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Kleinanleger unter VerkaufsdruckKoreas Zinserhöhung verschärft Ausverkauf bei Chip-Aktien

Samsung Electronics und SK Hynix geraten nach der ersten koreanischen Zinserhöhung seit mehr als drei Jahren erneut unter Druck. Gehebelte Fonds und kreditfinanzierte Käufe verwandeln die Kurskorrektur in eine gefährliche Abwärtsspirale.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: [M] Verumo / Getty Images, Maxim Hopman, Unsplash

Der südkoreanische Leitindex Kospi hat den Handel am Montag bereits mit einem Minus von 4,46 Prozent bei 6.516,27 Punkten beendet. Samsung Electronics (ISIN: KR7005930003, WKN: 888322) verliert 4,31 Prozent, SK Hynix (ISIN: KR7000660001, WKN: 907210) 4,23 Prozent. Die Zinswende und der Abbau gehebelter Wetten treiben den Ausverkauf.

Die Notenbank zieht mitten im Chip-Boom die Zügel an

Die südkoreanische Zentralbank hat den Leitzins am 16. Juli einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf 2,75 Prozent angehoben. Es ist die erste Erhöhung seit mehr als drei Jahren. Der geldpolitische Ausschuss reagiert auf anhaltenden Preisdruck, kräftige Exporte und wachsende Risiken für die Finanzstabilität.

Der Zeitpunkt trifft einen Markt, dessen Gleichgewicht bereits brüchig war. Südkoreas Verbraucherpreise lagen im Juni 3,2 Prozent über dem Vorjahreswert, während der schwache Won Energieimporte verteuerte. Zugleich treiben der Halbleiterboom und hohe Investitionen Wachstum, Löhne und Konsum.

Die wirtschaftliche Stärke verschärft das Dilemma. Noch Ende Mai hatte die Bank of Korea für das Gesamtjahr 2026 ein Wachstum von 2,6 Prozent erwartet. Mitte Juli erklärte sie, diese Prognose werde angesichts der starken Halbleiterexporte voraussichtlich deutlich übertroffen. Im Juni stiegen die Ausfuhren erstmals über 100 Milliarden USD. Gleichzeitig wuchsen die Kredite der privaten Haushalte zuletzt um monatlich acht bis neun Billionen Won, rund 5,4 bis 6,1 Milliarden USD. Der Chip-Boom liefert damit zugleich einen Grund für die Zinserhöhung und den Treibstoff für die Börsenspekulation.

Nach dem Verfassungstag setzt sich der Ausverkauf fort

Die Börse blieb am vergangenen Freitag wegen eines Feiertags geschlossen. Nach dem verlängerten Wochenende weiten sich die Verluste aus; im Kospi und im Technologiemarkt Kosdaq greifen am Montag erneut automatische Handelsbremsen.

Zugleich trifft die Kreditbereinigung auf steigende Energiekosten. Brent-Öl klettert am Montag zeitweise auf 90,95 USD je Barrel, weil die Kämpfe zwischen den USA und dem Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus beeinträchtigen. Für den großen Energieimporteur Südkorea erschwert das eine rasche geldpolitische Entlastung.

Gehebelte Einzelaktienfonds verschärfen den Verkaufsdruck

Am Donnerstag, dem Tag der Zinserhöhung, brach der Kospi um 6,37 Prozent ein. Samsung Electronics verlor 8,77 Prozent, SK Hynix 11,53 Prozent. Auf Basis der Marktkapitalisierung vom 15. Juli entfielen auf beide Konzerne zusammen 52 Prozent des Index. Entsprechend stark schlugen ihre Kursverluste auf den Gesamtmarkt durch.

Im Zentrum stehen gehebelte Einzelaktien-ETFs, die die tägliche Kursbewegung einer Aktie beispielsweise verdoppeln. Dreht der Markt nach unten, erzwingt ihre laufende Neugewichtung zusätzliche Verkäufe und verschärft den Kursrutsch. Die südkoreanische Finanzaufsicht stoppt deshalb vorerst neue Angebote und untersagt deren Bewerbung. Für neue Käufe steigt das vorgeschriebene Barguthaben ab dem 5. August auf 30 Millionen Won (ca. 20.300 USD). Ab November dürfen die Fonds nur noch in Blöcken von voraussichtlich 20 Anteilen gehandelt werden.

Die Kehrtwende folgt auf rasantes Wachstum. Erst am 28. April hatte Südkorea die Produkte zugelassen; am 27. Mai kamen 16 Fonds auf Samsung Electronics und SK Hynix an den Markt. Ihre Marktkapitalisierung stieg bis zum 15. Juli von umgerechnet etwa 3,0 Milliarden USD auf rund 8,0 Milliarden USD. Der Tagesumsatz erhöhte sich von 10,4 Billionen Won (ca. 7,0 Milliarden USD) auf 13 Billionen Won (rund 8,8 Milliarden USD).

