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Mehr Märkte, steigende VoluminaPrediction Markets ziehen an der Wall Street ein - und in Privathäuser

Prognosemärkte wecken das Interesse der Wall Street, die sich nicht zuletzt Arbitrageoptionen verspricht. In den USA sind jetzt auch Wetten auf die Preisentwicklung am Immobilienmarkt möglich.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Photoshot

Ihre Kunden sind risikoaffin, ihre Gründer oft Multimilliardäre: Prediction Markets erleben in den USA einen Aufschwung, der mittlerweile die Wall Street erreicht hat. Auf Prognosemärkten wie Polymarket und Kalshi geht es - neben Sportwetten - um eine Vielzahl weiterer Ereignismärkte, darunter politische und militärische Ereignisse, Konjunkturindikatoren oder Wahlen.

Unternehmen aus dem Finanzsektor wittern auf den Plattformen ihre Chance. Der Optionshandelsriese Susquehanna etwa sucht laut einem FT-Bericht Händler, die "falsche faire Werte erkennen" und "ungewöhnliche Verhaltensweisen" sowie "Ineffizienzen" auf Prognosemärkten aufdecken können. Auch andere Akteure wie Don Wilsons DRW und Tyr Capital suchen nach Personal für die Wettmärkte.

Handelshäuser loten Potenzial aus

Akteure aus dem Finanzsektor sehen in Prediction Markets noch größeres Potenzial - und loten dieses nun aus. Madison Zitzner, Vizepräsidentin für quantitative Forschung und Eigenhandel beim Personalvermittlungsunternehmen Selby Jennings sagte gegenüber FT, die Handelshäuser wollten "Liquidität und Skalierbarkeit solcher Strategien wirklich verstehen."

Das gehandelte Volumen auf Prognosemärkten ist binnen kurzer Zeit regelrecht explodiert: Von weniger als 100 Mio. USD Anfang 2024 auf mehr als 8 Mrd. USD Ende 2025. Ein entscheidender Katalysator für das Wachstum war die US-Präsidentschaftswahl im November 2024: Im Vorfeld hatten viele Amerikaner Wetten abgeschlossen und zahlreiche Medien die Quoten der Plattform für Prognosen herangezogen.

Es ist jedoch schon allein aus regulatorischen Gründen kaum anzunehmen, dass Wertpapierhandelsunternehmen selbst Wetten abschließen. Vielmehr dürfte der Arbitragegedanke im Vordergrund stehen. Dabei geht es darum, Preisdifferenzen für sichere Gewinne auszunutzen. Das ist auf illiquiden, nicht vollständig effizienten Märkten möglich. Joseph Saluzzi, Mitbegründer von Themis Trading, sieht in "einem so neuen Markt wie diesem, in dem die verschiedenen Plattformen so voneinander isoliert sind", unzählige Arbitragemöglichkeiten auftreten.

Auch der Einsatz der Prediction Markets zu Absicherungszwecken scheint denkbar, wenngleich schwierig angesichts der oft geringen Liquidität. Boaz Weinstein, der Gründer des Hedgefonds Saba Capital Management jedenfalls war im Oktober ebenso wie Polymarket Gründer Shayne Coplan Gast einer Konferenz, auf der er die Möglichkeit sehr spezifischer Absicherungen ins Spiel brachte.

Die lockere Regulierung der Prognosemärkte durch die Regierung von Donald Trump jedenfalls treibt die Wetten in die Mitte der Gesellschaft. Der Broker Robinhood etwa bietet seinen Kunden in den USA längst Kontrakte an - darunter auch solche von Susquehanna, das auch als Market Maker auf Kalshi agiert.

Polymarket und Parcl bieten Wetten auf Immobilienpreise an

Die neueste Entwicklung: Polymarket und Parcl, ein Datenanbieter, der täglich Immobilienpreise erfasst, ermöglichen nun Wetten auf steigende oder fallende Immobilienpreise in bestimmten US-Großstädten. Polymarket-Nutzer setzen auf die durchschnittlichen Immobilienwerte in Metropolen wie Miami und Los Angeles. Diese Märkte werden jeweils am 1. Februar auf Basis des täglichen Immobilienpreisindex von Parcl abgerechnet.

Trevor Bacon, CEO von Parcl, sieht in den Kontrakten "ein transparentes, marktorientiertes Signal, das widerspiegelt, wie die Teilnehmer gemeinsam zukünftige Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt bewerten." Er argumentiert wie viele Befürworter der Prediction Markets, dass die kollektive Intelligenz dieser Märkte zu einer höheren Genauigkeit als bei Umfragen und Meinungsumfragen beiträgt - unter anderem, weil Menschen bereit sind, echtes Geld auf ein Ergebnis zu setzen.

Kritiker hingegen warnen vor dem Risiko von Insidergeschäften. So hatte Anfang Januar ein Marktteilnehmer bei Polymarkets zu einem auffällig günstigen Zeitpunkt auf eine Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gewettet und damit 400.000 USD gewonnen. Wenige Stunden später wurde das Ereignis bekanntgegeben.