
Investor Woche: US-Jobmarkt unter Erwartungen, Euro-Inflation bei 3,8 %, Tesla über Erwartungen, VW kündigt Tarifverträge, Nike unter Druck, IQS startet Partnerschaft mit Synergis
Während der US-Arbeitsmarkt die Erwartungen verfehlt, liegt die Euro-Inflation über dem Analysten-Konsens. NVIDIA stockt die Aktienrückkäufe um 150 Mrd. USD auf, Micron verzehnfacht den Quartalsgewinn. Monumental Energy identifiziert Bohrziele in Neuseeland, Virtuix erweitert seine Spielebibliothek. Die McDonald's-Aktie steht weiter unter Druck – aber wie lange noch?
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Marktentwicklung
Die steigenden Bondrenditen sind das beherrschende Thema an den Märkten: 5,3 % bei zehnjährigen US-Anleihen bedeuten einen langjährigen Höchststand, der die Aktienmärkte beunruhigt und auch Gold und Silber unter Druck setzt. Die Kurse zeigen sich noch ruhig: Der DAX gibt auf Wochensicht leicht nach, NASDAQ-100 und S&P 500 legen leicht zu. Der Euro indes fällt gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit Mai 2025.
Top-Meldungen
US-Arbeitsmarkt enttäuscht mit nur 29.000 neuen Jobs
In den USA wurden im September 29.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, was weit unter den Erwartungen im Bereich von 90.000 neuen Jobs lag. Die Arbeitslosenquote stieg leicht auf 4,2 %. Die Daten für Juli und August wurden nach unten korrigiert. Im Juli gingen 10.000 Stellen verloren, zuvor war ein Zuwachs von 21.000 Stellen prognostiziert worden. Der Stellenzuwachs im August wurde von 162.000 auf 133.000 nach unten korrigiert.
Die Auswirkungen auf die Geldpolitik der Fed, die sich zuletzt stärker der Inflation als dem Arbeitsmarkt verschrieben hat, gelten als überschaubar. Die Zahl der benötigten Arbeitsplätze sinkt durch eine alternde Erwerbsbevölkerung und eine restriktivere Zuwanderung.
Inflation im Euro-Raum steigt auf 3,8 %
Vor allem aufgrund höherer Energiepreise stieg die Inflation im Euro-Raum im September auf 3,8 %, was über den Erwartungen von 3,6 % lag. Die Kerninflation stieg auf 2,5 % nach 2,4 % im August.
Die Entwicklungen an den Derivatemärkten deuten auf eine Wahrscheinlichkeit von 11,7 % hin, dass die EZB im Oktober die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte anhebt. Für die Dezember-Sitzung steigt diese Wahrscheinlichkeit jedoch auf fast 70 %.
Virtuix erweitert Bibliothek für Omni One for Quest
Virtuix ISIN US92835U1016 WKN A41H19 meldete eine Erweiterung der Spielebibliothek für das Premium Treadmill System Omni One for Quest auf über 75 kompatible oder bevorstehende Meta Quest-Titel. Zu den verfügbaren Titeln gehören Titel und Franchises wie Forefront, Teenage Mutant Ninja Turtles und The Boys. Für den Zeitraum seit der Markteinführung im Juni meldete Virtuix einen Anstieg der Omni One-Bestellungen um etwa das Dreifache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, aufbauend auf einem Bestellwachstum von 72 % gegenüber dem Vorjahr im ersten Geschäftsquartal des Unternehmens.
Tesla-Auslieferungen im dritten Quartal über den Erwartungen
Die Auslieferungen von Tesla ISIN US88160R1014 WKN A1CX3T sind im vergangenen Quartal gesunken, lagen aber über den Erwartungen von Analysten. 486.532 Elektrofahrzeuge wurden verkauft – rund 2 % weniger als ein Jahr zuvor. Analysten hatten im Schnitt mit knapp 464.000 ausgelieferten Autos gerechnet. Das Vorjahresquartal war allerdings aufgrund von Sondereffekten besonders stark ausgefallen.
