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Modewert unter DruckSheins Börsengang mit kleinerem Preisschild

Ankerinvestoren pochen auf einen Börsenwert nahe 30 Mrd. USD. Nach einem Quartalsverlust muss Shein zeigen, ob sein globales Wachstumsmodell auch unter höheren Handelskosten trägt.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Dick Thomas Johnson / Flickr, CC BY 2.0

Shein will seinen Börsengang in Hongkong bereits ab Mitte August starten. Der in China gegründete, heute in Singapur ansässige Online-Modehändler peilt laut Reuters eine Bewertung von 30 bis 40 Mrd. USD an. Darüber berichtete die Nachrichtenagentur unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen. Der offiziell am 26. Juli veröffentlichte Prospektentwurf garantiert den Vollzug des Angebots ausdrücklich nicht.

Hongkong bietet Shein ein kräftiges Börsenfenster

Vorbereitende Investorengespräche laufen seit vergangener Woche. Das Angebot könnte gemäß vorläufigem Zeitplan Mitte bis Ende August beginnen, Volumen und Ausgabepreis sind ebenfalls offen.

Das Vorhaben trifft dabei auf ein aufnahmefähiges Marktumfeld. Im ersten Halbjahr 2026 sammelten 87 Hongkonger Börsengänge 210,2 Mrd. HKD (rund 27,0 Mrd. USD) ein, 92,1 % mehr als im Vorjahr.

Die vom Unternehmen für den Börsengang angestrebte Bewertung bedeutet einen tiefen Einschnitt. 2022 wurden für Shein noch 98,2 Mrd. USD beziffert. Private Finanzierungsrunden taxierten den Konzern im April 2024 jeweils auf 64 Mrd. USD. Selbst bei 40 Mrd. USD läge Sheins Wert rund 59 % unter dem Spitzenwert von 2022.

Shein führte zuletzt Gespräche mit Anlegern in New York, Boston und San Francisco. Dabei drängten einige potenzielle Ankerinvestoren sogar auf eine Bewertung von lediglich 30 bis 32 Mrd. USD. Für den Konzern hat ein stabiler Handelsstart Vorrang vor einer möglichst hohen Bewertung.

Zum Vergleich: Der schwedische Modekonzern H&M (ISIN: SE0000106270, WKN: 872318) wird an der Börse mit rund 26 Mrd. USD bewertet. Die japanische Modegruppe Fast Retailing (ISIN: JP3802300008, WKN: 891638) kommt auf 161 Mrd. USD. Der spanische Bekleidungskonzern Inditex (ISIN: ES0148396007, WKN: A11873) erreicht 208 Mrd. USD.

Für Anleger späterer Finanzierungsrunden prüft Shein mögliche Ausgleichszahlungen und zusätzliche Aktien zu niedrigeren Umwandlungspreisen. Damit soll der erwartete Abschlag auf frühere Bewertungen abgefedert werden. Die dafür bis Ende September 2026 vorgesehenen Barzahlungen summieren sich laut Unterlagen auf rund 1,1 Mrd. USD.

Sheins New Yorker Börsenplan kam nach einem vertraulichen Antrag im November 2023 unter politischem und regulatorischem Druck nicht zustande. Für die anschließend geplante Notierung in London erteilte die britische Aufsicht im April 2025 ihre Zustimmung. Die erforderliche chinesische Freigabe blieb jedoch aus. Nach dem Wechsel nach Hongkong genehmigte Chinas Wertpapieraufsicht die dortige Notierung am 10. Juli 2026.

Die aktuelle Genehmigung deckt maximal rund 342 Mio. Auslandsaktien ab. Sie läuft nach zwölf Monaten aus, falls die Notierung bis dahin ausbleibt.

Sheins Wachstum verliert Tempo und Ertragskraft

Die niedrigere Messlatte trifft auf operative Schwächen. Ein im Juli vorgelegter Prospektentwurf weist für das jüngste Quartal 99 Mio. USD Verlust aus. Ein Bewertungseffekt von 328 Mio. USD auf wandelbare Vorzugsaktien belastete das Ergebnis nach einer Bilanzierungsänderung. Der Nettogewinn fiel von 3,4 Mrd. USD im Jahr 2024 auf 2 Mrd. USD 2025, ein Rückgang um 41 %.

Zugleich verlangsamte sich der Umsatz, das Kernergebnis sank. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz lediglich um 1,1 % auf 9 Mrd. USD, die operative Marge sank von 3,9 auf 2,9 %. Europa löste die USA als größten Einzelmarkt ab und steuerte 2025 mit 14,8 Mrd. USD bereits 35,4 % des Konzernumsatzes bei.

Zölle und Aufsicht verteuern Sheins Geschäftsmodell

Höhere Handelskosten, strengere Aufsicht und wachsender Wettbewerb setzen die Margen unter Druck. Besonders schwer wiegt das Ende der US-Zollbefreiung für Kleinsendungen. Für Waren aus China und Hongkong endete die Zollfreiheit bereits am 2. Mai 2025. Seit dem 29. August 2025 gilt die Aussetzung für alle Herkunftsländer, im Juni 2026 wurde sie unbefristet festgeschrieben. Infolge der höheren Einfuhrkosten brach der US-Umsatz im ersten Quartal 2026 um 14 % auf 2 Mrd. USD ein. Sein Konzernanteil sank auf 22,5 %.

Der Rat der Europäischen Union führte zum 1. Juli 2026 einen Pauschalzoll von 3 EUR auf Kleinsendungen unter 150 EUR ein. Die Abgabe gilt je Warenposition und erfasst Verkäufer im europäischen Einfuhrsystem, das 93 Prozent des Onlinehandelsstroms abdeckt. Damit verteuert sich Sheins Direktversand auch in seinem inzwischen größten Einzelmarkt.

Am 17. Februar 2026 eröffnete die Europäische Kommission ein förmliches Verfahren gegen Shein. Gegenstand sind illegale Produkte, mögliche Suchtmechanismen und mangelnde Transparenz der Empfehlungssysteme. Die Untersuchung kennt keine feste Frist und kann in Auflagen, Verpflichtungszusagen oder eine Feststellung von Verstößen münden. Parallel untersucht die US-Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde Sheins US-Geschäft. Shein kommuniziert keine Details, warnt jedoch vor möglichen erheblichen Zahlungen mit spürbaren Folgen für seine Finanzlage.

Den Emissionserlös will Shein in Technologie, den weltweiten Markenaufbau und unternehmerische Verantwortung investieren. Ein Teil ist zudem für allgemeine Unternehmenszwecke vorgesehen. Welche Projekte unter die unternehmerische Verantwortung fallen, ist bislang offen. Anknüpfungspunkte liefern Sheins Programme zur Lieferkettenkontrolle und Emissionsminderung. Der Konzern meldete für 2024 insgesamt 4.288 Vor-Ort-Prüfungen bei chinesischen Zulieferern. Abgedeckt waren rund 95 % des Einkaufswertes seiner Eigenmarken. Er beziffert die Emissionsminderung seiner Maßnahmen 2024 auf rund 884.000 Tonnen CO2-Äquivalente.