
Kupfer-Entdeckungslücke: BHP, Lundin, Kobrea und Argentina Metals setzen auf Argentinien
Die Suche nach neuen Kupfervorkommen bleibt global unterfinanziert: 43 Prozent der Explorationsbudgets fließen in bestehende Minen. Argentinien zieht trotzdem neue Investoren an: von Milliarden-Projekten bis zur frühen Feldexploration.
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Die weltweite Kupferindustrie investiert zunehmend in die Erweiterung bekannter Lagerstätten, während die Suche nach neuen Vorkommen zurückbleibt. Laut einer aktuellen Untersuchung von S&P Global entfielen 2025 rund 43 % der weltweiten Kupferexplorationsbudgets auf Arbeiten im Umfeld bestehender Minen. Lediglich 25 % flossen in die frühe Exploration bislang unerschlossener Gebiete.
Die Folgen zeigen sich bereits in der Entdeckungsstatistik. S&P erfasste für den Zeitraum von 1990 bis 2025 insgesamt 263 große Kupferentdeckungen mit zusammen 1,4 Mrd. Tonnen enthaltenem Kupfer in Ressourcen, Reserven und früherer Produktion. Die jüngste Auswertung brachte lediglich fünf zusätzliche Lagerstätten. Ein erheblicher Teil des neu erfassten Kupfers stammt aus der Erweiterung bereits bekannter Vorkommen.
Während die Industrie an bestehenden Standorten zusätzliche Ressourcen erschließt, wächst damit die Bedeutung neuer Explorationsgebiete. Argentinien gehört inzwischen zu den Ländern, in denen deutlich mehr Kapital in die Suche nach neuen Kupferlagerstätten fließt. Dort treffen milliardenschwere Entwicklungsprojekte auf neue Explorationsprogramme internationaler Konzerne und spezialisierter kleinerer Unternehmen.
Warum bestehende Minen mehr Explorationskapital erhalten
Die Konzentration auf bestehende Bergbaustandorte folgt einer nachvollziehbaren wirtschaftlichen Logik. Unternehmen verfügen dort bereits über geologische Daten, Infrastruktur und häufig auch über Aufbereitungsanlagen. Zusätzliche Ressourcen lassen sich unter günstigen Bedingungen in vorhandene Minenpläne integrieren.
Neue Explorationsgebiete erfordern dagegen oft jahrelange geologische Untersuchungen und umfangreiche Bohrprogramme, bevor überhaupt eine erste Ressourcenschätzung möglich wird. Hinzu kommen Genehmigungen, Infrastruktur und später erhebliche Bauinvestitionen.
S&P beziffert den durchschnittlichen Zeitraum zwischen einer Kupferentdeckung und dem Beginn der Produktion inzwischen auf rund 17,5 Jahre. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Bohrtiefe seit 2010 um nahezu 50 % auf etwa 600 Meter gestiegen. Neue Lagerstätten liegen häufig tiefer und sind technisch aufwendiger zu untersuchen.
Die Erweiterung bestehender Minen sichert damit zusätzliche Förderung auf kürzere Sicht. Die langfristige Versorgung hängt jedoch ebenso von neuen Entdeckungen ab, die erst in den kommenden Jahrzehnten zu produzierenden Bergwerken werden.
Vicuña zeigt den langen Weg von der Entdeckung zum Großprojekt
In Argentinien lässt sich diese Entwicklung am Vicuña-Projekt verfolgen. BHP ISIN AU000000BHP4 WKN 850524 und Lundin Mining ISIN CA5503721063 WKN A0B7XJ halten jeweils 50 % an dem Gemeinschaftsunternehmen, das die Kupfer-Gold-Silber-Lagerstätten Josemaría und Filo del Sol bündelt.
Beide Vorkommen wurden bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten entdeckt. Umfangreiche Explorationsprogramme, Ressourcenarbeiten und technische Untersuchungen schufen anschließend die Grundlage für ihre gemeinsame Entwicklung.
