
Mehr Spielraum beim Gas: LNG-Markt im Wandel – QatarEnergy kauft US-Gas, Monumental Energy setzt auf Projekte
QatarEnergy will internationale Kunden künftig aus mehreren Produktionsregionen versorgen. Neue US-Verträge sollen die Abhängigkeit von Transportwegen durch den Persischen Golf verringern. Die Suche nach verlässlichen Gasquellen beschäftigt auch andere Märkte, etwa Neuseeland.
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QatarEnergy, ein staatlicher Energiekonzern Katars, hat Ende Oktober drei Kaufverträge über jährlich bis zu sieben Millionen Tonnen amerikanisches Flüssigerdgas geschlossen. Die Lieferungen sollen 2030 beziehungsweise 2031 beginnen. Diese Mengen mindern die gegenwärtigen Versorgungsengpässe vorerst nicht. Doch nach einer Prognose des britischen Energieberatungsunternehmens Wood Mackenzie könnte QatarEnergy bis 2033 zum größten Abnehmer von US-LNG aufsteigen. Der Konzern würde damit seine Stellung als Gasproduzent um eine erhebliche Rolle im internationalen LNG-Handel erweitern.
Amerikanische Lieferrechte erweitern das Handelsgeschäft
Die zusätzlich vereinbarten Mengen sind für Kunden außerhalb Katars vorgesehen. Gemäß den Verträgen übernimmt QatarEnergy das Gas direkt an amerikanischen Exportterminals. Den anschließenden Seetransport organisiert der Konzern selbst und kann die Ladungen über sein internationales Handelsnetz vermarkten.
Der US-amerikanische LNG-Exporteur Cheniere ISIN US16411R2085 WKN 580884 soll jährlich bis zu vier Millionen Tonnen aus Louisiana und Texas bereitstellen. Der australische Energiekonzern Woodside ISIN AU0000224040 WKN A3DNGW liefert bis zu drei Millionen Tonnen aus seinem noch im Bau befindlichen Projekt Louisiana LNG. Die Lieferungen von Woodside werden ab 2030 erwartet, jene von Cheniere ab 2031. Die Verträge mit Cheniere laufen bis Ende 2054, mit Woodside wurde eine Laufzeit von 20 Jahren vereinbart.
QatarEnergy gründete bereits 2020 eine eigene LNG-Handelseinheit. Nach Angaben von Wood Mackenzie handelte der Konzern 2025 mit mehr als 20 Mio. Tonnen Flüssiggas. Im internationalen Vertrieb lassen sich so eigene Produktionsmengen und zusätzlich beschafftes Gas gemeinsam vermarkten.
2023 überholten die USA Katar als größten LNG-Exporteur der Welt. Der Zugang zu amerikanischen Exportanlagen eröffnet QatarEnergy zusätzliche Möglichkeiten, seine Lieferverpflichtungen gegenüber internationalen Kunden zu erfüllen.
Persischer Golf bleibt kritischer Transportweg
LNG-Ausfuhren ab Katar sind auf die Passage durch die Straße von Hormus angewiesen. Flüssiggas aus amerikanischen Häfen erreicht die internationalen Märkte dagegen unabhängig von diesem Seeweg. Die US-Verträge sollen QatarEnergy deshalb künftig besser gegen regionale Lieferausfälle absichern.
Wie gravierend Störungen ausfallen können, zeigten die Angriffe auf den Schiffsverkehr im Jahr 2026. Laut der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times sanken die katarischen LNG-Ausfuhren dadurch auf weniger als ein Drittel ihres üblichen Umfangs. Nach Beginn der Kämpfe Ende Februar stellte QatarEnergy die Produktion ein und machte gegenüber betroffenen Kunden höhere Gewalt geltend.
Im März beschädigten iranische Angriffe außerdem zwei LNG-Produktionsanlagen im katarischen Ras Laffan. Auf diese Anlagen entfallen rund 17 % der bisherigen Exportkapazität des Landes. Nach Unternehmensangaben könnten die Reparaturen drei bis fünf Jahre dauern. Vor allem asiatische Kunden mussten sich wegen der Lieferausfälle um Ersatz bemühen.
