
Kredite machen Zeit zum Gegner: US-Staaten klagen gegen Paramounts Warner-Deal
Paramount setzt mit der vereinbarten Übernahme von Warner Bros. Discovery auf mehr Marktmacht und niedrigere Kosten. Der Börsenabschlag zeigt jedoch, dass Investoren an einem schnellen und reibungslosen Abschluss zweifeln.
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Der Medienkonzern Paramount Skydance (ISIN: US69932A2042, WKN: A412AL) hat die Übernahme von Warner Bros Discovery (ISIN: US9344231041, WKN: A3DJQZ) vereinbart und die Zustimmung der Warner-Aktionäre erhalten. Vollzogen ist der Zusammenschluss, der Warner Bros. Discovery einschließlich Schulden mit 110 Milliarden Dollar bewertet, jedoch noch nicht. Kalifornien und elf weitere US-Bundesstaaten wollen ihn nun stoppen. Zugleich notiert die Warner-Aktie deutlich unter dem Preis, den Paramount den Aktionären zahlen will – ein Signal, dass Investoren mit Verzögerungen oder einem Scheitern der Übernahme rechnen.
Die Finanzierung macht jede Verzögerung teurer
Diese Unsicherheit trifft auf eine außergewöhnlich große Finanzierung. Nach dem 30. September erhöht jede weitere Verzögerung den Kaufpreis für Paramount um rund 650 Millionen Dollar je Quartal. Paramount meldete im Mai zehn Milliarden Dollar gesicherte Kredite sowie 49 Milliarden Dollar Brückenfinanzierung, verteilt auf 18 Institute. Der Hebel steigt. Längere Verfahren erhöhen deshalb das Risiko neuer Konditionen und zusätzlicher Bereithaltungskosten.
Darüber hinaus zahlte Paramount bereits 2,8 Milliarden Dollar an den Streamingkonzern Netflix (ISIN: US64110L1061, WKN: 552484), um Warners früheren Übernahmevertrag aufzulösen. Eine Erstattung greift nur in begrenzten Fällen. Damit ist ein wesentlicher Teil des Transaktionsrisikos bereits in der Bilanz angekommen.
Das operative Profil erklärt Paramounts Wachstumswette
Der hohe Kapitaleinsatz soll Paramount ein operativ stärkeres Streaminggeschäft verschaffen. Paramount plant mehr als sechs Milliarden Dollar an Synergien und mindestens 30 Kinofilme jährlich. Im ersten Quartal erzielte Paramounts Streamingsegment 251 Millionen Dollar bereinigtes EBITDA. Warners Sparte kam auf 438 Millionen Dollar. Beide Plattformen liefern bereits positive bereinigte Ergebnisbeiträge. Die Wette zielt auf Skalierung.
Parallel dazu erklärt Warners Ergebnisstruktur den strategischen Zeitdruck. Der Streamingumsatz stieg währungsbereinigt um sieben Prozent, während das lineare Netzwerkgeschäft um neun Prozent schrumpfte. Die Cashcow schrumpft. Mit 30,1 Milliarden Dollar Nettoschulden und einem negativen freien Cashflow im ersten Quartal braucht der Käufer schnelle Integrationserfolge.
Regulierer ziehen in entgegengesetzte Richtungen
Diese operative Logik bewerten die zuständigen Stellen unterschiedlich. Das US-Justizministerium, das auf Bundesebene die wettbewerbsrechtliche Prüfung verantwortet, sieht weder beim Streaming noch im linearen Fernsehen oder im Kinogeschäft erhebliche Wettbewerbsgefahren. Kalifornien und elf weitere Bundesstaaten, vertreten durch ihre Generalstaatsanwälte, widersprechen dieser Einschätzung und klagen gegen den Zusammenschluss. Sie befürchten vor allem Nachteile für Kinos und Kabelanbieter, weil der neue Konzern nach ihren Berechnungen 27 Prozent des Filmverleihs und 30 Prozent der Blockbuster-Verteilung kontrollieren würde. Entscheidend ist damit, wie eng oder weit die Behörden den jeweiligen Markt abgrenzen.
Überdies kann auch die Europäische Union den Zusammenschluss verzögern oder mit Auflagen versehen. Paramount und Warner Bros. Discovery erzielen erhebliche Umsätze im europäischen Binnenmarkt. Der Deal könnte dort den Wettbewerb beeinflussen. Paramount hat deshalb bereits Zugeständnisse angeboten, deren Inhalt allerdings bislang nicht publik ist. Zusätzliche Auflagen könnten die geplanten Synergien schmälern oder die Integration verteuern. Parallel läuft ein separates EU-Verfahren, das mögliche wettbewerbsverzerrende Subventionen aus Nicht-EU-Staaten prüft.
An diese Doppelprüfung schließt sich Großbritannien an. Die Competition and Markets Authority will ihre erste Wettbewerbsentscheidung bis zum 7. August treffen. Kulturministerin Lisa Nandy erwägt zusätzlich einen Eingriff wegen der Medienvielfalt. Damit kann London selbst bei kartellrechtlicher Freigabe weitere Bedingungen erzwingen.
Der Börsenabschlag misst das verbleibende Risiko
Aus diesen offenen Flanken leitet die Börse ein messbares Risiko ab. Warner notierte am 14. Juli gegen 18.31 Uhr UTC bei 27,52 Dollar und damit rund elf Prozent unter dem vereinbarten Preis von 31 Dollar je Aktie. Der Markt bleibt skeptisch. Dieser Abschlag bündelt vor allem Zeit-, Prozess- und Vollzugsrisiken, obwohl die Aktionäre dem Verkauf bereits zugestimmt haben.
Zugleich lag Paramounts Börsenwert bei rund 10,4 Milliarden Dollar, Warners Wert dagegen bei rund 68,5 Milliarden Dollar. Der Käufer ist deutlich kleiner. Damit entscheiden nicht allein das Kartellrecht, sondern auch die Belastbarkeit der Fremd- und Eigenkapitalzusagen über den Ausgang. Zeit wird zur Gegenpartei.