Die 2026 veröffentlichte integrierte Projektstudie sieht eine schrittweise Erschließung vor. Zunächst soll Josemaría mit einem Tagebau und einer Aufbereitungsanlage entwickelt werden. Später sollen weitere Bereiche von Filo del Sol hinzukommen.
Über die ersten 25 vollen Betriebsjahre modelliert die Studie eine durchschnittliche Jahresproduktion von rund 400.000 Tonnen Kupfer, 700.000 Unzen Gold und 22 Mio. Unzen Silber. Allein die erste Entwicklungsphase erfordert nach der vorläufigen Bewertung Investitionen von etwa 7,1 Mrd. USD.
Vicuña befindet sich weiterhin in der Projektentwicklung. Die ausgewiesenen Produktionsmengen stammen aus einer vorläufigen wirtschaftlichen Bewertung und setzen umfangreiche weitere Investitionen voraus. Die Lagerstätten zeigen zugleich, welchen Zeitraum und welche technischen Ressourcen eine große Kupferentdeckung bis zur möglichen Produktion benötigt.
BHP finanziert die Suche nach weiteren Kupfervorkommen
Neben der Entwicklung bekannter Großprojekte investiert BHP inzwischen auch gezielt in frühe Exploration in Argentinien. Im Western Malargüe Mining District der Provinz Mendoza arbeitet die Explorationssparte BHP Metals Exploration mit Kobrea Exploration ISIN CA4998911099 WKN A3EU8A zusammen.
Für die Explorationssaison 2026/27 haben die Partner ein vollständig von BHP finanziertes Arbeitsprogramm über 4 Mio. USD genehmigt. Es betrifft Kobreas Western Malargüe Copper Projects, ein rund 733 Quadratkilometer großes Lizenzpaket mit mehreren möglichen Porphyr-Kupferzielen.
Vorgesehen sind geologische Kartierungen, geochemische Probenahmen und geophysikalische Untersuchungen. Am Zielgebiet El Destino sollen außerdem Diamantbohrungen die dort vermutete Kupfer-Gold-Molybdän-Mineralisierung untersuchen.
Das Programm verbindet die systematische Suche auf einem größeren Gebiet mit der gezielten Überprüfung bereits identifizierter Strukturen. BHP übernimmt innerhalb der vereinbarten Explorationsallianz zunächst die Finanzierung der genehmigten Arbeiten.
Für den Konzern ist dies eine andere Investitionsstufe als Vicuña. Während dort Milliarden für die Entwicklung bekannter Lagerstätten vorgesehen sind, sollen bei Kobrea zunächst wenige Millionen Dollar zusätzliche geologische Informationen und mögliche neue Entdeckungen ermöglichen.
Argentiniens frühe Kupferexploration erhält deutlich mehr Kapital
Die Ausgaben für frühe Kupferexploration in Argentinien stiegen laut S&P von 18 Mio. USD im Jahr 2024 auf 66 Mio. USD im Jahr 2025. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete NGEx Minerals mit seinen Arbeiten an der Lunahuasi-Entdeckung.
Das zusätzliche Kapital konzentriert sich auf Regionen mit bekannten kupferführenden Gesteinsformationen. Dazu gehört neben San Juan auch Mendoza, wo sich im Western Malargüe Mining District mehrere Explorer größere Landpositionen gesichert haben.
Argentina Metals ISIN CA04022C1095 WKN A42CJA kontrolliert dort rund 146.700 Hektar verteilt auf 26 Projektgebiete. Die Flächen wurden durch mehrere Übernahmen zusammengeführt. Zuletzt erwarb das Unternehmen weitere Konzessionen mit insgesamt rund 19.150 Hektar.
Der Umfang des Projektbesitzes eröffnet verschiedene Explorationsmöglichkeiten, erfordert aber eine Auswahl der aussichtsreichsten Ziele. Argentina Metals hat inzwischen 20 Lizenzen vorläufig untersucht und neben dem Hauptprojekt Las Estrellas sieben weitere prioritäre Ziele identifiziert.
