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Investor WocheZweifacher US-Inflationsschock, Anthropic steigert Gewinn um 45 %, Tesla präsentiert fliegenden Roadster, Netflix streicht Jobs, International Graphite mit Wogen-Abnahmedeal

Verbraucher- und Erzeugerpreise in den USA steigen deutlich. Die TSMC-Aktie fällt trotz Rekordgewinn. US-Großbanken melden durchwachsene Zahlen zum Auftakt der Berichtssaison. Virtuix meldet einen Doppelerfolg mit US-Militär und Meta. Monumental Energy beteiligt sich über ein JV am Maata-Ölfeld in Neuseeland. Berkshire Hathaway steht kurz vor einem Allzeithoch.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 12 min
Titelbild: Picture alliance / prismaonline / Peter Frommenwiler

Marktentwicklung

Zinssorgen und der Ausverkauf bei Chip-Aktien waren die dominierenden Themen der Woche. Der NASDAQ-100 gab im Wochenverlauf um mehr als 4 % nach, beim S&P 500 lag das Minus mit 1,2 % in einem moderaten Bereich. Der DAX konnte sogar um 1,7 % zulegen, der Dow Jones um 1 %, was auf eine Marktrotation weg vom Tech-Sektor zurückgeht. Der Goldpreis notiert knapp unter 4.200 USD, der EUR/USD bei 1,1250.

Top-Meldungen

US-Inflation im September bei 3,7 %, Erzeugerpreise +6,3 %

Die US-Verbraucherpreise stiegen im September gegenüber dem Vorjahr um 3,7 % nach 3,4 % im August. Das war mehr als der von den vom Wall Street Journal befragten Ökonomen erwartete Anstieg von 3,6 %. Die Kerninflation lag bei 2,6 % und damit ebenfalls über den Erwartungen von 2,5 %. Die Produzentenpreisinflation stieg auf Jahressicht um 6,3 % und damit so stark wie seit Dezember 2022 nicht mehr. Laut FedWatch-Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung durch die Fed im Oktober dennoch bei nur 13,8 %.

Anthropic steigert Quartalsgewinn um 45 %

Der Umsatz des KI-Unternehmens Anthropic ist im dritten Quartal laut einem Bloomberg-Bericht um rund 45 % gegenüber dem Vorquartal auf 16,8 Mrd. USD gestiegen. Im ersten Quartal hatte der Umsatz 4,7 Mrd. USD betragen, im zweiten Quartal waren es 11,6 Mrd. USD. Dem Bericht zufolge war Anthropic im dritten Quartal auf bereinigter Basis profitabel.

International Graphite erhält Collie-Graphit von Wogen

International Graphite ISIN AU0000210957 WKN A3DJY5 hat einen verbindlichen Liefervertrag mit Wogen Pacific unterzeichnet. Wogen liefert Graphitkonzentrat als Rohstoff für die Collie Micronising Facility in Western Australia. Der Vertrag läuft zunächst drei Jahre (mit Verlängerungsoptionen). Die Preise orientieren sich an den jeweiligen Marktbedingungen.

Managing Director und CEO Andrew Worland sagte: "Der Vertrag sichert die Rohstoffversorgung für unsere Collie Micronising Facility von etablierten und zuverlässigen Produzenten. Wogen wird faktisch als Beschaffungsarm von IG6 fungieren, während wir unsere Verarbeitungsbetriebe aufbauen."

Indonesischer Aktienmarkt nach drohender MSCI-Suspendierung unter Druck

Der Finanzdatenkonzern MSCI bereitet überraschend den Rauswurf Indonesiens aus seinen internationalen Aktienindizes vor. Die Ankündigung löste an der Börse in Jakarta den stärksten Kursrutsch seit der Asienkrise Ende der 1990er-Jahre aus. Der indonesische Leitindex brach am Freitag um mehr als 11 % ein. Auch die Landeswährung Rupiah geriet unter Druck. Bislang war erwartet worden, das Land könnte aus dem MSCI-Emerging-Markets-Index verbannt, dafür aber in den Frontier-Index aufgenommen werden.

Tesla stellt fliegenden Roadster vor

Kein Aprilscherz, kein KI-Fake: Tesla ISIN US88160R1014 WKN A1CX3T hat in der texanischen Stadt Waco den neuen Roadster vorgestellt. Dieser verfügt über Kaltgas-Triebwerke, die dem Fahrzeug im wahrsten Sinne des Wortes Flügel verleihen. Bei der Präsentation begeisterte der Roadster mit einer Seitenrolle über geparkte andere Modelle des Elektroauto-Herstellers. Außerdem fuhr das mit einem Ansaugmechanismus ausgestattete Fahrzeug in einen Looping, den es kopfüber schwebend wieder verließ und sicher auf dem Boden landete.

