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Konjunktur4,3 % Wachstum: Mischt ein starker US-Aufschwung die Karten am Aktienmarkt neu?

Die US-Wirtschaft könnte sich als stärker erweisen als gedacht. Dies stellt weitere Zinssenkungen infrage, könnte aber auch einige Aktien und Rohstoffe begünstigen, die derzeit wenige auf dem Schirm haben.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Zoonar / DesignIt

Die Meldung kam, als ein Großteil der Marktteilnehmer den Blick bereits fest auf das bevorstehende Weihnachtsfest gerichtet hatte: Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal um 4,3 % und damit deutlich stärker gewachsen als erwartet. Die Daten sind zu wichtig, um sie nach oberflächlicher Kenntnisnahme einfach zu übergehen.

Das US-BIP stieg von Juli bis September saison- und inflationsbereinigt um 4,3 %. Ökonomen an der Wall Street hatten durchschnittlich mit 3,2 % gerechnet. Der Bericht wurde aufgrund des Shutdowns mit erheblicher Verzögerung vorgelegt. Der Berichtszeitraum bezieht sich jedoch auf die Zeit vor dem Shutdown.

Privater Konsum stützt US-Aufschwung

Zwei Aspekte sind bei den Daten wichtig. Erstens: Bereits im zweiten Quartal lag das Wachstum bei 3,8 %. Zweitens: Getragen wurde der Aufschwung nicht primär durch Investitionen in KI, sondern durch den privaten Konsum und einen steigenden Außenbeitrag. Konkret verlangsamte sich das Wachstum der Unternehmensinvestitionen im dritten Quartal auf 2,8 % gegenüber 7,3 % in den vorangegangenen drei Monaten. Die Konsumausgaben beschleunigten sich dagegen im dritten Quartal auf eine annualisierte Rate von 3,5 %.

Sollte sich das Wachstumstempo fortsetzen - das Handelsministerium will Anfang Januar eine erste Schätzung für das Gesamtjahr 2025 vorlegen - ergeben sich Fragestellungen von höchster Bedeutung für den Bond- und Aktienmarkt. "Die These, dass ein wirtschaftlicher Abschwung unvermeidlich sei, wird durch die jüngsten Wirtschaftsdaten neu infrage gestellt", sagt Samuel Smith von Seeking Alpha.

Straffere Geldpolitik und weniger Pleiten machen BDCs interessant

Direkt betroffen ist die Geldpolitik der Fed. Vor dem Hintergrund einer Kerninflationsrate von 2,9 % im dritten Quartal dürfte die Notenbank bei der Wahrnehmung ihres Doppelmandats aus Inflationsbekämpfung und Wirtschaftsförderung stärker in Richtung Inflationsbekämpfung tendieren. "Angesichts des starken Wirtschaftswachstums ist eine Zinssenkung weniger notwendig, und die anhaltend hohe Inflation macht Zinssenkungen zunehmend unattraktiv", sagt Smith.

Er nennt zwei Bereiche, die davon profitieren könnten. Zum einen Business Development Companies (BDCs), die kleinen und mittleren Unternehmen Kredite zur Verfügung stellen. Die zumeist weitgehend variabel verzinsten Kreditportfolios dieser Unternehmen leiden unter sinkenden Zinsen ebenso wie unter steigenden Ausfallraten: Zwei Faktoren, die bei einem anhaltenden Boom in den USA entfallen würden.

Tatsächlich finden sich einige BDCs mit sehr hohen, zweistelligen Dividendenrenditen und - gemessen am Forward KGV - niedrigen Bewertungen, darunter Ares Capital (ISIN: US04010L1035, WKN: A0DQY4) und Blackstone Secured Lending (ISIN: US09261X1028, WKN: A3DHXC). "Mehrere qualitativ hochwertige BDCs werden mit deutlichen Abschlägen gegenüber ihren historischen Durchschnittswerten gehandelt, einige sogar unter ihrem Nettoinventarwert", sagt Smith. Morningstar hält viele Unternehmen aus diesem Bereich ebenfalls für unterbewertet und sieht den fairen Wert von Blackstone z. B. rund 20 % über dem aktuellen Kursniveau.

Energieaktien könnten zu den Gewinnern zählen

Der zweite mögliche Gewinner einer anhaltenden Expansion der US-Wirtschaft: Energierohstoffe. Hier könnte Smith zufolge "erhöhter Aufwärtsdruck" anstehen, wenn Wachstum und Inflation hoch bleiben und Rohstoffe im Allgemeinen an Popularität gewinnen. Er glaubt, dass Energierohstoffe "nun eindeutig die wertvollsten Rohstoffe sind, während der Rohstoffbereich ansonsten zunehmend überlaufen ist."

Viele Energieaktien wurden durch die niedrigen Ölpreise in Mitleidenschaft gezogen: WTI kostete zum Jahreswechsel noch rund 77 USD und notiert aktuell bei 57 USD. Smith sieht Chancen bei unterbewerteten Unternehmen im Midstream-Bereich. Damit steht er nicht allein: Morningstar Analystin Tori Brovet nannte in einem Bericht Ende Dezember zu unterbewerteten Energieaktien unter anderem die Midstream-Unternehmen Energy Transfer (ISIN: US29273V1008, WKN: A0JJTN) und ONEOK (ISIN: US6826801036, WKN: 911060). Energy Transfer bietet ein Forward KGV von 10,30 und eine Dividendenrendite von 8,2 %. ONEOK weist ein Forward KGV von 12 und eine Dividendenrendite von 6,6 % auf.