
Militärtechnik: Flugtaxis und Wehrtechnik: Joby erweitert sein Geschäft
Joby will mit der Übernahme des US-Wehrtechnikspezialisten Resonant Zugang zu klassifizierten Programmen, freigegebenem Fachpersonal und Produktionskapazitäten gewinnen. So verbreitert der Lufttaxihersteller seine Erlösbasis, während die US-Typenzulassung weiterläuft.
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Joby Aviation KYG651631007A3CWWU hat eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme des US-Wehrtechnikspezialisten Resonant Sciences geschlossen. Der Basiskaufpreis beträgt 500 Mio. USD, der endgültige Kaufpreis kann sich durch übliche Anpassungen noch verändern. Zu den Vollzugsbedingungen zählen bestimmte regulatorische Genehmigungen und Genehmigungen im Bereich der nationalen Sicherheit. Der Abschluss ist für die erste Hälfte 2027 geplant.
Mit dem Zukauf stärkt Joby sein Geschäft mit Verteidigungstechnologie. Mehrere Anbieter elektrisch angetriebener Senkrechtstarter, sogenannter eVTOL, richten sich stärker auf militärische Anwendungen aus, da die Entwicklung und Zulassung ziviler Flugtaxidienste mehr Zeit in Anspruch nimmt als zunächst erwartet. Ein breiter kommerzieller US-Betrieb von Jobys Flugtaxi setzt unter anderem die noch ausstehende FAA-Typenzulassung voraus. Auf der Militärseite verweist Joby auf steigende US-Verteidigungsinvestitionen in Resonants Kernmärkten. Resonant bringt laufende Regierungsprogramme mit ein. Das Unternehmen erzielte in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 100 Mio. USD Umsatz.
Resonant liefert Personal und sichere Infrastruktur
Resonant entwickelt in Dayton Funk-, Sensor- und Missionssysteme für US-Regierungsstellen und große Rüstungsauftragnehmer. Ein Teil dieser Aufträge betrifft staatlich geheimhaltungsbedürftige Programme. Mehr als 90 Prozent der rund 250 Resonant-Beschäftigten verfügen laut Joby über staatliche Sicherheitsfreigaben. Eine solche Freigabe bestätigt die grundsätzliche Berechtigung, mit klassifizierten Informationen zu arbeiten. Konkreter Zugang setzt zusätzlich einen dienstlichen Informationsbedarf voraus.
Außerdem verfügt Resonant über eine langjährige Unternehmensfreigabe sowie akkreditierte Einrichtungen für Arbeiten mit klassifizierten Informationen. Nach Angaben eines Joby-Sprechers gegenüber dem Verteidigungsfachmedium Breaking Defense fehlten Joby bislang ausreichend freigegebenes Personal und sichere Einrichtungen für klassifizierte Militärprojekte. Resonant bringt diese Voraussetzungen bereits mit.
Joby hat bereits Erfahrung mit militärischen Auftraggebern. Das Unternehmen lieferte 2023 ein experimentelles Fluggerät an die US Air Force für Erprobungen auf der Edwards Air Force Base. Die Übernahme von Resonant würde Jobys Voraussetzungen für klassifizierte Projekte deutlich erweitern. Der Joby-Sprecher erklärte gegenüber Breaking Defense, das Unternehmen könne dadurch einen größeren Anteil klassifizierter Entwicklungs- und Programmaufgaben übernehmen.
Nach Abschluss der Transaktion soll Resonant Jobys Verteidigungsgeschäft bündeln. Dazu gehören hybride Fluggeräte sowie Technologien für autonomes senkrechtes Starten und Landen. Ein frühes Integrationsprojekt soll Jobys Autonomiesysteme mit Resonants Funk-Sensorik und Signalverarbeitung verbinden. Dadurch will Joby die Entwicklung autonomer Systeme für Verteidigungskunden beschleunigen.
Nach Abschluss der Übernahme und Fertigstellung des laufenden Ausbaus sollen beide Unternehmen im Raum Dayton zusammen rund neun Hektar Fläche für Fertigung, Integration und Tests haben.
Zivilgeschäft nähert sich ersten US-Einsätzen
Parallel arbeitet Joby weiter an der fünften und letzten Stufe der Typenzulassung durch die US-Luftfahrtbehörde FAA. Für September erwartet das Unternehmen erste Flüge in Texas im eVTOL Integration Pilot Program, kurz eIPP. Das Programm bringt öffentliche Stellen und Unternehmen zusammen, um frühe Einsätze zu ermöglichen und Erfahrungen für künftige Regeln zu sammeln.
Das eIPP ersetzt die reguläre Typenzulassung ausdrücklich nicht. Die beteiligten Fluggeräte müssen sich bereits im regulären Verfahren zur FAA-Typenzulassung befinden. Joby strebt noch 2026 erste Flüge mit Passagieren an. Für einen breiten regulären Lufttaxidienst bleibt die Typenzulassung maßgeblich.
Hohe Liquidität trifft auf mögliche Verwässerung
Joby will rund 450 Mio. USD bar und 50 Mio. USD in eigenen Aktien zahlen. Ende Juni verfügte das Unternehmen über 2,3 Mrd. USD an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen. Der Baranteil des Kaufpreises entspricht damit rechnerisch knapp einem Fünftel dieser Liquiditätsbasis. Am Tag der Übernahmeankündigung vereinbarte Joby außerdem ein Aktienverkaufsprogramm mit einem Volumen von bis zu 750 Mio. USD. Das Unternehmen kann diese Aktien nach Bedarf am Markt platzieren.