TSMC mit Rekordgewinn

TSMC ISIN US8740391003 WKN 909800 meldete einen Anstieg des Nettogewinns im dritten Quartal um 69 % auf 23,71 Mrd. USD. Das Unternehmen prognostizierte für das vierte Quartal einen Umsatz zwischen 52,3 und 54,3 Mrd. US-Dollar und begründete dies mit der anhaltenden Nachfrage nach KI-Prozessoren und Hochleistungsrechneranwendungen. Die Prognose für das jährliche Umsatzwachstum wurde von "etwas über 40 %" im Juli auf rund 44 % angehoben – die dritte Anhebung der Prognose in diesem Jahr.

Virtuix verkauft für Meta und an US-Militär

Virtuix ISIN US92835U1016 WKN A41H19 agiert fortan als offizieller Wiederverkäufer von Meta-Produkten. Die Zusammenarbeit mit Meta Platforms wurde dazu nach dem erfolgreichen Start des Ganzkörper-KI-Simulationssystems Omni One für Quest weiter ausgebaut. Das Unternehmen gab außerdem den Verkauf eines Omni-One-Systems an das Combined Arms Center-Training Innovation Facility ("CAC-TIF") der US-Armee in Fort Leavenworth, Kansas, bekannt.

US-Großbanken machen den Auftakt zur Berichtssaison

Wie immer liegen die US-Großbanken in der Berichtssaison zeitlich weit vorn. JPMorgan Chase ISIN US46625H1005 WKN 850628, Goldman Sachs ISIN US38141G1040 WKN 920332, Citigroup ISIN US1729674242 WKN A1H92V und Wells Fargo ISIN US9497461015 WKN 857949 meldeten im dritten Quartal höhere Gewinne und Umsätze als im Vorjahr. Die vier Banken verzeichneten schwächere als erwartete Einnahmen aus dem Handel mit Anleihen im Auftrag ihrer Kunden, da sich die Turbulenzen am Anleihemarkt auf die Ergebnisse auswirkten.

Bank of America ISIN US0605051046 WKN 858388 und Morgan Stanley ISIN US6174464486 WKN 885836 folgten einen Tag später. Die Aufsichtsbehörden verhängten gegen die Bank of America eine Geldstrafe von 1,2 Mrd. USD, weil sie über unzureichende Systeme zur Überwachung und Meldung möglicher Finanzverbrechen verfügte. Dadurch sank der Gewinn im dritten Quartal auf 6,9 Mrd. USD, gegenüber 8,3 Mrd. USD im Vorjahresquartal, was die Aktie erheblich unter Druck setzte.

Der Nettogewinn von Morgan Stanley stieg im dritten Quartal auf 4,97 Mrd. USD, verglichen mit 4,61 Mrd. USD im Vorjahr. Treiber dieses Anstiegs war das Wachstum im Aktien- und Vermögensverwaltungsgeschäft.

Netflix streicht Jobs und ersetzt Content-Chef

Netflix ISIN US64110L1061 WKN 552484 baut angesichts des verlangsamten Wachstums und der sinkenden Kundenbindung rund 6 % seiner Belegschaft ab, das entspricht weltweit etwa 1.000 Mitarbeitern. Vor allem Produkt-, Technologie-, Rechts- und Personalabteilung sind betroffen. Gehen muss auch Netflix-Inhaltechefin Bela Bajaria. Sie wird durch Peter Rice abgelöst, einen ehemaligen Manager bei 21st Century Fox und Disney.

Monumental Energy steigt in Maata-Ölfeld ein

Monumental Energy ISIN CA61534D1087 WKN A3EYZW beabsichtigt den Erwerb einer Beteiligung am Onshore-Ölfeld Maata im Taranaki-Becken in Neuseeland. Der Kauf soll im Rahmen eines Konsortiums mit Jetex Energy Limited (als Betreiber), New Zealand Energy Corp. und 3TCF Limited erfolgen.

Das Maata-Prospekt im Rahmen der Erdölexplorationsgenehmigung PEP 60742 ist als das größte bisher identifizierte Mount-Messenger-Sandsteinziel in einem nachweislich produktiven Ölfeld im Onshore-Teil des Taranaki-Beckens kartiert, in dem bereits mehrere zehn Millionen Barrel Öl entdeckt und eine Reihe von Ölfeldern gewinnbringend erschlossen wurden, darunter die Felder Ngatoro, Kaimiro, Cheal und Copper Moki.

Unter der Lupe

Berkshire Hathaway kurz vor Allzeithoch

Um die Aktie von Berkshire Hathaway ISIN US0846707026 WKN A0YJQ2 war es nach dem angekündigten Rücktritt von Warren Buffett lange vergleichsweise ruhig. Nachdem die Legende von Omaha am 30.04.2025 das eigene Ausscheiden verkündet hatte, gab der Kurs zunächst nach und bewegte sich in den letzten 14 Monaten seitwärts. Doch dieser Seitwärtstrend könnte bald nach oben durchbrochen werden: Der Kurs steht aktuell bei 530 USD und ist damit nur 10 USD von einem neuen Allzeithoch entfernt.

