
Schwab und Fidelity: US-Broker erziehen Teenager jetzt zu Daytradern
US-Broker ermöglichen bereits 13-jährigen den aktiven Handel mit Aktien und ETFs. Die neuen Konten eröffnen Jugendlichen weitaus mehr Freiraum als klassische Depotkonten für Minderjährige. Sogar Daytrading ist möglich.
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"Mit Ihrer Hilfe und Unterstützung lernen Ihre Kinder, wie man investiert, Geld verwaltet und für die Zukunft plant." So bewirbt der US-Broker Charles Schwab das im vergangenen Monat eingeführte Teen Investor Konto. Dieses richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 13-17 Jahren. Eröffnet werden die Handelskonten gemeinsam mit den Eltern.
Danach aber steht den Minderjährigen die Finanzwelt überraschend weit offen. Ist das Konto einmal eingerichtet, können Eltern die Transaktionen des Nachwuchses zwar einsehen. Sie können jedoch weder Transaktionen noch Abhebungen stoppen - es sei denn, durch eine Kontoschließung.
"Das Kind hat die volle Kontrolle"
Jonathan Craig, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Anlegerdienstleistungen bei Charles Schwab, erläutert den Unterschied zu klassischen Depotkonten für Kinder, wie es sie auch in Deutschland gibt. "Bei einem Depotkonto ist das Kind nur ein Mitläufer. Es ist eine Möglichkeit für Eltern, mit dem Sparen für ihre Kinder zu beginnen." Bei dem Teen Investor Konto hingegen habe "das Kind die volle Kontrolle."
Rechtlich führen Jugendliche ein Gemeinschaftskonto mit ihren Eltern oder Erziehungsberechtigten.
Bei Fidelity findet sich mit dem Youth Account ein ähnliches Produkt. Das Versprechen des Vermögensverwalters: "Ein von Teenagern geführtes Wertpapierdepot, das Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren die Freiheit gibt, in die meisten US-Aktien, ETFs und Fidelity-Investmentfonds zu investieren - während die Eltern in Verbindung bleiben."
Schwab ermöglicht sowohl Teenagern als auch ihren Eltern den Handel, während Fidelity dies nur Teenagern erlaubt. Beide Konten eröffnen Zugang zu einem breiten Anlageuniversum, wenngleich bestimmte Geschäfte mit erhöhten Risiken wie Margin- und Optionshandel nicht freigeschaltet sind. Auch FX-Handel, gehebelte ETFs, OTC Aktien, IPOs, Leerverkäufe und einige weitere Bereiche sind ausgenommen.
Aktien, Fonds, ETFs, Bonds
Zur Verfügung stehen die meisten US-Aktien, Exchange Traded Funds (ETFs), Investmentfonds, festverzinsliche Wertpapiere. Fidelity nennt auch REITs und einige internationale Aktien. Schwab verlangt keine Kontoführungsgebühren und keine Mindesteinzahlung und ermöglicht durch Aktienbruchstücke Investments bereits ab 5 USD. Auch bei Fidelity ist die Kontoführung gebührenfrei, Wertpapieraufträge können ab 1 USD erteilt werden.
Im Hinblick auf den Anlagestil finden sich in den Bedingungen keine Einschränkungen, etwa im Hinblick auf Intraday Handel. Da für Online Trades mit Aktien und ETFs keine Kommissionen anfallen, können Jugendliche auch mit kleinen Konten theoretisch sehr aktiv handeln. Die Broker betreiben mit den Teenager Accounts damit auch ein Stück Daseinsvorsorge: Wird die Kundschaft in jungen Jahren an aktiven Handel gewöhnt, spricht dies für gute Geschäfte in der Zukunft.
Was passiert, wenn der Nachwuchs die Volljährigkeit erreicht und sich den Investmentrat der Eltern verbittet? Fidelitys Jugendkonto verlangt, dass der Jugendliche innerhalb von 60 Tagen nach seinem 18. Geburtstag in ein Standard-Brokerage-Konto umwandelt. Schwabs Teen Investor ermöglicht es, das Gemeinschaftskonto bis zum 21. Lebensjahr weiterzuführen, wobei der Jugendliche mit 18 Jahren ein Einzelkonto eröffnen und die Vermögenswerte übertragen kann.