
Neue Allianz: Europa investiert Milliarden in Kanadas Rohstoffe: Anglo American, Teck, Eni und Visionary Copper & Gold profitieren
Die EU sucht Rohstofflieferanten außerhalb Asiens – Kanada rückt ins Zentrum. Anglo American und Teck planen einen Milliarden-Zusammenschluss, Eni investiert direkt in Graphit. Welche Unternehmen von der neuen Rohstoff-Achse profitieren.
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Die Europäische Union hat 46 weitere Rohstoffprojekte als strategisch eingestuft. Die Vorhaben in 16 Mitgliedstaaten sollen neue Förder-, Verarbeitungs- und Recyclingkapazitäten schaffen. Gleichzeitig vertieft Brüssel die Beziehungen zu wichtigen Rohstoffländern. Ende Oktober treffen sich die Spitzen der EU und Kanadas in Montréal, um ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit weiterzuentwickeln.
Kanada verfügt über große Kupfer-, Graphit- und andere Metallvorkommen und benötigt erhebliche Investitionen für deren Erschließung. Europa sucht zusätzliche Lieferanten für Stromnetze, Batterien und industrielle Anwendungen. Erste Kapitalflüsse zeigen bereits, wie beide Wirtschaftsräume enger zusammenarbeiten: Der italienische Energiekonzern Eni beteiligt sich am Bau einer kanadischen Graphitmine. Anglo American und Teck Resources planen gleichzeitig einen Zusammenschluss, der Milliardeninvestitionen in Kanadas Kupferindustrie vorsieht.
Europas Rohstoffstrategie erreicht die kanadische Bergbauindustrie
Mit dem Critical Raw Materials Act will die EU ihre Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern verringern. Bis 2030 sollen europäische Förderkapazitäten mindestens zehn Prozent des jährlichen Bedarfs an strategischen Rohstoffen abdecken. Für Verarbeitung und Recycling gelten Zielwerte von 40 beziehungsweise 25 Prozent.
Die jüngst ausgewählten 46 Projekte liegen innerhalb der EU. Für zusätzliche Rohstofflieferungen setzt Brüssel auf Partnerschaften mit Ländern wie Kanada. Beide Wirtschaftsräume sind bereits über das Handelsabkommen CETA verbunden. Nun werden engere Kooperationen in den Bereichen Rohstoffe, Energie, Verteidigung und Technologie diskutiert.
Die Europäische Investitionsbank und Kanada prüfen Möglichkeiten, kanadische Rohstoffprojekte künftig gemeinsam zu finanzieren. Konkrete Finanzierungszusagen sind damit noch nicht verbunden. Dass große Investitionen bereits unabhängig von neuen politischen Vereinbarungen geplant werden, zeigt die Neuordnung der internationalen Kupferindustrie.
Milliarden für Kupferproduktion und neue Minen
Anglo American ISIN GB00BTK05J60 WKN A41BF3 und Teck Resources ISIN CA8787422044 WKN 858265 wollen sich zu Anglo Teck zusammenschließen. Der Konzern soll seinen Hauptsitz in Kanada haben und zu den fünf größten Kupferproduzenten weltweit gehören. Die kanadische Regierung hat die Transaktion nach dem Investment Canada Act bereits genehmigt. Mit dieser Zustimmung sind verbindliche Verpflichtungen für das geplante Unternehmen verbunden. Anglo Teck soll innerhalb von fünf Jahren mindestens 4,5 Mrd. CAD in Kanada investieren.
Zu den vorgesehenen Maßnahmen gehören die Verlängerung der Lebensdauer der Highland-Valley-Copper-Mine in British Columbia, Investitionen in die Metallverarbeitung am Standort Trail sowie die Weiterentwicklung der Kupferprojekte Galore Creek und Schaft Creek. Die geplanten Ausgaben verbinden die Sicherung bestehender Produktionskapazitäten mit der Entwicklung neuer Kupferlagerstätten. Gleichzeitig erhält Kanada einen international bedeutenden Bergbaukonzern mit einem langfristigen Schwerpunkt auf Kupfer.
Europäisches Kapital fließt bereits in kanadische Rohstoffprojekte
Auch europäische Industrieunternehmen investieren direkt in kanadische Lieferketten. Eni ISIN IT0003132476 WKN 897791 hat sich mit 70 Mio. USD an Nouveau Monde Graphite ISIN CA66979W8429 WKN A3CMLY beteiligt und hält rund 11,6 Prozent des kanadischen Unternehmens. Nouveau Monde hat eine Eigenkapitalfinanzierung von insgesamt rund 309,5 Mio. USD abgeschlossen und die endgültige Investitionsentscheidung für die Matawinie-Graphitmine in Québec getroffen. Die Bauarbeiten laufen.
