
Investor Woche: Warsh will null Toleranz für Inflation, Chinas Binnenwirtschaft lahmt, TSMC erhöht Prognose, Purecore Metals greift nach Uranprojekt, SpaceX unter Druck, Stripe und Advent bieten für PayPal, IBM stürzt ab
Fed-Chef Kevin Warsh hält sich bedeckt, will aber keine hohe Inflation tolerieren. In China driften Binnen- und Außenwirtschaft auseinander. Uber kauft Delivery Hero, dem die Aufspaltung bevorsteht. Integrated Quantum Technologies reicht Patente zur Kontrolle von KI-Agenten ein. TSMC erhöht die Umsatzprognose. IBM verfehlt die Erwartungen, Netflix enttäuscht mit einer schwachen Prognose. Devon Energy scheint günstig bewertet.
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Marktentwicklung
Der DAX gibt auf Wochensicht knapp 1 % nach und verliert die Marke von 25.000 Punkten. Der S&P 500 verliert 1,5 %, der NASDAQ-100 über 4 %. Gold kämpft weiter um die Marke von 4.000 USD, während Silber auf 55 USD abrutscht.
Top-Meldungen
Warsh will "No Tolerance" für Inflation
Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat während seiner dreistündigen Aussage vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses keine konkreten Pläne für die Geldpolitik durchblicken lassen, was seiner Ankündigung entspricht, fortan nächste Schritte nicht mehr vorwegzunehmen. Er erklärte jedoch, dass die Notenbank die Inflation senken werde und dass die Mitglieder ihres Zinssatzausschusses "keine Toleranz für eine anhaltend hohe Inflation" hätten.
Chinas Wirtschaft lahmt und spaltet sich
Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 4,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum und damit langsamer als erwartet gewachsen, wie das nationale Statistikamt in Peking mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Wachstum von 4,5 % gerechnet. Es war das schwächste Quartalswachstum seit Ende 2022. Es zeigt sich eine zunehmende Spaltung: Während die Industrieproduktion im ersten Halbjahr um 5,4 % und die Exporte im Juni um 27 % zunahmen, stiegen die Einzelhandelsumsätze im ersten Halbjahr um lediglich 1,3 %. Die gesamten Anlageinvestitionen gingen von Januar bis Juni um 5,7 % zurück.
Uber kauft Delivery Hero
Uber (ISIN: US90353T1007, WKN: A2PHHG) hält bereits knapp 37 % der Anteile an Delivery Hero (ISIN: DE000A2E4K43, WKN: A2E4K4) und bietet nun den verbleibenden anderen Aktionären 41,50 EUR pro Aktie. Damit wird der deutsche Essenslieferant mit 12,7 Mrd. EUR bewertet. Der zweite Großaktionär Prosus hat bereits zugestimmt, seine knapp 17-prozentige Beteiligung abzugeben. Aufgrund von kartellrechtlichen Problemen ist infolge der Übernahme mit einer Zerschlagung von Delivery Hero zu rechnen.
Integrated Quantum Technologies reicht Patent für Kontrolle von KI-Agenten ein
Integrated Quantum Technologies (Integrated Cyber Solutions) (ISIN: CA45828F1018, WKN: A3EGAC) reichte beim US-Patent- und Markenamt eine vorläufige Patentanmeldung für seine MASQ-Technologie (Machine Action Security Quotient) ein. Die Patentanmeldung enthält mehr als 55 Patentansprüche und stellt nach der zuvor angekündigten vorläufigen Patentanmeldung für die datenschutzkonforme KI-Technologie VEIL die zweite Anmeldung des Unternehmens dar. MASQ wird als Governance-Plattform auf Infrastrukturebene entwickelt, die darauf ausgelegt ist, Aktionen autonomer KI-Agenten vor ihrer Ausführung zu bewerten, zu autorisieren und zu prüfen.
TSMC: Höhere Umsätze, höhere Investitionen
TSMC (ISIN: US8740391003, WKN: 909800) hat die Prognose für das Umsatzwachstum im laufenden Jahr von +30 % auf +40 % angehoben. Der Überschuss im zweiten Quartal stieg um 77 % auf umgerechnet 19 Mrd. EUR. Angehoben wurden auch die mittelfristigen Investitionszusagen in den USA: um weitere 100 Mrd. USD auf nunmehr 265 Mrd. USD. Perspektivisch wird TSMC in den USA nach eigenen Angaben zehn Fertigungs- sowie zwei Verpackungsanlagen betreiben. Die Aktie gab infolge des allgemeinen Abwärtssogs bei Chipaktien nach.
