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KryptowährungenInmitten des Krypto-Crashes werden Stablecoins zur institutionellen Normalität

Mit der Krypto-Korrektur sind auch die Aktien von Digital Asset Treasury Unternehmen ins Rutschen geraten. Während Top-Ökonomen Zweifel an der Eignung von Bitcoin als echte Währung äußern, setzt sich die Technologie im institutionellen Bereich sichtbar durch.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Chromeorange / Li Bro.photo

Der Kryptomarkt hat eine deutliche Korrektur hinter sich. Ob die jüngste Aufwärtsbewegung bereits eine Trendwende einläutet oder nur eine technische Gegenbewegung markiert, ist ungewiss. Andere Gewissheiten gewinnen dagegen zunehmend an Kontur.

Digital Asset Treasury: Ist Michael Sailors Geschäftsmodell am Ende?

Eine dieser Gewissheiten: Der Hype um "Digital Asset Treasury"-Unternehmen ist vorbei. Diese Unternehmen beschaffen sich Fremd- und/oder Eigenkapital, um damit Bitcoin oder andere digitale Assets zu kaufen. Der Hype trieb kuriose Blüten: Anders als bei den schon seit vielen Jahren auf dem Markt befindlichen Trusts lag der Marktwert der Unternehmen zeitweise deutlich über ihrem tatsächlichen Krypto-Bestand. Zeitweise genügte es für oft kleine, unbekannte und nicht selten in Schieflage befindliche Unternehmen, sich selbst zum Digital Treasury Asset zu erklären, um dem Kurs Rückenwind zu verleihen.

Die Aktie des prominentesten dieser Unternehmen - Strategy (ISIN: US5949724083, WKN: 722713) - wird laut dem Dienst Strategy-Tracker nicht mehr mit einem Aufschlag auf die knapp 650.000 BTC im Bestand, sondern mit einem Discount von 5 % gehandelt. Seit ihrem Hoch im Juli hat die Aktie mehr als 60 % an Wert verloren.

Auch wenn einige deutlich kleinere Unternehmen noch mit Aufschlägen gehandelt werden: Laut dem Dienst "The Block" sind seit dem Höchststand im Sommer von 176 Mrd. USD Börsenwert 77 Mrd. USD verschwunden.

"Sobald die Preise fallen, beginnt ein Wettlauf nach unten"

Adam Morgan McCarthy, leitender Forschungsanalyst beim Krypto-Datenunternehmen Kaiko, sieht das Ende der Fahnenstange noch nicht zwingend erreicht: "Bei diesen Unternehmen wird es zu Ausverkäufen kommen; es wird noch schlimmer werden. Es ist ein Teufelskreis. Sobald die Preise fallen, beginnt ein Wettlauf nach unten." Tatsächlich haben mehrere Unternehmen damit begonnen, Bitcoin und andere Kryptowährungen zu veräußern und mit den Erlösen eigene Aktien zurückzukaufen. Das Strategy-Geschäftsmodell wird dadurch de facto umgekehrt.

Der jüngste Crash zieht die Eignung von Kryptowährungen als Ersatz für klassische Währungen in Zweifel. Paul Donovoan, Chefökonom bei UBS Global Wealth Management schrieb in einem Beitrag für die FT: "Wäre Bitcoin eine echte Währung, gäbe es Hyperinflation." Das passt so gar nicht zur Story der Kryptowährung, die sich als gefeit gegen Geldentwertung sieht.

UBS Chefökonom sieht in starrem Bitcoin-Angebot einen Mangel

"Der Mangel besteht darin, dass das Bitcoin-Angebot nur steigen, nicht aber fallen kann", führt Donovan weiter aus. Die Zentralbanken hätten nach dem Abklingen der Pandemie und dem Rückgang der Nachfrage nach Liquidität die Geldmenge (wie er einräumt, möglicherweise etwas zu spät) reduziert. Eine solche Steuerung stehe bei Kryptowährungen nicht zur Verfügung. "Der Einbruch in die Krypto-Hyperinflation der letzten Woche war darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Kryptowährungen sank - das Angebot aber nicht sinken konnte."

Während die Kritik an Kryptowährungen wie nach jedem Crash etwas lauter wird, entwickelt sich die Technologie hinter dem Segment sichtbar zur Marktreife - unabhängig von der Volatilität der Token auf den Marktplätzen, geradezu unabhängig von diesen Assets überhaupt.

Deutsche Börse nimmt dritten Stablecoin-Partner an Bord

Die Deutsche Börse etwa zählt mittlerweile drei Stablecoin-Partner: Neben dem US-Unternehmen Circle und dem französischen Anbieter SG Forge ist mittlerweile auch die DWS-Tochter Allunity mit ihrem Euro-Stablecoin EURAU mit an Bord. Diese Coins gelten als solide und nicht "abenteueranfällig" wie etwa das in El Salvador angesiedelte Tether, das zwar hohe Profite erzielt, jüngst aber durch die Ratingagentur S&P für Transparenzmängel bei der Darstellung von Sicherheiten gerügt wurde.

Die Deutsche Börse jedenfalls sieht in der Verbindung von Stablecoins und DLT-Infrastruktur großes Potenzial für Bereiche wie Clearstream, Verwahrung und Sicherheitenmanagement. Stephanie Eckermann, Deutsche Börse AG Vorstandsmitglied und verantwortlich für Post-Trading, jedenfalls sagt: "Wir wollen die traditionellen Emissions- und Nachhandelsprozesse von Wertpapieren in ein vollständig digitales Angebot verwandeln."