Rekordgewinne tragen die Chipkurse nicht mehr

Operativ liefert Samsung Electronics ausgerechnet während des Ausverkaufs Rekordwerte. Für das zweite Quartal stellt der Konzern einen Umsatz von 171 Billionen Won (ca. 115,5 Milliarden USD) und einen operativen Gewinn von 89,4 Billionen Won (rund 60,4 Milliarden USD) in Aussicht. Gegenüber dem Vorjahresquartal steigt das operative Ergebnis auf mehr als das 19-Fache. Anleger prüfen dennoch die Dauer des Speicherengpasses und die Tragfähigkeit der weltweiten KI-Investitionen.

Auch SK Hynix setzt auf anhaltend hohe Nachfrage. Das Unternehmen will an seinem südkoreanischen Produktionsstandort Cheongju 100 Billionen Won, etwa 67,5 Milliarden USD, investieren: 80 Billionen Won, rund 54 Milliarden USD, fließen in die NAND-Fabrik M17, weitere 20 Billionen Won, etwa 13,5 Milliarden USD, in die Verpackungs- und Testanlage P&T7 sowie weitere Einrichtungen. P&T7 soll Ende 2027 fertig sein, M17 in der ersten Hälfte 2029 anlaufen.

Privatanleger machen die Korrektur zum Bilanzproblem

Während Großanleger verkaufen, stemmen sich Privatanleger gegen den Abwärtstrend. Am 16. Juli stießen ausländische Investoren Aktien im Wert von umgerechnet rund 930 Millionen USD ab. Koreanische Institutionen verkauften für etwa 1,6 Milliarden USD. Privatanleger kauften dagegen für rund 2,47 Milliarden USD.

Die Trennung reicht über den einzelnen Handelstag hinaus. Nach Daten der Korea Exchange verkauften ausländische Anleger im Juli bis einschließlich 16. Juli Aktien des Hauptmarktes für netto 12,1 Billionen Won, etwa 8,12 Milliarden USD. Zugleich kauften sie breit gestreute ETFs für 593,7 Milliarden Won, rund 401 Millionen USD, stießen jedoch bei zwei gehebelten SK-Hynix-Produkten für zusammen 125,4 Milliarden Won, etwa 85 Millionen USD, ab.

Gefährlich wird dieses Verhalten durch den hohen Kreditanteil. Herald van der Linde, Asienstratege der britischen Großbank HSBC mit Sitz in London, beziffert die kreditfinanzierten Aktienpositionen auf rund 23 Milliarden USD. Sinkt der Wert der Sicherheiten, verlangen Broker zusätzliches Kapital und verkaufen bei ausbleibender Zahlung.

Nach Angaben von Ioannis Blekos vom Handelstisch der Investmentbank Goldman Sachs waren bis zum 13. Juli mehr als 1,2 Millionen gehebelte Privatkonten von solchen Nachschussforderungen betroffen. Broker hätten rund 350.000 Konten zwangsweise geschlossen. Damit traf der Kreditdruck mehr als drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

Der Ausverkauf verschiebt Kapital innerhalb Asiens

Zwangsverkäufe folgen keiner langfristigen Bewertung. Gerade Samsung Electronics und SK Hynix geraten unter zusätzlichen Druck, weil ihre hohe Liquidität sie während der Kreditbereinigung zu bevorzugten Verkaufsobjekten macht.

Das Kapital wandert zugleich innerhalb des asiatischen Technologiesektors. Anleger lösen vor allem ihre überfüllten Korea-Wetten auf und suchen niedriger bewertete oder weniger stark gehebelte Alternativen in China und Taiwan.

Der Konkurrenzdruck verschärft die Trennung zwischen starken Unternehmen und tragfähigen Aktienkursen. Der chinesische Speicherchiphersteller ChangXin Memory Technologies, kurz CXMT, erreicht rund acht Prozent des weltweiten Marktes für Arbeitsspeicher.

Der Netto-Effekt bleibt zweigeteilt: Der Speicherchipzyklus ist operativ stark, doch die Börsenbewertung hängt an dauerhaft knapper Kapazität, ungebremsten KI-Ausgaben und fortgesetzter Kreditbereitschaft. Rekordgewinne stützen die Unternehmen. Sie verhindern aber keine Zwangsverkäufe, sobald Anleger ihre Sicherheiten nicht mehr finanzieren können.