Das Projekt soll künftig Naturgraphit für Batterien und industrielle Anwendungen liefern. Zusätzlich entwickelt Nouveau Monde eine Anlage zur Weiterverarbeitung zu Batterieanodenmaterial in Bécancour. Eni erhält durch seine Beteiligung die Möglichkeit, Liefervereinbarungen über Graphit und Anodenmaterial auszuhandeln. Die Rohstoffe könnten unter anderem für die geplante Produktion stationärer Batteriespeicher im italienischen Brindisi genutzt werden. Matawinie verbindet damit kanadische Rohstoffförderung, europäisches Industriekapital und eine mögliche spätere Abnahme. Der Bau der Mine ist bereits finanziert und angelaufen. Über die weitere Verarbeitung in Bécancour stehen noch zusätzliche Entwicklungsentscheidungen an.
Neue Kupferressourcen entstehen in Neufundland
Neben bestehenden Minen und fortgeschrittenen Bauprojekten werden in Kanada weitere Metalllagerstätten untersucht. Visionary Copper & Gold ISIN CA9279521012 WKN A41FV3 entwickelt zum Beispiel in Neufundland das polymetallische Point-Leamington-Projekt mit Kupfer, Gold, Zink und Silber. Die bestehende Ressourcenschätzung aus dem Jahr 2021 umfasst rund 5 Mio. Tonnen in der angezeigten und 15,4 Mio. Tonnen in der abgeleiteten Kategorie. Neuere Bohrungen haben darüber hinaus die kupferreiche Kraken-Zone nachgewiesen, die bislang nicht Teil dieser Ressource ist.
Ein Bohrloch durchteufte bei Kraken 75,8 Meter mit durchschnittlich 0,45 Prozent Kupfer. Weitere Ergebnisse bestätigen eine ausgedehnte Kupfermineralisierung im Liegenden der bekannten Massivsulfidlagerstätte. Visionary hat inzwischen die Genehmigung für ein neues Bohrprogramm erhalten. Geplant sind 20.000 Meter, um die bestehende Ressource zu erweitern, Teile der abgeleiteten Ressourcen in die angezeigte Kategorie zu überführen und Kraken genauer abzugrenzen.
Zusätzliche Erkenntnisse sollen aus historischen Bohrkernen gewonnen werden. Moderne Untersuchungen mit Infrarotsensoren und hochauflösenden Bildern haben in zahlreichen älteren Bohrungen hydrothermale Alterationszonen sichtbar gemacht. Einige dieser Bereiche enthalten bislang unzureichend untersuchte Sulfidadern. Die früheren Explorationsarbeiten konzentrierten sich hauptsächlich auf die bekannten Massivsulfidvorkommen. Visionary untersucht nun, ob auch die angrenzenden kupferhaltigen Zufuhrzonen größere zusammenhängende Mineralisierungen beherbergen.
Das Projektgebiet wurde außerdem auf rund 33.000 Hektar erweitert. Südlich der bekannten Lagerstätte befinden sich mehrere geophysikalische Leiter auf demselben geologischen Horizont. Sie bilden zusätzliche Explorationsziele außerhalb der bisherigen Ressource. Damit konzentrieren sich die nächsten Arbeiten bei Point Leamington auf die Erweiterung der bekannten Lagerstätte und die Erkundung der kupferreichen Zonen.
Kanadas Rohstoffprojekte verbinden Kapital und neue Ressourcen
Die wirtschaftliche Annäherung zwischen Europa und Kanada trifft auf eine Bergbauindustrie mit verschiedenen Investitionsmöglichkeiten. Große Konzerne sichern die bestehende Kupferproduktion und entwickeln neue Lagerstätten. Europäische Unternehmen beteiligen sich an der Finanzierung kanadischer Rohstoffprojekte. Parallel erweitern Explorer mit Bohrungen und modernen Untersuchungsmethoden die Ressourcenbasis. Für neue Metalllieferungen nach Europa bleiben Projektfinanzierungen, Genehmigungen sowie der Bau zusätzlicher Minen und Verarbeitungsanlagen entscheidend. Die Investitionen in Kanada zeigen bereits, wie sich die Rohstoffbeziehungen verändern. Weitere Projekte müssen nun die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine spätere Produktion schaffen.


