
Nach Liqid nun auch Scalable: ELTIF-Produkte gewinnen an Fahrt
Scalable bietet mit Blackrock einen ELTIF an. Der erwartete Schritt dürfte auch eine Reaktion auf den Erfolg des Startups Liqid sein. Die Renditen sind in optimistischen Szenarien ansehnlich, die Kosten für die aktive Verwaltung allerdings hoch.
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Bereits im vergangenen Sommer tauchten erste Berichte auf, nun ist es offiziell: Der Neobroker Scalable Capital bietet in Zusammenarbeit mit dem Vermögensverwalter Blackrock einen ELTIF an. Das Akronym steht für European-Long-Term Investment-Funds.
ELTIFs investieren in privaten Märkten. Dazu zählen Private Equity, Private Credit, Infrastrukturprojekte und Immobilien. Der Markt für private Assets ist groß: Rund 88 % der weltweiten Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Mio. USD sind laut einer Studie von Capital IQ nicht an der Börse notiert.
Scalable öffnet Warteliste für ELTIF von Blackrock
Kunden von Scalable können sich aktuell auf eine Warteliste für den Blackrock Private Equity Fund (ISIN: LU2970811951, WKN: A410GZ) eintragen lassen. Notwendig ist ein Mindestinvestment von 10.000 EUR, das anschließend über Sparpläne erweitert werden kann.
Gemäß Basisinformationsblatt von Blackrock ist der aktiv verwaltete Fonds in seiner Ausrichtung sehr flexibel. "Direkte und indirekte illiquide langfristige Private-Equity-Anlagen sowie liquide Anlagen" werden ebenso genannt wie "Eigenkapitalbeteiligungen und eigenkapitalähnliche Beteiligungen" und andere "Ko-Investitionsinstrumente" sowie "Instrumente zur Unternehmensfinanzierung in Form von Gesellschafterdarlehen oder sonstigen Gesellschafterfinanzierungen".
"Der Fonds beabsichtigt, Anlagen auf der Grundlage von Ko-Investitionen an der Seite von finanziellen, strategischen oder anderen externen PrivateEquity-Sponsoren zu tätigen, die Ko-Investitionen sponsern oder fördern", heißt es bei Blackrock. Assets können über den Primär- und den Sekundärmarkt erworben werden. Investiert wird grundsätzlich weltweit.
ELTIF-Markt nimmt Fahrt auf
Der ELTIF-Markt gewinnt an Fahrt. Bis zum Ende des dritten Quartals 2024 gab es 36 neue ELTIF-Registrierungen in Europa. Der am schnellsten wachsende Anbieter – und im Hinblick auf die Bedienung von Privatanlegern "frühe Vogel" ist das Berliner Finanz-Startup Liqid, das den Zugang zu Private Equity-Fonds ab 10.000 EUR ermöglicht.
Im Sommer vermeldete Liqid 50 Millionen EUR Investmentvolumen, im November wurde bereits die Marke von 100 Millionen geknackt. Die Zielgruppe für den ELTIF sei zwischen 20 und 40 Jahre alt, skizzierte Firmenchef Christian Schneider-Sickert einmal. Weitere Anbieter neben Liqid und demnächst Scalable/Blackrock sind Nao und Moonfare.
Der Hintergrund: Die im Januar 2024 in Kraft getretene überarbeitete europäische Long-Term Investment Funds (ELTIF)-Verordnung soll Fondsgesellschaften die Auflage entsprechender Produkte erleichtern. Die erste Version der ELTIF-Verordnung war bereits 2015 in Kraft getreten, hatte aber nur zu einer sehr überschaubaren Zahl von Produkten auf dem Markt geführt.
Für die Neufassung wurde die Liste der für einen ELTIF zulässigen Vermögensgegenstände erweitert. So können nun auch bestimmte langfristige Verbriefungen und grüne Anleihen ins Portfolio aufgenommen werden. ELTIF-Fonds dürfen nun zudem in andere Fonds investieren, sofern diese in für ELTIFs vorgesehene Assets investieren. Dies ermöglicht Dachfonds-Konstruktionen. Nicht zuletzt sieht die ELTIF-Verordnung unter Bedingungen auch die Möglichkeit offener Fonds vor.
Hohe Rendite möglich, hohe Kosten sicher
Die früheren, strikten Einschränkungen für Privatanleger wurden weitgehend aufgehoben: Nach alter Rechtslage durften private Investoren, deren Portfolio insgesamt weniger als 500.000 Euro betrug, maximal 10 % des Portfolios in ELTIFs investieren.
Im Factsheet zum Fonds stellt Blackrock einige Szenariorechnungen an. Im Stressszenario wird bei einem Ausstieg nach fünf Jahren eine jährliche Rendite von -4,1 % erreicht. Im mittleren Szenario beträgt die Rendite 10,5 % pro Jahr, im optimistischen Szenario sogar 15,3 %.
Die Annahmen zur Rendite verstehen sich nach Abzug der Kosten – und liegen deutlich höher als Kunden von Scalable und Co. es von ETFs gewohnt sind. Blackrock gibt die Kosten mit 3,8 % pro Jahr an. Ein weiterer Unterschied zu ETFs ist die zweijährige Sperrfrist nach Auflage des Fonds.