Bild zum Artikel: Einkauf im Wandel: Walmart öffnet sich für KI-Agenten – BrandPilot AI analysiert die Produktsuche

Einkauf im WandelWalmart öffnet sich für KI-Agenten – BrandPilot AI analysiert die Produktsuche

Walmart will KI-Assistenten direkt mit seinen Einkaufssystemen verbinden. Auch die Produktsuche verändert sich. In diesem Marktumfeld untersucht BrandPilot AI die Sichtbarkeit von Anbietern in KI-Antworten und erprobt SearchIQ erstmals bei einem US-Onlinehändler.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 7 min
Titelbild: Getty Images / Unsplash

Walmart ISIN US9311421039 WKN 860853 bereitet seinen Onlinehandel auf eine neue Form des Einkaufens vor. Am Mittwoch stellte der US-Einzelhändler eine technische Schnittstelle vor, über die KI-Assistenten Produkte suchen und Bestellungen für Kunden ausführen können. Die Programme sollen dafür direkt auf die Einkaufssysteme des Konzerns zugreifen, statt Webseiten zu bedienen, die für menschliche Besucher entwickelt wurden.

Das sogenannte Walmart Agent Gateway startet zunächst mit einer geschlossenen Testphase für Unternehmen und Entwickler. Ab November sollen Kunden zudem eigene Profile für ihre KI-Assistenten einrichten können. Damit lassen sich einzelne Programme autorisieren, Ausgaben begrenzen und Bestellungen kontrollieren. Standardmäßig ist für jeden Kauf eine Freigabe vorgesehen. Auch innerhalb vereinbarter Ausgabenlimits kann Walmart eine zusätzliche Genehmigung verlangen.

Die Bedeutung dieser Initiative reicht über die technische Abwicklung von Bestellungen hinaus. Wenn KI-Anwendungen zunehmend an der Produktsuche beteiligt sind, verändern sich auch die Wege, auf denen Verbraucher Marken und Angebote kennenlernen. Kaufentscheidungen können damit bereits vorbereitet werden, bevor Verbraucher die Webseite eines Händlers besuchen.

KI verändert die Produktsuche im Onlinehandel

Wie schnell sich das Suchverhalten entwickelt, lässt sich bereits an den Besucherzahlen ablesen. Nach einer Auswertung des US-Softwarekonzerns Adobe, der mit seiner Analysesoftware auch das Kaufverhalten im Onlinehandel untersucht, ISIN US00724F1012 WKN 871981 stieg die Zahl der Besuche auf amerikanischen Einzelhandelsseiten, die über KI-Anwendungen zustande kamen, im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahr um 62 %. Die Kaufabschlussquote dieser Besucher lag zugleich 60 % über jener anderer Zugriffsquellen.

Erfasst werden dabei Weiterleitungen aus KI-Anwendungen auf die Webseiten der Händler, nicht jedoch vollständig automatisierte Einkäufe durch digitale Assistenten. Die Zahlen zeigen somit, dass KI-Anwendungen bereits Besucher zu Onlinehändlern führen und bei der Vorbereitung von Kaufentscheidungen eine messbare Rolle spielen.

Für Unternehmen verändern sich damit die Möglichkeiten, potenzielle Kunden bei der Produktsuche zu erreichen. Bislang konzentriert sich ein erheblicher Teil der Suchmaschinenwerbung darauf, bei bestimmten Suchbegriffen möglichst gut sichtbar zu sein. In KI-gestützten Suchsystemen erhalten Verbraucher dagegen häufig bereits ausformulierte Antworten, die Produkte vergleichen oder konkrete Empfehlungen enthalten. Dadurch entsteht eine zusätzliche Ebene des Wettbewerbs. Verkäufer müssen nachvollziehen können, ob ihre Angebote in solchen Antworten berücksichtigt werden, wie sie dort erscheinen und welche Wettbewerber ebenfalls genannt werden. Mit der klassischen Messung von Anzeigenplatzierungen und Webseitenklicks lässt sich diese Form der Sichtbarkeit nur teilweise erfassen.

BrandPilot AI untersucht die Präsenz in KI-Antworten

An entsprechenden Analysemöglichkeiten arbeitet BrandPilot AI ISIN CA1053241073 WKN A40FP4. Das kanadische Technologieunternehmen aus Toronto entwickelt Anwendungen, die Ineffizienzen im digitalen Marketing aufdecken und die Wirksamkeit von Werbeausgaben verbessern sollen.