Diese Auswahl beruht auf regionalen geologischen Daten, bekannten Mineralisierungen und ersten geophysikalischen Untersuchungen. Mit den nächsten Feldarbeiten sollen die Hinweise genauer überprüft werden.
Las Estrellas: Von Kupferproben zu überprüfbaren Bohrzielen
Las Estrellas liefert bereits konkrete Ergebnisse aus dieser frühen Explorationsphase. Das Projekt liegt im Western Malargüe Mining District und umfasst Bereiche mit unterschiedlichen geologischen Merkmalen.
Bei einem ersten Feldprogramm wurden 144 Gesteins- und 14 Bachsedimentproben genommen. Die höchsten Kupferwerte konzentrieren sich auf einen Bereich im Norden der Konzession. Einzelne Gesteinsproben erreichten dort bis zu 9.978 ppm Kupfer, entsprechend knapp einem Prozent.
Die Werte stammen aus Oberflächenproben und erlauben noch keine Aussage über durchschnittliche Erzgehalte oder die Größe einer möglichen Lagerstätte. Für die Auswahl weiterer Ziele ist vor allem ihre räumliche Verteilung von Bedeutung.
Die Untersuchungen deuten nach Interpretation von Argentina Metals auf zwei unterschiedliche mineralisierte Bereiche hin. Im Norden vermutet das Unternehmen eine kupfer- und silberführende Mineralisierung in vulkanischen Gesteinen, möglicherweise mit Merkmalen eines Skarn- oder IOCG-Systems.
Im Süden lieferten die geochemischen Daten dagegen Hinweise auf den Randbereich eines möglichen Porphyr-Kupfersystems. Dort treten erhöhte Arsen- und Bleiwerte auf, während Kupfer und Molybdän bislang geringere Konzentrationen zeigen.
Zusätzlich zu den Gesteinsproben liegen magnetische Messungen vor, mit denen mögliche Intrusionskörper und geologische Strukturen untersucht werden. Aus der Kombination von Geochemie, Magnetik und Geländekartierung sollen die nächsten Explorationsziele abgeleitet werden.
Argentina Metals bereitet dafür weitere Feldarbeiten vor. Im Mittelpunkt stehen die systematische Überprüfung und Priorisierung der bereits identifizierten Anomalien sowie die Untersuchung weiterer Projektflächen. Der Umfang späterer Bohrungen hängt von diesen Ergebnissen und den notwendigen Genehmigungen ab.
Eine Mineralressource wurde bei Las Estrellas bislang nicht definiert. Der nächste Entwicklungsfortschritt besteht deshalb darin, die räumliche Ausdehnung der Kupferanomalien genauer zu bestimmen und ihre geologische Ursache durch zusätzliche Untersuchungen einzugrenzen.
Neue Kupferminen beginnen mit erfolgreicher Exploration
Die wachsenden Explorationsausgaben in Argentinien treffen auf einen globalen Kupfersektor, der einen großen Teil seines Kapitals weiterhin in bestehende Minen investiert. Diese Erweiterungen bleiben für die Versorgung wichtig. Zusätzliche große Lagerstätten erfordern jedoch frühe Suchprogramme, deren wirtschaftlicher Erfolg zunächst ungewiss ist.
Vicuña zeigt den langen Entwicklungsweg bereits entdeckter Vorkommen. Die Explorationsallianz von BHP und Kobrea bringt neues Kapital in die Suche nach weiteren Kupfersystemen. Bei Argentina Metals steht zunächst die Überprüfung und Priorisierung geologischer Ziele im Vordergrund.
Die nächsten Felduntersuchungen bei Las Estrellas sollen klären, welche Anomalien sich weiterverfolgen lassen und wo spätere Bohrungen sinnvoll angesetzt werden können. Solche Arbeiten bilden den Anfang jener Entwicklung, aus der nach umfangreicher weiterer Exploration neue Kupferressourcen entstehen können.


