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Radioaktive Fracht im KobaltUran aus dem Kongo entlarvt Kontrolllücke

Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo prüft Uran in Kobaltexporten und sucht die Unterstützung der Atomaufsicht. Die Untersuchung könnte Kontrollen einer bereits politisch angespannten Rohstoffkette verschärfen.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 6 min
Titelbild: Verumo, KI generiert

Der Geowissenschaftler Ryan Manzuk und der Nuklearingenieur Sébastien Philippe haben einen bislang unerkannten Uranexport aus der Demokratischen Republik Kongo rekonstruiert. Seit 2000 könnten mit Kobalthydroxid mindestens 2000 bis 5000 Tonnen Natururan ausgeführt worden sein. Ein Großteil des Materials gelangte demnach nach China.

Uran gelangt mit Kobalt in internationale Lieferketten

Kobalt wird vor allem für Lithium-Ionen-Akkus benötigt. Das Metall gehört zu den wichtigsten Exportrohstoffen der Demokratischen Republik Kongo. In den dortigen Lagerstätten tritt es gemeinsam mit Uran auf. Heterogenit-Erze können nach den ausgewerteten Daten bis zu drei Gewichtsprozent Uran enthalten.

Beim Abbau bleibt ein Teil des Urans eng an das Kobalt gebunden und gelangt dadurch mit Kobalthydroxid in die internationale Lieferkette. Die Forscher kombinierten Fördermengen mit geochemischen Daten zu Erzen und Lagerstätten. Die Studie in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature Communications verknüpft dafür Geologie, Minenhandelsdaten und ein chemisches Verarbeitungsmodell für die Jahre 2000 bis 2024.

Bei uranreicheren Vorkommen könnte die tatsächliche Menge deutlich höher liegen. Für 2023 errechneten die Wissenschaftler fast 3500 Tonnen exportiertes Uran. Dieser hohe Jahreswert setzt eine starke Mobilität des Urans während der Verarbeitung voraus.

Die Größenordnung ist sicherheitspolitisch erheblich. Das Material könnte – nach entsprechender Anreicherung – genug spaltbares Material für 600 bis 1500 Atomwaffen liefern. Alternativ könnte es einen üblichen Leichtwasserreaktor zehn bis 25 Jahre versorgen. Weitere 1000 bis 4000 Tonnen Uran könnten über Minenabraum in die Umwelt gelangt sein.

China bündelt Verarbeitung des kongolesischen Kobalts

China spielt eine zentrale Rolle bei der Weiterverarbeitung des kongolesischen Kobalts. Das Land raffinierte 2023 rund 80 % des weltweiten Kobalts, während Schätzungen zufolge rund 95 % der Ausfuhren aus der Demokratischen Republik Kongo dorthin gingen. Beim Reinigen des Kobalthydroxids muss das Uran abgetrennt werden. Was anschließend damit geschieht, bleibt laut den Forschern ungeklärt.

Die Uranbelastung beschäftigt die Industrie bereits seit Jahren, nachdem der Rohstoffkonzern Glencore JE00B4T3BW64A1JAGV 2018 belastetes Kobalt aus seinem Betrieb in der Provinz Lualaba zurückhielt. Der Konzern wartete damals auf eine dauerhafte technische Lösung zur Uranentfernung, wodurch die Beimischung bereits konkrete Folgen für Verkauf und Export hatte.

Meldepflicht hängt von Material und Menge ab

Von den geschätzten Uranmengen wurde offenbar nur ein Bruchteil offiziell erfasst. Weniger als zehn Prozent tauchten nach der Analyse in entsprechenden Meldungen auf. Die internationale Rechtslage unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Verarbeitungsstufen und Verwendungszwecken des uranhaltigen Materials. Das Grundmodell der Internationalen Atomenergieagentur behandelt Uran im Erz außerhalb der klassischen Materialbilanz, bis es als Ausgangsmaterial für die Gewinnung spaltbaren Materials zurückgewonnen wird.

Das 2003 in Kraft getretene Zusatzprotokoll des Kongo verlangt Angaben zu bestimmten Uranexporten für nichtnukleare Zwecke ab zehn Tonnen je Export. Die Schwelle gilt auch kumuliert je Empfängerland und Jahr. Die Internationale Atomenergieagentur ordnet niedriggradig uranhaltige Kobaltexporte laut Financial Times jedoch als nicht meldepflichtig ein, solange sie nichtnuklearen Zwecken dienen.

Nach den Berechnungen der Studienautoren könnten Chinas Meldepflichten für Uranimporte von mehr als zehn Tonnen jährlich seit 2010 ausgelöst worden sein. Ein von der Wirtschaftszeitung Financial Times zitierter Fachmann der Internationalen Atomenergieagentur erklärte dagegen, die Behörde habe keine Hinweise auf verletzte Sicherungsverpflichtungen des Kongo. Die Bewertung hängt deshalb wesentlich davon ab, wie das Uran im exportierten Kobalthydroxid rechtlich und technisch eingeordnet wird.

DR Kongo verschärft Kontrolle der Bergbauexporte

Die kongolesische Regierung will eigene Messungen durchführen und eine Arbeitsgruppe einsetzen, weil sie die Datengrundlage der Studie überprüfen möchte. Zudem plant sie Gespräche mit der Internationalen Atomenergieagentur über technische Unterstützung. Nach Angaben der Financial Times soll die Bewertung innerhalb von 60 Tagen abgeschlossen werden. Die Behörden verweisen dabei auf fehlende direkte Probenahmen und standortspezifische Messungen in der Studie.

Bereits im April ordnete die Regierung eine umfassende Prüfung der Bergbauexporte und eine durchgängige Rückverfolgbarkeit der Warenströme an. Die IEA erwartet bis 2035 zugleich eine Angebotslücke beim Kobalt von mehr als 25 %. Als Ursache nennt sie unter anderem die Exportquoten des Kongo, der weltweit zu den wichtigsten Förderländern zählt.

Studie fordert strengere Regeln für Uran

Die Autoren der Studie fanden keine Hinweise auf absichtlichen Schmuggel. Auf kongolesischer Seite können zudem Meldeschwellen für Uranbeimischungen eine Rolle spielen. Die Forscher halten es zugleich für wenig plausibel, dass das Uran in China vollständig unbemerkt blieb. Die ausgewerteten Quellen dokumentieren keine militärische Nutzung des Materials.

Die Studienautoren beschreiben den Befund als substanzielle Lücke der internationalen Atomüberwachung. Sie fordern ein nationales Bergbau-Audit im Kongo und neue Regeln für Uran in der Kobalt-Lieferkette. Langfristig könnte eine stärkere Verarbeitung der Kobaltminerale im Förderland die Kontrolle verbessern. Dadurch ließe sich Uran früher abtrennen, erfassen und überwachen.

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