Im März 2026 stellte BrandPilot die Technologie SearchIQ vor. Sie erfasst die Präsenz von Marken in KI-gestützten Such- und Antwortsystemen sowie ihre Position gegenüber Wettbewerbern. Untersucht wird auch, auf welche Weise Produkte und Unternehmen in generierten Antworten beschrieben werden. Die Auswertungen sollen Werbetreibenden helfen, bislang schwer erkennbare Lücken in ihrer digitalen Präsenz aufzudecken. Während klassische Analysewerkzeuge vor allem Klicks, Anzeigenkosten und Besucherströme erfassen, richtet sich SearchIQ auf die Inhalte KI-generierter Antworten.

Ergänzt wird dieser Ansatz durch weitere Technologien des Unternehmens. ClickRadar untersucht den eingehenden Webseitenverkehr auf ungültige oder automatisierte Zugriffe, die Werbeauswertungen verfälschen können. AdAi wiederum soll unnötige Ausgaben für Suchanzeigen erkennen. Das betrifft insbesondere Fälle, in denen Unternehmen für Klicks auf ihre eigenen Markennamen bezahlen, ohne dadurch zusätzliche Nachfrage zu erzielen.

Erster Praxistest mit einem US-Onlinehändler

Mitte Oktober meldete BrandPilot, dass ein US-amerikanisches E-Commerce-Unternehmen SearchIQ und ClickRadar erprobt. Für SearchIQ ist dies nach Darstellung von BrandPilot die erste praktische Kundenanwendung. Dabei werden zwei miteinander verbundene Fragen untersucht. Einerseits geht es darum, wie das Unternehmen und seine Angebote in KI-gestützten Suchsystemen erscheinen. Andererseits analysiert ClickRadar die Qualität des Webseitenverkehrs und mögliche Verfälschungen durch automatisierte Zugriffe.

Für BrandPilot bedeutet der Versuch den Übergang von der Produktvorstellung zur praktischen Erprobung im laufenden Geschäft eines Onlinehändlers. SearchIQ wird damit erstmals unter realen Kundenbedingungen eingesetzt.

In einem anderen Geschäftsbereich hat BrandPilot den Schritt vom Test zum regulären Kundenbetrieb bereits vollzogen. Ein kanadischer Finanzdienstleister nutzt nach einer einmonatigen Erprobung die Werbeoptimierungstechnologie des Unternehmens auf kommerzieller Basis. Die Vergütung richtet sich nach den erzielten Einsparungen und beträgt je nach Umfang zwischen 10 und 25 % der zurückgewonnenen Werbeausgaben.

Diese Vereinbarung betrifft die Optimierung bestehender Werbekampagnen. SearchIQ wird dagegen zunächst im Onlinehandel erprobt, wo die praktische Anwendung den Ausgangspunkt für eine mögliche kommerzielle Nutzung bildet.

Neue Anforderungen an digitales Marketing

Mit seiner neuen Schnittstelle bereitet Walmart auch den Abschluss von Bestellungen durch KI-Agenten vor. Die Produktempfehlung innerhalb einer KI-Anwendung und der anschließende Kauf bleiben dabei zwei unterschiedliche Vorgänge. Sie können künftig jedoch unmittelbar aufeinanderfolgen, wenn ein Kunde seinem digitalen Assistenten die entsprechenden Berechtigungen erteilt hat.

BrandPilot arbeitet mit SearchIQ an der Analyse des ersten Bereichs. Der laufende Kundenversuch soll Erkenntnisse darüber liefern, wie sich die Sichtbarkeit von Produkten und Anbietern in KI-Antworten unter realen Bedingungen untersuchen lässt und welchen Nutzen solche Auswertungen für Werbetreibende haben. Parallel untersucht ClickRadar, wie sich die Qualität der über digitale Kanäle gewonnenen Besucher besser beurteilen lässt.

Für BrandPilot steht als nächster wichtiger Entwicklungsschritt die kommerzielle Nutzung von SearchIQ an. Mit der laufenden Erprobung sammelt das Unternehmen erstmals praktische Kundenerfahrungen im E-Commerce, während KI-Anwendungen bei der Produktsuche bereits eine messbare Rolle spielen.

Walmart arbeitet unterdessen daran, die anschließende Bestellung durch KI-Agenten technisch zu ermöglichen. Für Onlinehändler stellt sich damit künftig eine doppelte Aufgabe: Ihre Angebote müssen bei der Produktsuche berücksichtigt werden und für den anschließenden Kauf durch digitale Assistenten erreichbar sein.