Integrated Quantum Technologies startet Partnerschaft mit Synergis
Integrated Quantum Technologies ISIN CA45836R1055 WKN A423XJ informierte über den Abschluss einer Vertriebspartnerschaft mit Technology Resource Solutions. Demnach wird Synergis als Vertriebspartner für VEIL (Vector-Encoded Information Layer), die KI-Infrastrukturtechnologie von IQT, fungieren. Synergis wird VEIL potenziellen Unternehmenskunden innerhalb seines Netzwerks vorstellen und gemeinsam mit IQT mögliche Implementierungen auf Basis der Kundenanforderungen und Anwendungsfälle identifizieren.
Volkswagen kündigt Tarifverträge
Im Zuge des verschärften Sparprogramms hat das Management von Volkswagen ISIN DE0007664039 WKN 766403 einen Großteil der bestehenden Tarifverträge gekündigt. Betroffen sind zehn von dreizehn Tarifverträgen, darunter der Entgelttarifvertrag, der Manteltarifvertrag, der Ausbildungstarifvertrag und der Rahmentarifvertrag für Beschäftigte mit Spezialisten- oder Führungsfunktionen. Die Verträge sind fristgerecht zum 31. Dezember 2026 gekündigt.
Nike kommt nicht aus der Krise und verschärft Sparprogramm
Nike ISIN US6541061031 WKN 866993 rechnet für das im Mai 2027 endende Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich. Im Juni hatte das Unternehmen lediglich für das erste Halbjahr einen Rückgang prognostiziert. Der Umsatz sank im letzten Quartal um 4 % auf 11,2 Mrd. USD, was bedeutet, dass Nike für die kommenden Monate mit deutlicheren Rückgängen rechnet. Die Sparanstrengungen sollen deshalb verschärft werden.
NVIDIA stockt Aktienrückkäufe um 150 Mrd. USD auf
Nvidia ISIN US67066G1040 WKN 918422 hat eine Aufstockung seines Aktienrückkaufprogramms um 150 Mrd. USD genehmigt, wodurch sich die Gesamtgenehmigung für Aktienrückkäufe auf 235 Mrd. USD erhöht. Zur Einordnung: Das Volumen übertrifft Apples 2024 angekündigtes Aktienrückkaufprogramm im Wert von 110 Mrd. USD.
Micron verzehnfacht Quartalsgewinn
Micron Technology ISIN US5951121038 WKN 869020 meldete für das vierte Geschäftsquartal einen Gewinn von 37,7 Mrd. USD, gegenüber 3,2 Mrd. USD im Vorjahresquartal. Der Umsatz legte von 11,32 Mrd. USD im Vorjahr auf 54,3 Mrd. USD zu. Es wurden 26 langfristige Verträge mit Kunden abgeschlossen.
"Die Nachfrage der Branche hat sich seit unserer letzten Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen verstärkt, und wir gehen davon aus, dass die Angebots- und Nachfragebedingungen für Speicherlösungen in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 deutlich angespannter sein werden als im Jahr 2026", sagte der Vorstandsvorsitzende Sanjay Mehrotra gegenüber Analysten.
Monumental Energy legt Bohrziele fest
Monumental Energy ISIN CA61534D1087 WKN A3EYZW hat nach der Neuauswertung seismischer Daten im neuseeländischen Lizenzgebiet Tirua (PEP 61554) ein konkretes Bohrziel festgelegt, vorbehaltlich der finalen Behördengenehmigung. Im Rahmen der technischen Untersuchungen wurden zwei ertragreiche Gaskondensat-Vorkommen identifiziert: Mauku NE mit einem geschätzten Potenzial von 200 PJ sowie das tiefer liegende Mangatoa-Prospekt mit über 1.000 PJ. Das Projekt Mauku NE gilt dank seiner moderaten Zieltiefe von rund 2.000 Metern und der Möglichkeit einer Erschließung von Land aus als besonders vielversprechend.
