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Neue Regeln für KryptofirmenEuropas Finanzbranche steht vor einem digitalen Umbruch

Die EU bringt neue Regeln für Kryptowährungen und Zahlungssysteme auf den Weg. Für Fintechs eröffnet sich 2026 ein Markt mit mehr Klarheit, aber auch mehr Pflichten.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 3 min
Titelbild: Getty Images / Unsplash

2026 wird zum Schlüsseljahr für Europas Fintech-Branche. Neue Regulierungen schaffen Klarheit und könnten den Weg für Innovationen ebnen - gleichzeitig steigt der Druck auf viele Anbieter, endlich profitabel zu wirtschaften.

Neue Regeln machen den Markt berechenbarer

Im Juni 2026 läuft die Übergangsfrist für die EU-Krypto-Verordnung MiCA (Markets in Crypto-Assets) aus. Unternehmen, die bisher nur mit einer Anti-Geldwäsche-Registrierung aktiv waren, müssen nun eine vollwertige Lizenz als Krypto-Dienstleister (CASP) vorweisen. Laut Taylor Wessing wird dies besonders kleinere Anbieter herausfordern, während große Player von klareren Regeln profitieren könnten.

Auch beim Zahlungsverkehr stehen große Änderungen bevor. Die EU bringt mit der PSD3 (Third Payment Services Directive) und der neuen Payment Services Regulation (PSR) ein einheitlicheres Regelwerk für Zahlungs- und E-Geld-Dienstleister auf den Weg. Eine gemeinsame Definition zentraler Begriffe soll rechtliche Unsicherheiten beenden. Neu ist unter anderem, dass Plattformbetreiber für betrügerische Inhalte haften können, wenn sie diese nicht entfernen.

Tokenisierung und Open Finance im Aufwind

Ein weiterer zentraler Trend: die sogenannte Tokenisierung 2.0. Institutionelle Investoren entdecken die Blockchain-Technologie für den Wertpapierhandel. Die EU plant Änderungen am bisherigen DLT-Pilotregime, um Hemmnisse wie Volumengrenzen abzubauen. Damit könnten erstmals auch große Banken und Vermögensverwalter in den Markt einsteigen - sofern die geplante Reform das politische Verfahren übersteht.

Parallel dazu kommt das Thema Open Finance voran. Die geplante FIDA-Verordnung (Financial Data Access Regulation) soll den Zugriff auf eine breite Palette von Finanzdaten ermöglichen - von Girokonten über Versicherungen bis hin zu Altersvorsorgeprodukten. Profitieren dürften vor allem kleine und mittelgroße Fintechs, da der Einfluss großer Techkonzerne durch gesetzliche Einschränkungen begrenzt wird.

Finanzierung bleibt selektiv und KI polarisiert

Trotz aller Fortschritte bleibt die Kapitalbeschaffung schwierig. Zwar stieg das Investitionsvolumen in Europas Fintechs 2025 um 7 % auf 8,8 Mrd. USD - davon entfielen allein 3,6 Mrd. USD auf das Vereinigte Königreich -, doch viele junge Firmen kämpfen weiterhin mit fehlender Skalierung. Investoren setzen stärker auf Profitabilität. Eine Konsolidierung am Markt gilt als wahrscheinlich.

Und auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz herrscht Unsicherheit. Zwar gelten sogenannte "agentische KI-Systeme", die eigenständig Finanztransaktionen ausführen können, als potenzieller Gamechanger. Doch regulatorische Hürden - etwa im Zahlungsverkehr - bremsen die Euphorie. Unternehmen müssen 2026 beweisen, dass KI nicht nur ein Versprechen, sondern ein echter Mehrwert ist.