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Netz bis ins AllEuropas Mobilfunkriesen erwägen gemeinsames Frequenzgebot

Satellitengestützte Verbindungen versprechen besseren Mobilfunkempfang in abgelegenen Regionen und zusätzliche Sicherheit bei Netzausfällen. Für ein europaweites Angebot müssen die Betreiber Frequenzrechte, technische Steuerung und die Bereitstellung der Satelliten aufeinander abstimmen.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Getty Images / Unsplash

Vier der größten europäischen Mobilfunkkonzerne wollen sich gemeinsam den Zugang zum Satellitenfunk sichern. Deutsche Telekom ISIN DE0005557508 WKN 555750, der französische Telekommunikationskonzern Orange ISIN FR0000133308 WKN 906849, Telefónica ISIN ES0178430E18 WKN 850775 aus Spanien und Vodafone ISIN GB00BH4HKS39 WKN A1XA83 aus Großbritannien prüfen ein gemeinsames Gebot für Frequenznutzungsrechte. Eine am Montag unterzeichnete Absichtserklärung hält diese Möglichkeit offen, verpflichtet die Unternehmen aber noch nicht zur Teilnahme am Vergabeverfahren.

Satelliten sollen Funklöcher schließen

Wenn am Boden kein Mobilfunknetz verfügbar ist, könnten sich geeignete Smartphones direkt mit Satelliten verbinden. Diese als Direct-to-Device bezeichnete Technik verspricht vor allem entlegenen Regionen eine bessere Versorgung. Die Deutsche Telekom verweist auf schwieriges Gelände und Umweltschutzauflagen, die den Bau zusätzlicher Funkmasten in manchen Gebieten besonders aufwendig machen.

Bei Naturkatastrophen oder anderen Störungen besteht die Möglichkeit, dass Funkmasten ausfallen. Satellitenverbindungen könnten dann helfen, wichtige Kommunikationsdienste aufrechtzuerhalten. Die vier Konzerne verbinden ihre Pläne deshalb ausdrücklich mit dem Ziel, die Netzstabilität zu verbessern und kritische Kommunikation zu schützen.

Infrastruktur am Boden bleibt in Europa

Den kostspieligen Aufbau einer eigenen Satellitenflotte wollen sich die beteiligten Unternehmen ersparen. Stattdessen setzen sie auf die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Betreiber. Als möglicher Partner kommt AST SpaceMobile ISIN US00217D1000 WKN A3CL8W, ein US-amerikanisches Satellitenfunkunternehmen, infrage. Das Unternehmen kooperiert nach eigenen Angaben bereits mit allen vier Netzbetreibern und hat die Initiative begrüßt. Als Satellitenpartner wurde es bislang jedoch nicht benannt.

Dafür wollen die Netzbetreiber technische Anlagen errichten und die Verbindungen von Europa aus koordinieren und steuern. Auf diese Weise ließen sich bestehende Mobilfunknetze und Kundenbeziehungen mit der Satellitentechnik eines externen Anbieters koppeln. Ein Beispiel für bereits bestehende Zusammenarbeit ist Satellite Connect Europe, das Gemeinschaftsunternehmen von Vodafone und AST SpaceMobile. Es hat Ende Februar 2026 den Betrieb aufgenommen und soll satellitengestützte Dienste in europäische Mobilfunknetze integrieren. Zu Investitionssummen und einem konkreten Zeitplan für die neue gemeinsame Initiative haben sich die vier Konzerne bislang nicht geäußert.

Brüssel bereitet Neuvergabe des Spektrums vor

Bereits im Mai 2026 hatte die Europäische Kommission vorgeschlagen, die Vergabe des sogenannten 2-GHz-Bands europaweit neu zu regeln. Die bestehenden Genehmigungen für mobile Satellitendienste laufen im Mai 2027 aus. Betroffen sind jeweils 30 Megahertz für die Übertragung von der Erde zum Satelliten und in umgekehrter Richtung. Die seit 2009 vergebenen Nutzungsrechte liegen derzeit bei zwei US-Unternehmen.