Unter der Lupe
McDonald's: Auf 4-Jahres-Tief ein fallendes Messer oder Buffett-Schnäppchen?
Die Aktie von McDonald's ISIN US5801351017 WKN 856958 hat seit ihrem Hoch im Februar rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Der Chart zeigt ein fallendes Messer – mit einem kleinen Hoffnungsschimmer. Aktuell notiert die Aktie knapp über der Unterstützung bei 230–231 USD aus dem Jahr 2022.
McDonalds ist ein Unternehmen mit breitem ökonomischem Burggraben, Kostenvorteilen und Preissetzungsmacht – ein Fall für Warren Buffett also? Die Bewertung jedenfalls scheint günstig. Das Unternehmen wird mit dem 15,3-fachen seines Cashflows gehandelt, das Forward KGV liegt bei 16,75. Die Dividendenrendite liegt bei 3,33 % und wird durch Aktienrückkäufe auf eine Gesamtrendite von mehr als 4,6 % erhöht.
Natürlich gibt es Gegenwind: Steigende Rindfleischpreise und weitere Mindestlohnerhöhungen, ein sich verschärfender internationaler Wettbewerb und sich wandelnde Verbrauchertrends im Gesundheitsbereich, einschließlich des zunehmenden Einsatzes von GLP-1 könnten die Nachfrage dämpfen.
Morningstar sieht den fairen Wert bei 270 USD und damit rund 16 % über dem aktuellen Kursniveau. "Wir gehen davon aus, dass McDonald's trotz des schwierigen Marktumfelds im Fast-Food-Sektor Marktanteile gewinnen wird", sagt Morningstar-Analyst Ari Felhandler. Er erwartet in den nächsten fünf Jahren ein Systemumsatzwachstum von 5,6 %, getrieben durch ein organisches Umsatzwachstum von 3,1 % und ein Filialwachstum von 3,7 %. Rentabilitätspotenzial sieht er zudem durch en Einsatz von KI in den Filialen.
Felhandler prognostiziert zudem deutlich steigende Dividenden und starke Aktienrückkäufe.
Die durch das Wall Street Journal befragten Analysten setzen im Median ein Kursziel von 299 USD und sind damit optimistischer als Morningstar. 17 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf (bei 5× Overweight, 15× Hold und 1× Sell).
Anleger können die Aktie auf die Watchlist setzen und im Fall einer Bodenbildung des laufenden Abwärtstrends einen Einstieg in Betracht ziehen.
Grafik der Woche
Die Bondrenditen geben den Takt vor
Die steigenden Zinsen sind das dominierende Thema an den Märkten. Wenn die Rendite einer Anleihe steigt, sinkt ihr Kurs. Die steigenden Zinsen entsprechen also einem Bärenmarkt bei Bonds. Wir erleben einen der härtesten Bärenmärkte der Historie. Dies zeigt ein Blick auf die Kursentwicklung des 30 Y US Treasury Price Return Index. Dieser ist seit 2020 um rund 60 % auf den tiefsten Stand seit 2000 gefallen.
Zum Vergleich: Der bisher größte Kursrückgang in den letzten 40 Jahren betrug während der Finanzkrise 2008 -35 %. Es handelt sich also nicht um einen simplen Kursrücksetzer am Anleihemarkt, sondern um eine strukturelle Verschiebung.

Fun Fact
Nach Big-Mac-Index jetzt auch Dönerpreisindex
Ein Arbeitnehmer mit Medianeinkommen kann sich heute circa 12 Döner am Tag leisten. Im Jahr 2006 waren es noch 19,5. Gemessen am "Dönerpreisindex" ist die Kaufkraft in den vergangenen zwei Jahrzehnten also deutlich geschrumpft. Der durch ein Finanzmagazin berechnete Index ist allerdings – im Gegensatz zu Konstruktionen wie dem Big-Mac-Index, der für die Bewertung von Währungen herangezogen wird – nicht ganz unumstritten. Insbesondere regional verschiedene Preise, wechselnde Qualität und fehlende Normierung lassen Fragen offen.