Ein kurzfristiges Ausweichen auf andere Transportwege ist bei Flüssigerdgas schwierig. Anders als Erdöl lässt es sich nur unter erheblichem technischem Aufwand von einem Schiff auf ein anderes umladen. Zudem fehlen Pipelines, über die katarisches Exportgas zu Verladeterminals außerhalb des Persischen Golfs gelangen könnte.
Mengenprognose für 2033 steht unter Vorbehalt
An Golden Pass, einem LNG-Exportprojekt in Texas, hält QatarEnergy bereits 70 %. Im April 2026 verließ die erste LNG-Ladung das neue Terminal. Bei voller Kapazität sollen dort jährlich 18 Mio. Tonnen produziert werden. Davon will die Handelssparte von QatarEnergy rechnerisch 12,6 Mio. Tonnen abnehmen.
Zusammen mit weiteren amerikanischen Lieferrechten könnte QatarEnergy nach Berechnungen von Wood Mackenzie bis 2033 über 23,7 Mio. Tonnen US-Flüssigerdgas jährlich verfügen. Damit läge der Konzern im untersuchten Markt vor dem französischen Energiekonzern TotalEnergies ISIN FR0000120271 WKN 850727 und Shell ISIN GB00BP6MXD84 WKN A3C99G aus Großbritannien.
Ein Teil der vereinbarten Liefermengen setzt allerdings zusätzliche Exportkapazitäten voraus. Bei Cheniere hängt eine Million Tonnen Jahreslieferung noch von der endgültigen Investitionsentscheidung über den Ausbau des LNG-Exportterminals Sabine Pass im US-Bundesstaat Louisiana ab. Woodside kann die vereinbarte Höchstmenge erst nach Inbetriebnahme der dritten Produktionslinie seines Projekts bereitstellen.
Auch die Prognose von Wood Mackenzie berücksichtigt Verträge für weitere Projekte ohne endgültige Investitionsfreigabe. Bestimmte Handelsvolumina anderer Marktteilnehmer bleiben dagegen unberücksichtigt. Die erwartete Spitzenposition steht deshalb unter mehreren Vorbehalten.
Jason Feer vom Energie- und Schiffsmakler Poten & Partners sieht in der breiteren geografischen Aufstellung eine Stärkung der Versorgungssicherheit. Weitere Vereinbarungen in den USA oder anderen Regionen hält er für möglich.
Neuseeland sucht zusätzliche heimische Gasquellen
Die Bemühungen um eine verlässlichere Gasversorgung beschränken sich allerdings nicht auf den internationalen LNG-Handel. In Ländern mit rückläufiger Eigenförderung stellt sich zugleich die Frage, welche Rolle zusätzliche heimische Ressourcen künftig spielen können.
Besonders deutlich wird diese Entwicklung in Neuseeland. Dort sinkt die Erdgasförderung seit Jahren, was die Versorgung von Industrie und Stromwirtschaft zunehmend erschwert. Gas wird unter anderem benötigt, um Schwankungen der wetterabhängigen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auszugleichen. Die Regierung bereitet deshalb eine mögliche LNG-Importanlage am Port Taranaki auf der Nordinsel vor.
Monumental Energy verbindet Ölförderung mit Gasexploration
Parallel bleibt die Erschließung heimischer Vorkommen von wirtschaftlichem Interesse. Das Taranaki-Becken bildet seit Jahrzehnten das Zentrum der neuseeländischen Öl- und Gasförderung. Dort konzentriert sich auch das operative Engagement des kanadischen Energieunternehmens Monumental Energy ISIN CA61534D1087 WKN A3EYZW.
Dabei beteiligt sich das Unternehmen an bestehenden Förderprojekten und sucht zugleich nach weiteren Öl- und Gasvorkommen. Partner ist unter anderem der Öl- und Gasproduzent New Zealand Energy ISIN CA6501583067 WKN A3EW4T.
