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"Kanarienvogel in der Kohlemine"Ist die schwache Entwicklung vieler Rohstoffpreise ein Alarmsignal für die Aktienmärkte?

Die Entwicklung vieler Rohstoffpreise passt nicht zum Inflationsnarrativ. Ein Analyst sieht darin deflationäre Dominoeffekte mit Risiken für den Aktienmarkt. Auch die Gold-Rallye spielt in diesem Szenario eine Rolle.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Quagga Illustrations

Alles wird immer teurer? Mitnichten! Die Preise für Getreide sinken deutlich. Beispiel Mais: Der Future an der Chicago Mercantile Exchange notiert aktuell bei knapp 4,44 USD (pro Bushel) und hat sich damit seit April 2022 fast halbiert. Damals wurden in der Spitze 8,25 USD gezahlt.

Mais, Soja, Weizen: Preise auf Vorkriegsniveau

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Sojabohnen: Wurden in der ersten Jahreshälfte 2022 noch knapp 18 USD pro Bushel bezahlt, notiert der Preis aktuell bei 10,30 USD. Noch stärker fällt der Preisrückgang auf dem Weizenmarkt aus: Kostete der Terminkontrakt an der CME hier unmittelbar nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine noch 13,50 USD, werden aktuell 5,27 USD pro Bushel gezahlt.

Die Charts sehen bei allen drei Nahrungsmitteln ähnlich aus: Nach einem starken Anstieg Anfang 2022 kam es allmählich zu einer Rückkehr auf das nominale Vorkriegsniveau. Mike McGlone, Senior Commodity Strategist bei Bloomberg Intelligence, glaubt nicht, dass sich daran in nächster Zeit etwas ändern wird.

"Sofern es im Corn Belt keine überraschende Angebotsentwicklung gibt, dürften Mais, Sojabohnen und Weizen eher auf niedrige Preise in Richtung 4, 9 und 5 USD pro Bushel fallen", schreibt McGlone in einem aktuellen Beitrag zum Rohstoffmarkt.

Sojabohnen auf dem Weg zu nominalen Preisen von 2019

Der Markt für Sojabohnen ist derzeit von sinkenden Importen durch China und steigenden Exporten aus Brasilien gekennzeichnet. "Sofern es nicht zu einer Dürre im Corn Belt oder einem Schock wie dem russischen Einmarsch in die Ukraine kommt, sehen wir ein größeres Potenzial für Sojabohnen, sich zu günstigen Preisen auf den Durchschnitt von 8,92 US-Dollar im Jahr 2019 zu erholen", so McGlone.

Mais durchläuft seit 2023 einen Bärenmarkt. "Dass das Hoch von 2025 bei 5,04 USD pro Scheffel am 19. Februar mit einem Anstieg des offenen Futures-Interests auf den höchsten Stand aller Zeiten und einem Anstieg der Netto-Long-Positionen von Hedgefonds auf fast 20 % zusammenfiel, könnte ein Zeichen für einen anhaltenden Höhepunkt sein", analysiert McGlone.

"Ohne eine schlechte Vegetationsperiode könnte es ungewöhnliche Ereignisse brauchen, um den Abwärtstrend zu beenden." Der Anstieg der voraussichtlichen Maisanbaufläche um etwa 6 % auf 95 Millionen Hektar deute auf ein reichliches Angebot an neuen Ernten hin, insbesondere falls die Erträge in der Nähe der 183 Scheffel pro Hektar des Vorjahres blieben.

Preise für Basismetalle flach wie ein Brett

Auch bei einer Reihe von Metallen lässt sich in der langfristigen Perspektive kein Trend zu Inflation ausmachen. Der Bloomberg Industrials Metals Subindex etwa notiert heute bei gut 141 Punkten und damit auf demselben Niveau wie Anfang 2021. Der Index besteht aus Futures-Kontrakten für Aluminium, Kupfer, Nickel, Blei und Zink.

Tatsächlich notiert der Aluminiumpreis mit rund 2.400 USD nominal so hoch wie bereits 2021. Auch der Kupferpreis befindet sich seit 2021 überwiegend in einer seitwärts gerichteten Konsolidierungsphase. Aktuell werden pro Tonne 9.425 USD gezahlt. Nickel kostet aktuell rund 15.500 USD pro Tonne und damit weniger als 2021 und in etwa so viel wie in der zweiten Jahreshälfte 2019. Auch für den Bleipreis (aktuell 1.950 USD lässt sich kein nennenswerter Inflationstrend feststellen, dasselbe gilt für Zink (2.600 USD).

Natürlich gibt es auch einige Rohstoffe, die in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden sind – Lebendrind etwa, Kaffee oder Kakao. Doch ein genereller Trend hin zu steigenden Rohstoffpreisen lässt sich auch im Hinblick auf die niedrigen Öl- und Gaspreise kaum ausmachen.

Niedrige Rohstoffpreise als dunkler Vorbote für den Aktienmarkt?

Wenn sich die Rohstoffpreise in der Summe so viel schlechter entwickelt haben als die Aktienkurse: Könnte ein Alarmsignal für die Aktienmärkte vorliegen? McGlone jedenfalls glaubt, "dass die US-Aktienkurse vor dem Hintergrund sinkender Rohölpreise und Renditen chinesischer Staatsanleihen möglicherweise gerade erst begonnen haben, zu fallen."

Die Geschichte zeige, dass Deflationszyklen und Inflationszyklen sich gegenseitig bedingten. Der aktuelle Zyklus könne durch die in Zeiten ohne Rezession oder Krieg beispiellosen Defizitausgaben der USA verzögert worden sein. Die starke Entwicklung des Goldpreises sieht der Analyst als möglichen "Kanarienvogel in der Kohlemine".

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