
Kryptos rauschen erneut ab: Der Mythos vom Bitcoin als Inflationsschutz bröckelt
Bitcoin fällt um 24 % seit Mitte Januar und durchbricht wichtige technische Marken. Trotz starker Börsen bleibt die Kryptowährung im Sinkflug.
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Bitcoin hat einen schlechten Start ins Jahr 2026 erwischt. Der Kurs der weltweit bekanntesten Kryptowährung ist seit dem Jahreshoch Mitte Januar um rund 24 % eingebrochen und notierte zuletzt bei 74.600 USD (Stand: Anfang Februar). Auch Ether, die Nummer zwei im Krypto-Markt, verlor deutlich. Im laufenden Jahr liegt das Minus bei 11 % für Bitcoin und 23 % für Ether. Damit hinken Kryptowährungen dem Aufschwung an den Aktienmärkten erneut hinterher - der MSCI World stieg im selben Zeitraum um 22 %.
Kryptos bleiben ein Spielball des Risikos
Die aktuellen Kursverluste machen deutlich, dass Bitcoin und Co. nach wie vor als hochriskante Spekulationsobjekte wahrgenommen werden - nicht als Absicherung gegen geopolitische Spannungen oder Inflation. Dabei liegt die US-Inflation weiter über dem 2-%-Ziel der Notenbank, und die US-Notenbank Fed hat ihren Zinssenkungskurs wieder aufgenommen. Theoretisch könnte ein solches Umfeld der Kryptobranche Auftrieb geben - doch das Gegenteil ist der Fall.
"Nur die Bären sind beeindruckt", schreibt der Analyst Mike Zaccardi. Denn während Tech-Werte wie Meta oder Tesla neue Höchststände erreichen, blieb Bitcoin im Korrekturmodus. Der Versuch einer Kurserholung im November und Januar scheiterte an hartnäckigen technischen Widerständen. Der Markt drehte genau an der 38,2-%-Retracement-Marke bei knapp 97.900 USD wieder nach unten - ein klassisches Signal für Charttechniker.
Technische Marken im Fokus der Analysten
Die Chartanalyse gibt Hinweise auf den aktuellen Abwärtstrend. Eine sogenannte Broadening-Top-Formation - ein sich öffnendes Dreieck - hatte sich seit dem dritten Quartal 2025 ausgebildet. Diese Formation deutet oft auf erhöhte Volatilität und Richtungsunsicherheit hin. Die wichtige Unterstützung bei 75.000 USD, die auch dem Tief von April 2025 entspricht, wurde nun erneut erreicht. Ein Durchbruch könnte den Weg freimachen bis zur nächsten Fibonacci-Marke bei 58.000 USD - dem 61,8-%-Retracement der Aufwärtsbewegung seit 2022.
Damit rückt ein längerfristiges Kursziel ins Blickfeld, das viele Anleger nervös macht. Ein Rückfall auf 58.000 USD würde einem Einbruch von insgesamt 46 % seit dem Hoch im Januar entsprechen. Zudem wäre der Kurs dann wieder auf dem Niveau von Anfang 2021. Techniker sprechen in diesem Zusammenhang von einer möglichen Kapitulation, bei der auch langfristige Investoren das Handtuch werfen könnten.
Vertrauen fehlt trotz größerer Marktakzeptanz
Dabei hatte die Branche auf mehr institutionelle Nachfrage und geringere Schwankungen gesetzt. Bitcoin ist heute mit rund 1,5 Billionen USD Marktkapitalisierung so groß wie einzelne US-Tech-Giganten wie Meta Platforms (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX), Tesla (ISIN: US88160R1014, WKN: A1CX3T) oder Broadcom (ISIN: US11135F1012, WKN: A116BG). Dennoch fehlt es weiterhin an Vertrauen in die Kryptowährungen als verlässliches Wertaufbewahrungsmittel oder Zahlungsmittel.
"Kryptowährungen sind nach wie vor keine Währungen im klassischen Sinn", so Zaccardi. Sie dienen weder als stabiles Tauschmittel noch als sinnvolle Recheneinheit - von einer breiten wirtschaftlichen Nutzung ganz zu schweigen. Auch die vielzitierte Rolle als digitales Gold gerät ins Wanken, solange Krypto-Assets bei wirtschaftlicher Unsicherheit eher verkauft als gekauft werden.