Aus technischer Sicht wäre ein neues Hoch ein Signal in Richtung weiterer Kursgewinne. In fundamentaler Hinsicht ist die Aktie nicht besonders günstig bewertet – was bei Berkshire allerdings historisch gesehen keine Ausnahme darstellt. Sollte sich der Aufwärtstrend fortsetzen, wäre dies ein Signal dafür, dass der Markt die zwischenzeitlich ausgepreiste Buffett-Prämie allmählich wieder einzupreisen beginnt.

Wer auf Berkshire setzt, setzt nicht zuletzt auf kluge Zukäufe durch Buffetts Nachfolger Greg Abel. Zuletzt kaufte die Investmentholding etwa beim Wohnungsbauer Lennar und bei der Tech-Beteiligungsgesellschaft Bending Spoons zu. Die beiden Zukäufe sind vor dem Hintergrund der Zinsentwicklung bemerkenswert. Das Geschäft von Lennar leidet unter den hohen Hypothekenzinsen. Und auch Bending Spoons bekommt aufgrund seiner hohen Verschuldung das höhere Zinsniveau zu spüren. Sieht Greg Abel in den hohen Zinsen ein vorübergehendes Phänomen?

Grafik der Woche

Der Bärenmarkt ist unter der Oberfläche schon Realität – und das könnte eine Chance sein

In vielen Analystenkommentaren wird es derzeit mit Besorgnis thematisiert: Die großen Indizes wie der S&P 500 notieren nahe an Allzeithochs, doch der breite Markt nimmt an der Rallye nicht teil.

Das ist korrekt, wie ein Blick auf verschiedene Daten zum US-Leitindex zeigt. 84 % der Aktien im S&P 500 notieren zumindest 10 % unter ihren Hochs. 59 % der Aktien liegen sogar mindestens 20 % unter ihren Hochs. Handelt es sich um das letzte Hoch, liegt damit die Definition eines Bärenmarktes vor.

Dass die Indizes an der Oberfläche weiter robust aussehen, liegt an einigen wenigen Schwergewichten. Seit dem Tief am 30. März hat NVIDIA ISIN US67066G1040 WKN 918422 allein 13 % zu den seither angelaufenen Gewinnen im S&P 500 beigetragen. Rund 70 % des Zuwachses entfallen auf zehn Unternehmen, 30 % auf die anderen 490 Aktien im Index.

Unter Analysten bilden sich zwei Interpretationen heraus. Die erste Lesart lautet: Der Markt ist angesichts hoher Bewertungen, der deutlich gestiegenen Zinsen, der hohen Inflation und der hohen Ölpreise bislang zu gut durch die multiplen Krisen gekommen. Sobald die KI-Euphorie nachlässt, droht mindestens ein deutlicher Rücksetzer.

Die andere Sicht sieht kein Problem, sondern vielmehr eine Chance in dem Umstand, dass sich ein Großteil des S&P 500 in einem Bärenmarkt befindet.

Diese Interpretation sieht keine dramatische Überbewertung der KI-Schwergewichte. Tatsächlich zeigt ein Blick auf die NVIDIA-Aktie beispielhaft, dass die Bewertung sich entgegen der landläufigen Annahme eher normalisiert hat. So liegt das Forward-PE der Aktie je nach Quelle (und damit je nach Gewinnerwartungen) bei etwa 24 und damit nur moderat über dem Niveau des gesamten S&P. Morningstar gibt das Forward-PE sogar mit unter 14 an.

Nicht nur NVIDIA, sondern der gesamte IT-Sektor wird fast ohne Bewertungszuschlag zum Gesamtindex gehandelt. In der Vergangenheit war dieser Zuschlag dagegen über viele Zeiträume hinweg die Regel.

Wenn also, so geht die Interpretation weiter, die MegaCaps gar nicht so stark überbewertet sind, ein Großteil des Marktes im Korrekturmodus oder im Bärenmarkt verweilt, besteht noch erhebliches Aufwärtspotenzial. Dieses könnte sich materialisieren, wenn das Ende des laufenden Zinserhöhungszyklus absehbar ist und sich die Ölpreise normalisieren.

Investor Woche: Zweifacher US-Inflationsschock, Anthropic steigert Gewinn um 45 %, Tesla präsentiert fliegenden Roadster, Netflix streicht Jobs, International Graphite mit Wogen-Abnahmedeal

Fun Fact

Steve Ballmer überholt Bill Gates: Microsoft-Aktien als Reichtumsmaschine

Steve Ballmer verfügt über ein Nettovermögen von rund 179 Mrd. USD und übertrifft damit Bill Gates, dessen Vermögen auf etwa 114 Mrd. USD geschätzt wird (Stand August 2026). Über 90 % von Ballmers Vermögen stecken in Microsoft-Aktien – er hält rund 4 % des Unternehmens und ist damit größter Einzelaktionär. Gates hat hingegen große Teile seiner Anteile verkauft und über 59 Mrd. USD u.a. an die Bill & Melinda Gates Foundation gespendet. Ballmer startete 1980 als Mitarbeiter Nr. 30 bei Microsoft und hielt ohne viele Gedanken an Diversifizierung zu verschwenden an seinen Aktien fest.

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