaben investierte SpaceX im dritten Quartal insgesamt 19,6 Mrd. USD, nahezu dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Rund 16,4 Mrd. USD entfielen allein auf die KI-Sparte. Für das Schlussquartal stellte Finanzchef Bret Johnsen sogar Ausgaben zwischen 35 und 40 Mrd. USD in Aussicht.

Ende September verfügte SpaceX über insgesamt knapp 90 Mrd. USD an liquiden Mitteln und handelbaren Wertpapieren. Damit kann der Konzern den Ausbau zunächst aus eigenen Beständen finanzieren. Auf lange Sicht müssen die neuen Anlagen jedoch genügend Einnahmen erwirtschaften, um den hohen Kapitalbedarf zu rechtfertigen.

Musks Erwartungen reichen noch wesentlich weiter. Bis Ende 2027 hält er annualisierte wiederkehrende Erlöse zwischen 500 Mrd. und einer Billion USD für möglich. Gemessen am heutigen Umsatz wäre dafür ein außergewöhnlich starkes Wachstum nötig. Es handelt sich um eine äußerst ambitionierte Prognose, nicht um eine gesicherte Geschäftsentwicklung.

Starlink wächst, Starship erfordert Investitionen

Neben dem rasch expandierenden KI-Geschäft bleibt das etablierte Satelliteninternet ein wichtiger wirtschaftlicher Pfeiler von SpaceX. Starlink erreichte im dritten Quartal 13,6 Mio. Privatkunden und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Die Expansion in weitere Länder belastet allerdings längerfristig den durchschnittlichen Erlös je Kunde.

Während Starlink 2023 noch durchschnittlich 99 USD Monatsumsatz je Kunde erzielte, waren es im dritten Quartal 2026 nur noch 69 USD. Gegenüber dem zweiten Quartal verbesserte sich der Wert allerdings von 66 auf 69 USD. Neue Länder, Kundengruppen und Tarifmodelle verändern dabei die Zusammensetzung der Umsätze.

Für den weiteren Ausbau des Satellitennetzes und geplante Rechenzentren im Orbit spielt Starship eine zentrale Rolle. Das wiederverwendbare Raketensystem befindet sich weiterhin in der Entwicklung. Im dritten Quartal absolvierte es seinen ersten umsatzwirksamen Flug und brachte dabei 26 Satelliten der neuen Starlink-V3-Generation ins All. Nach Unternehmensangaben lieferten diese ungefähr die zehnfache zusätzliche Übertragungskapazität eines herkömmlichen Starlink-Starts mit Falcon 9.

Mit größeren Raketen lässt sich die Kapazität des Satellitennetzes also erheblich schneller ausbauen. Für den angestrebten regelmäßigen und kostengünstigen Einsatz muss SpaceX allerdings noch die zuverlässige Wiederverwendbarkeit von Starship und seinen Komponenten nachweisen. Davon hängen auch weiterreichende Pläne ab: Mit der vorgesehenen Starmind-Konstellation will Musk Rechenleistung künftig im Weltraum bereitstellen. Starship soll die dafür benötigte Infrastruktur in den Orbit transportieren. Die technischen Anforderungen sind hoch, ebenso der damit verbundene Kapitalbedarf.

Aktionäre und Behörden müssen überzeugt werden

Für die Anteilseigner würde ein Zusammenschluss den Zugang zu Geschäftsfeldern eröffnen, an denen sie bislang nicht unmittelbar beteiligt sind. Tesla-Aktionäre erhielten Anteile an Raketenstarts, Satellitenkommunikation und der wachsenden KI-Recheninfrastruktur. SpaceX-Investoren wären künftig auch an Elektroautos, stationären Energiespeichern, Robotaxis und Robotik beteiligt. Gleichzeitig müssten beide Anlegergruppen die Risiken des jeweils anderen Unternehmens mittragen.

Auf Tesla-Seite ist für einen Zusammenschluss eine besonders hohe Zustimmungshürde zu überwinden. Jede Tesla-Stammaktie berechtigt grundsätzlich zu einer Stimme. Nach Musks Darstellung müssten die Inhaber von mindestens 50 % aller ausgegebenen stimmberechtigten Aktien der Fusion zustimmen. Eine einfache Mehrheit der tatsächlich abgegebenen Stimmen würde demnach nicht ausreichen. Angesichts der breiten Aktionärsbasis könnte bereits eine geringe Wahlbeteiligung die erforderliche Zustimmung erschweren.

Im Oktober richtete Tesla ein freiwilliges Programm ein, über das Kleinanleger ihre Stimmrechte bei künftigen Abstimmungen automatisch nach festgelegten Vorgaben ausüben lassen können. Übernahmen und Fusionen lassen sich von dieser automatischen Stimmabgabe ausdrücklich ausnehmen. Zwar erleichtert das Verfahren die Beteiligung privater Aktionäre. Für eine mögliche Fusion wäre eine ausreichende Zustimmung damit aber keineswegs gewährleistet.

Neben der erforderlichen Zustimmung dürfte auch die künftige Unternehmensführung für Diskussionen sorgen. Musks Einfluss würde sich in einem gemeinsamen Konzern stärker bündeln, während mögliche Interessenkonflikte und die Verteilung großer Investitionssummen alle Anteilseigner betreffen.

Eine weitere Hürde könnte sich aus den unterschiedlichen Verbindungen der Unternehmen zu den USA und China ergeben. SpaceX zählt das US-Militär, amerikanische Nachrichtendienste und die Raumfahrtbehörde NASA zu seinen Auftraggebern. Tesla wiederum betreibt in Shanghai ein wichtiges Automobilwerk und ist eng mit dem chinesischen Markt verbunden. Eine Fusion könnte deshalb in Washington ebenso wie in Peking sicherheitspolitische Fragen auslösen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters könnte eine Transaktion darauf hinauslaufen, dass SpaceX Tesla übernimmt. Die unabhängigen Ausschüsse haben bislang jedoch keine Bedingungen vereinbart. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass die Gespräche ohne Einigung enden.

An der Börse reagierten Anleger zunächst positiv auf Musks Äußerungen. Am Dienstag legte die SpaceX-Aktie nach US-Börsenschluss um rund acht Prozent zu, Tesla gewann etwa 1,8 %. Die Kursgewinne folgten sowohl auf die starken SpaceX-Quartalszahlen als auch auf die Bestätigung der Fusionsgespräche. Ein Zusammenschluss würde Tesla-Anleger zugleich am kapitalintensiven Ausbau des KI-Geschäfts von SpaceX beteiligen.