Wer satellitengestützte Mobilfunkdienste anbieten will, benötigt entsprechende Frequenzrechte. Sie ermöglichen einen störungsarmen Betrieb auch über Landesgrenzen hinweg. Nach Einschätzung der EU-Kommission eignet sich das 2-GHz-Band besonders für direkte Smartphone-Verbindungen, da seine Frequenzen nahe an denen herkömmlicher Mobilfunknetze liegen. Zudem bietet es Kapazitäten für Sprachverbindungen, Kurznachrichten und mobile Datendienste. Eine europaweit einheitliche Auswahl könnte den Aufbau eines gemeinsamen Marktes erleichtern, da die Reichweite von Satellitensystemen nicht an nationalen Grenzen endet.

Nach dem Verordnungsvorschlag sollen zwei Drittel des Frequenzspektrums EU-kontrollierten Betreibern vorbehalten bleiben. Ein Drittel ist für staatliche und sicherheitsrelevante Kommunikation vorgesehen, ein weiteres für kommerzielle Angebote europäischer Unternehmen. Das verbleibende Drittel soll unter bestimmten Sicherheitsauflagen auch Anbietern außerhalb Europas offenstehen. Die geplante Aufteilung könnte den Aufbau europäischer Satellitendienste fördern und zugleich internationalen Unternehmen einen begrenzten Marktzugang ermöglichen.

Der Entwurf sieht Nutzungsrechte mit einer Laufzeit von 20 Jahren vor. Hinzu kommen eine einmalige Zahlung sowie wiederkehrende Jahresgebühren, deren Höhe bislang nicht feststeht. Auch das Genehmigungsverfahren soll sich ändern. Während bisher nationale Behörden die Nutzungsrechte erteilten, plant die EU eine zentrale Organisation von Auswahl und Genehmigung.

Teilnehmer, Vergabebedingungen und Zeitplan stehen allerdings noch nicht fest. Der Verordnungsvorschlag befindet sich weiterhin im Gesetzgebungsverfahren. Zudem könnten die bisherigen Genehmigungen um bis zu zwei Jahre verlängert werden, damit bestehende Dienste während der Umstellung weiterlaufen können. Das Auslaufen der bisherigen Rechte im Mai 2027 bedeutet daher noch keinen unmittelbaren Start neuer Angebote.

Gemeinsame Infrastruktur soll den Markt öffnen

Auch andere Mobilfunkbetreiber sollen nach den Vorstellungen der vier Konzerne die Infrastruktur zu offenen und diskriminierungsfreien Bedingungen nutzen können. So ließen sich mehrere nationale Netze miteinander verbinden und die bislang starke Zersplitterung des europäischen Mobilfunkmarktes verringern.

Die Initiative berührt zugleich den Wettbewerb mit dem US-Raumfahrtunternehmen SpaceX ISIN US84615Q1031 WKN A42D4F, dessen Satellitendienst Starlink den Markt maßgeblich geprägt hat. Mit gemeinsamen Frequenzrechten und einer in Europa angesiedelten Netzsteuerung wollen die Mobilfunkkonzerne technische Fähigkeiten und die Kontrolle über sensible Kommunikationswege stärker in Europa bündeln.

Die geplante Bevorzugung europäischer Anbieter stößt in den USA allerdings auf Kritik. Der US-Botschafter bei der EU, Andrew Puzder, wandte sich in einem Interview mit der Financial Times gegen mögliche Beschränkungen für amerikanische Unternehmen. Er verwies dabei auf das Risiko amerikanischer Gegenmaßnahmen, die europäische Firmen mit Geschäften in den USA treffen könnten. Auch SpaceX hat den Vorschlag der EU-Kommission kritisiert und vor möglichen Beeinträchtigungen der satellitengestützten Kommunikation gewarnt.

Ihre bestehenden Satellitenkooperationen wollen die vier Konzerne ausdrücklich fortführen. Die Deutsche Telekom hat beispielsweise bereits im März 2026 mit Starlink einen Satellitenmobilfunkdienst für zehn europäische Länder angekündigt. Das Angebot soll Anfang 2028 starten, auch in Deutschland. Die neue Initiative ist daher nicht als vollständige Abkehr von internationalen Satellitenanbietern zu verstehen.

Für die praktische Umsetzung des geplanten Modells wären nun zwei Schritte nötig: eine verbindliche Entscheidung über das gemeinsame Frequenzgebot und eine Vereinbarung mit einem Satellitenbetreiber.