Purecore Metals greift nach Yurchison-Uranprojekt im Athabasca-Basin
Purecore Metals (ISIN: CA7459371026, WKN: A42ABN) hat mit Skyharbour Resources eine unverbindliche Absichtserklärung über den Erwerb einer Option auf bis zu 100 % der Anteile am Uranprojekt Yurchison im Wollaston-Gebiet des Athabasca-Beckens im Norden von Saskatchewan unterzeichnet. Das Projekt umfasst 22 Claims mit einer Gesamtfläche von ca. 35.028,93 Hektar an Mineralrechten und liegt etwa 75 km südlich des Cameco-Bergbaugebiets Rabbit Lake, durch das der Highway 905 verläuft. Die Bedingungen des Optionsvertrags wurden noch nicht festgelegt.
SpaceX im Visier von Leerverkäufern – Kurs rutscht unter Ausgabepreis
Der Kurs der SpaceX (ISIN: US84615Q1031, WKN: A42D4F) Aktie ist erstmals seit dem IPO unter den Ausgabepreis gefallen. Am Freitagmittag notierte das Papier im vorbörslichen Handel an der NASDAQ bei knapp 127 USD. Zum Kursverlust tragen offenbar auch Leerverkäufer bei: Laut Daten des Wall Street Journal lag das Short Interest bereits am 30. Juni bei mehr als 17 % der umlaufenden Papiere.
Stripe und Advent bieten für PayPal
Der US-Zahlungsdienstleister Stripe und der Investor Advent bieten 60,50 USD pro PayPal (ISIN: US70450Y1038, WKN: A14R7U) Aktie. Das Angebot entspricht einem Kursaufschlag von rund 28 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag, bevor das Angebot durch eine Reuters-Meldung bekannt wurde. PayPal hat offenbar noch nicht auf die Offerte reagiert. Alle drei beteiligten Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab. Der in PayPal investierte Michael Burry sieht den fairen Wert bei 75–115 USD pro Aktie und stuft den aufgerufenen Preis als Eröffnungsangebot ein.
IBM-Aktie nach Gewinnwarnung unter Druck
Die IBM (ISIN: US4592001014, WKN: 851399) Aktie rauschte in die Tiefe und erlitt den größten Tagesverlust seit 1987, nachdem das Unternehmen die Erwartungen deutlich verfehlt hatte. Der Umsatz im zweiten Quartal legte um lediglich 1 % auf 17,2 Mrd. USD zu und lag damit 700 Mio. USD unter den Konsenserwartungen. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag mit 2,93 USD ebenfalls unterhalb der Erwartungen. IBM-Chef Krishna macht für die Entwicklung einer Verschiebung der Kundenbudgets hin zu Servern und Speichersystemen verantwortlich – Komponenten, die derzeit von starken Preiserhöhungen betroffen sind.
Netflix fällt nach schwacher Prognose
Die Netflix (ISIN: US64110L1061, WKN: 552484) Aktie geriet nach einer schwächer als erwartet ausgefallenen Umsatzprognose deutlich unter Druck. Die Prognose für ein Wachstum von 11,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr im dritten Quartal lag unter den Erwartungen der Wall Street und würde das langsamste Wachstum seit 2023 bedeuten. Die Zahlen für das zweite Quartal fielen dagegen wie erwartet aus: Der Umsatz legte um 13 % auf 12,6 Mrd. USD zu.
Unter der Lupe
Devon Energy: Günstige Bewertung im US-Schiefergasmarkt
Devon Energy (ISIN: US25179M1036, WKN: 925345) ist ein Öl- und Gasproduzent mit Förderrechten in mehreren bedeutenden US-Schiefergasfeldern. Rund zwei Drittel der Produktion stammen aus dem Perm-Becken. Die Aktie notiert aktuell bei 44 USD und damit deutlich unter dem Hoch von 2022 bei 79 USD.
