
KI treibt EM-Aktien: Schwellenländeraktien setzen sich im April wieder vor die USA
US Aktien bleiben robust, doch Schwellenländer holen wieder auf und liegen 2026 weiter vorn. Vor allem Taiwan und Südkorea rücken als KI Profiteure neben China stärker in den Fokus.
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Schwellenländeraktien haben sich nach dem Iran-Schock schneller erholt, als viele Anleger erwartet hatten. Der iShares Core MSCI Emerging Markets ETF (ISIN: US46434G1031, WKN: A1WZDE), ein börsengehandelter Fonds auf Aktien aus Schwellenländern, liegt laut MarketWatch bis Dienstag seit Jahresbeginn mit 13,7 % im Plus. Der S&P 500 kommt im selben Zeitraum nur auf 3,2 %.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Jahresbilanz. Nach dem Rückschlag im März haben Schwellenländer seit Anfang April die Führung gegenüber dem US-Markt zurückerobert. Das spricht für einen Trend, der mehr ist als eine bloße Gegenbewegung nach einem kurzen Ausverkauf.
Der Iran-Schock trifft doch die Erholung kommt schnell
Der Hintergrund ist heikel. Nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran am 28. Februar gerieten viele internationale Märkte unter Druck. Gerade Länder, die stärker von Energieimporten über die Straße von Hormus abhängen, galten als verwundbar. In dieser Phase wirkte der US-Markt zunächst robuster.
BlackRock verweist allerdings darauf, dass das Bild differenzierter ist. Zwar seien die USA als Land, das mehr Energie exportiert als importiert, besser gegen Störungen im Öl- und Gashandel abgesichert als etwa Europa. Dennoch hätten einige stark importabhängige Märkte zuletzt wieder besser abgeschnitten als die USA, wie MarketWatch unter Verweis auf BlackRock berichtet.
Für Gargi Chaudhuri, Chefstrategin für Investments und Portfolios bei BlackRock, bleibt der US-Markt über die kommenden Monate zwar die bevorzugte Anlagestrategie, vor allem bei großen Technologiewerten. Wer außerhalb der USA das Risiko weiter streuen wolle, finde in Schwellenländern aber weiterhin eine besonders interessante Ergänzung.
Die Gewinne tragen den Aufschwung stärker als Euphorie
Entscheidend ist aus Sicht von BlackRock das Gewinnbild. Ein großer Teil der Kursgewinne in den Schwellenländern beruht demnach nicht bloß auf höheren Bewertungen, sondern auf besseren Unternehmensgewinnen. Das macht die jüngste Aufwärtsbewegung robuster als eine rein stimmungsgetriebene Rally.
Allein im April hat der iShares Core MSCI Emerging Markets ETF laut MarketWatch um 9,6 % zugelegt. Auch der S&P 500 hat mit rund 8,2 % kräftig aufgeholt. Der Unterschied liegt eher in der Ausgangslage. Während US-Aktien bereits hoch bewertet waren, wirken viele Schwellenländer aus Sicht von Marktstrategen noch immer vergleichsweise günstig.
Adam Turnquist, Chefstratege für Charttechnik bei LPL Financial, verweist genau auf diesen Punkt. Schwellenländer seien gemessen an der fundamentalen Bewertung "sehr günstig". Gleichzeitig hängt die Entwicklung in dieser Region nicht mehr nur von China ab. Vor allem Taiwan und Südkorea dürften vom Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz profitieren.
KI-Investments sind nicht länger ein reines US-Thema
An der Wall Street haben zuletzt wieder die großen Technologiekonzerne die Richtung bestimmt. Laut LPL Financial sind die Marktführer im Tech-Sektor zurück. Das half dem S&P 500 über die Marke von 7.000 Punkten und stützte die These, dass das Wachstumsthema Künstliche Intelligenz den US-Markt weiter tragen kann.
Doch der Fokus auf KI ist globaler geworden. Chaudhuri sagt, rund 42 % des iShares Core MSCI Emerging Markets ETF entfielen auf Technologie und Künstliche Intelligenz. Das verschafft Anlegern Zugang zu einem Teil der Wertschöpfungskette, der jenseits der großen marktführenden US-Technologieunternehmen liegt und von steigenden Gewinnerwartungen zusätzlich zusätzlichen Auftrieb erhalten.
Breiter gefasst zeigt auch der iShares MSCI ACWI ex U.S. ETF (ISIN: US4642882405, WKN: A0YC2S), dass internationale Aktien nach dem Schock zunächst stärker unter Druck standen. Seit Ende Februar liegt dieser Fonds laut MarketWatch mit 2,3 % im Minus. Der Schwellenländerfonds kommt im selben Zeitraum nur auf ein Minus von 0,4 %, während der S&P 500 um 2,7 % gestiegen ist.
Noch ist damit nicht entschieden, dass Schwellenländer den US-Markt auf Sicht der nächsten Monate dauerhaft abhängen. Die USA bleiben wegen ihrer Energieposition und der Stärke großer Tech-Konzerne in vielen Szenarien gut aufgestellt. Aber der April zeigt, dass Schwellenländer nach geopolitischen Schocks schneller wieder stabilisieren können als lange angenommen.