
Kurs auf Zukunft: Tesla meldet mehr Umsatz und investiert Milliarden für neue Fabriken
Tesla verkauft mehr Fahrzeuge, gewinnt neue Abonnenten für seine Fahrassistenzsoftware und baut neue Produktionsstraßen für Robotaxis und Roboter. Damit entfernt sich der Konzern weiter vom klassischen Autobau.
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Tesla (ISIN: US88160R1014, WKN: A1CX3T) überrascht zum Jahresauftakt mit robusteren Zahlen als viele Anleger erwartet hatten. Wie das Wall Street Journal berichtet, stieg der Umsatz im ersten Quartal auf 22,4 Mrd. USD, das sind 16 % mehr als ein Jahr zuvor. Noch auffälliger ist der freie Cashflow: Statt eines Mittelabflusses meldete der Konzern 1,4 Mrd. USD. Auch der Nettogewinn legte demnach um 17 % zu.
Der wichtigste Aspekt liegt diesmal im freien Cashflow
Diese Kennziffer macht die Quartalszahlen brisant. An der Börse hatte man eher damit gerechnet, dass Tesla nach Jahren hoher Investitionen erstmals wieder einen negativen freien Cashflow ausweisen könnte. Dass der Konzern positiv überraschte, verschaffte der Aktie nachbörslich zunächst Auftrieb.
Im Detail zeigt sich allerdings ein uneinheitlicheres Bild. Das Autogeschäft wuchs ebenfalls um 16 %, unterstützt auch durch zuletzt gestiegene Benzinpreise. Das Energiegeschäft mit Batteriegroßspeichern und Hausbatteriespeichern, zuletzt oft ein Lichtblick, schrumpfte dagegen um 12 %. Tesla verkauft also mehr, doch das Wachstum verteilt sich nicht mehr so gleichmäßig auf alle Sparten.
Hinzu kommt, dass der Vergleich mit dem Vorjahr eine Erholung zeigt, nicht aber eine Rückkehr zu früherer Dynamik. Seit dem Absatzhoch im dritten Quartal 2025, als auslaufende US-Steuergutschriften die Nachfrage gestützt hatten, gehen Umsatz und Ergebnis tendenziell zurück. Das erste Quartal liegt zwar über dem Vorjahr, bleibt beim Absatz aber eines der schwächeren der vergangenen Jahre.
Tesla baut seine Zukunft jenseits des Autoverkaufs
Entscheidend ist, wofür der Konzern sein Geld ausgibt. Tesla investierte im Quartal 2,5 Mrd. USD in neue Produktionskapazitäten, Rechenleistung für künstliche Intelligenz und zusätzliche Produktionslinien. Im Zentrum stehen der autonome Cybercab, der vollelektrische Sattelschlepper und vor allem Optimus, Teslas humanoider Roboter.
Nach Angaben des Wall Street Journal bereitet das Unternehmen nahe der Fabrik Giga Texas ein neues Werk für die zweite Generation von Optimus vor. Die Anlage soll auf eine Kapazität von 10 Mio. Robotern pro Jahr ausgelegt sein. In Fremont soll zudem eine kleinere Produktionsstraße für die erste Generation entstehen. Dafür weichen Fertigungskapazitäten, die bislang für die inzwischen gestrichenen Modelle S und X genutzt wurden.
Elon Musk beschrieb die Projekte laut Wall Street Journal als groß, ambitioniert und revolutionär. Finanzchef Vaibhav Taneja formulierte die Kehrseite deutlich. Die geplanten Investitionen von 25 Mrd. USD im laufenden Jahr dürften den freien Cashflow in den restlichen Quartalen ins Minus drücken. Die Botschaft ist klar: Tesla nimmt kurzfristig schwächere Mittelzuflüsse in Kauf, um sich für ein neues Geschäftsmodell aufzustellen.
Mehr Softwareabos und neue Städte für Robotaxis
Auch operativ verschiebt sich der Schwerpunkt. Tesla verkaufte im ersten Quartal weltweit 358.023 Elektrofahrzeuge, ein Plus von 6,3 % zum Vorjahr. Gleichzeitig wächst das Abo-Geschäft rund um die Fahrassistenzsoftware Full Self Driving Supervised. Die Zahl der zahlenden Abonnenten stieg laut Bericht auf 1,28 Mio., also um 16,4 % gegenüber dem Vorquartal und um 51 % im Jahresvergleich.
Hier liegt die strategische Stoßrichtung. Tesla versucht, sich weniger über den einmaligen Fahrzeugverkauf und stärker über Software, autonome Fahrdienste und künftig womöglich Robotertechnik zu definieren. Dazu passt auch die Ausweitung des Robotaxi-Dienstes: Neben Austin bietet der Konzern nun in kleinen Gebieten von Dallas und Houston vollautonome Fahrten an. Weitere Städte wie Phoenix, Miami und Las Vegas stehen auf der Liste.
Für die Einordnung bleibt dennoch wichtig, welche Bereiche schon heute profitabel sind und was bislang vor allem ein Versprechen ist. Fahrzeuge und Softwareabos bringen bereits Umsatz, Robotaxis nur in begrenztem Umfang. Humanoide Roboter sind noch Zukunftsmusik. Die neuen Zahlen zeigen deshalb vor allem eines: Tesla verdient weiter Geld, nutzt dieses Polster aber zunehmend, um sich von einem Autobauer zu einer Plattform für autonome Technik umzubauen.