Bestehende Ölbohrungen und neue Förderprojekte
Im Gebiet Waihapa-Ngaere werden vorhandene Bohrlöcher überarbeitet. Monumental finanziert ausgewählte Maßnahmen zur Wiederaufnahme oder Verbesserung der Förderung und erhält dafür vertraglich vereinbarte Anteile an den Nettoerlösen. Nach den geltenden Vereinbarungen fließen zunächst 75 % dieser Erlöse an Monumental, bis die eingesetzten Mittel zurückgeflossen sind. Anschließend beträgt der Anteil 25 %.
Das Programm lieferte im Frühjahr erste Ergebnisse. Für das reaktivierte Bohrloch Waihapa H1 meldete Monumental im März eine Förderrate von 568 Barrel Öl täglich. Bei Ngaere-2 wurden 300 Barrel pro Tag erreicht. Solche frühen Förderraten lassen allerdings noch keine verlässlichen Rückschlüsse auf die langfristigen Produktionsmengen zu.
Nach Angaben von Monumental Energy waren im Oktober 2026 im gemeinsamen Förderumfeld fünf Bohrungen in Betrieb. Die vorhandene Waihapa-Infrastruktur ermöglicht die Verarbeitung und Vermarktung geförderter Rohstoffe. Bereits erschlossene Lagerstätten lassen sich dabei mit vergleichsweise überschaubaren technischen Maßnahmen weiter nutzen.
Über die bestehenden Förderprojekte hinaus bereitet das Unternehmen zusätzliche Explorationsvorhaben vor. Im Oktober kündigte Monumental eine geplante Beteiligung am Maata-Ölprojekt im südlichen Taranaki-Becken an. Nach Unternehmensangaben besitzt das geologische Zielgebiet ein mögliches Potenzial von mehr als zehn Millionen Barrel Öl. Nachgewiesene Reserven liegen für Maata bislang noch nicht vor. Eine erste Bohrung ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen, wenn die erforderlichen Vereinbarungen und Genehmigungen vorliegen.
Tirua Point: Genehmigung und Bohrungen stehen noch aus
Eine stärker auf Erdgas ausgerichtete Perspektive bietet das Explorationsgebiet Tirua Point im nördlichen Taranaki-Becken. Monumental strebt dort nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens und der erforderlichen Vereinbarungen eine Beteiligung von 60 % an. Das rund 250 Quadratkilometer große Gebiet erstreckt sich über Flächen an Land und vor der Küste.
Geologische Auswertungen haben zwei mögliche Gas-Kondensat-Vorkommen identifiziert: Mauku Northeast und Mangatoa. Eine im September vorgestellte Neubewertung seismischer Daten deutet darauf hin, dass sich die Ziele möglicherweise von Land aus untersuchen lassen. Ob tatsächlich förderbare Gasvorkommen vorhanden sind, müssen weitere Untersuchungen und Bohrungen klären.
Die bestehenden Förderprojekte bilden bereits die Grundlage für laufende Erlösbeteiligungen. Bei Maata und Tirua Point sollen weitere Explorationsarbeiten das vermutete Öl- beziehungsweise Gaspotenzial untersuchen. Insbesondere Tirua Point könnte Monumental langfristig zusätzliche Möglichkeiten im neuseeländischen Gasgeschäft eröffnen.
Für Neuseeland stehen damit zwei Ansätze zur Verbesserung der Versorgungssicherheit nebeneinander. Das geplante LNG-Terminal soll zusätzliche Importmöglichkeiten schaffen, während Unternehmen wie Monumental an der Nutzung heimischer Öl- und Gasvorkommen arbeiten.
Die Entwicklungen in Katar und Neuseeland stehen beispielhaft für einen LNG-Markt im Wandel: Während QatarEnergy seine internationalen Bezugsquellen erweitert, setzt Monumental auf die Erkundung heimischer Ressourcen.