"Devon Energy zählt zu den kostengünstigsten Anbietern im US-Schiefergasmarkt", sagt Morningstar-Analyst Joshua Aguilar. Der Break-Even-Ölpreis von knapp unter 44 USD pro Barrel liege deutlich unter den geschätzten Grenzkosten der Produktion von 65 USD. Morningstar taxiert den fairen Wert der Aktie auf 55 USD je Aktie – ausgehend von einer Produktion von 846.000 Barrel Öläquivalent pro Tag in 2026 und einem daraus resultierenden EBITDA von 10,8 Mrd. USD.
Das Unternehmen erhöhte kürzlich seine Quartalsdividende von 0,24 auf 0,32 US-Dollar pro Aktie. Die Dividendenrendite liegt bei knapp 2,5 %. Die Schätzung von Morningstar entspricht einem Unternehmenswert/EBITDA-Multiple von 4,0 für 2026 und 6,7 für 2027.
Zu den wichtigsten Ereignissen der jüngeren Vergangenheit gehört die 28 Mrd. USD schwere Übernahme von Coterra. Das Unternehmen strebt bis Ende 2027 Synergien in Höhe von 2 Mrd. USD an. Vor der Fusion lag der vierteljährliche freie Cashflow bei 800 Mio. USD.
Die niedrige Bewertung in Verbindung mit dem guten Cashflow, der günstigen, natürlich bedingten Kostenbasis und den absehbaren Synergien stimmt auch andere Analysten optimistisch. 25 der durch das Wall Street Journal befragten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf – vier mehr als vor drei Monaten.
Grafik der Woche
Der freie Cashflow fließt von Big Tech zu Chip-Produzenten
Über lange Zeit erwirtschafteten die "Big Tech"-Unternehmen die höchsten freien Cashflows der Branche. Doch der KI-Boom wird zum Game Changer.
Da die Hyperscaler Milliarden in Chips und Rechenzentren investieren, fließt ein immer größerer Teil des Cashflows zu Halbleiterunternehmen. Der Mechanismus ist simpel: Amazon (ISIN: US0231351067, WKN: 906866), Alphabet (ISIN: US02079K1079, WKN: A14Y6H), Meta Platforms (ISIN: US30303M1027, WKN: A1JWVX), Microsoft (ISIN: US5949181045, WKN: 870747) und Oracle (ISIN: US68389X1054, WKN: 871460) setzen viel Geld ein, um im KI-Boom mitzuhalten. Die dadurch generierte Nachfrage nach KI-Chips verknappt diese und führt bei den Chipherstellern zu Rekordmargen.
Die hohen Gewinne der Chiphersteller spiegeln sich in der Kursentwicklung der Aktien wider. So hat sich der chiplastige koreanische Leitindex KOSPI allein im zweiten Quartal fast verdoppelt.
Derzeit läuft allerdings eine kräftige Korrektur bei Chipaktien. Der KOSPI hat im letzten Monat um 25 % nachgegeben. Der PHLX Semiconductor Sector (SOX) Branchenindex, der die 30 größten in den USA gehandelten Unternehmen der Halbleiterindustrie abbildet, büßte um mehr als 20 % ein.
Besonders stark gaben zuletzt die Aktien von Sandisk, Western Digital und Marvell Technology ab. Doch auch TSMC erlitt nach der Vorlage von Zahlen deutliche Kursverluste, obwohl die Prognosen nach oben gesetzt wurden.
"Ich glaube nicht, dass irgendjemand davon ausgeht, dass der KI-Boom vorbei ist. Die Investitionsausgaben werden weiter steigen, allerdings in einem langsameren Tempo. Chip-Aktien sind bekanntlich zyklisch (…) Es überrascht mich nicht, dass es zu Gewinnmitnahmen kommt", sagt Steve Wyett von BOK Financial.

Fun Fact
An der kleinsten Börse der Welt sind nur 4 Aktien gelistet
Die USA verfügen bekanntlich über den größten Aktienmarkt der Welt. Aber wie sieht das andere Ende des Rankings aus? Zwei Länder liegen im Rennen um den Titel der kleinsten Börse der Welt weit vorn. An der Seychelles Stock Exchange (MERJ) sind 15 Unternehmen gelistet – allerdings nur vier davon in lokaler Währung. Die Börse der Kapverdischen Inseln (Bolsa de Valores Cabo Verde) zählt vier Aktien (zwei Banken, ein Energieunternehmen und einen Tabakwarenhersteller).



