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Megatrend wird marktfähigQuantum-Startups wagen Börsengänge in schwierigem Marktumfeld

Trotz globaler Unsicherheiten drängen immer mehr Quantum-Startups an die Börse. Technische Durchbrüche und staatliche Förderungen geben Rückenwind - doch Risiken bleiben.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: Getty Images / Unsplash

Quantumtechnologie-Unternehmen nutzen aktuell ein enges Zeitfenster für den Gang an die Börse. Trotz geopolitischer Unsicherheiten und hoher Volatilität an den Kapitalmärkten wagen es Startups wie Xanadu Quantum (ISIN: CA98390R1029, WKN: A426Z7) und Horizon Quantum, Kapital über SPAC-Deals einzusammeln. Sie setzen dabei auf jüngste technische Durchbrüche und das wachsende Interesse institutioneller Anleger an einer Technologie, die laut Analysten das Potenzial hat, ganze Industrien neu zu definieren.

Quantum erreicht eine neue Entwicklungsstufe

Noch vor wenigen Jahren galten Quantumcomputer als reines Forschungsfeld. Inzwischen aber mehren sich Hinweise auf eine nahende "praktische Quantumüberlegenheit" - also Anwendungen, bei denen Quantumrechner klassische Hochleistungsrechner übertreffen. Analyst Velu Sinha von Bain & Company erwartet erste praktische Anwendungen ab etwa 2028 bis 2029 bei rund 100 logischen Qubits - einer künstlich stabilisierten Recheneinheit. Für komplexe Probleme wie Wirkstoffforschung oder Logistikoptimierung sind jedoch 1.000 bis 10.000 logische Qubits nötig, was ein wesentliches Ziel für das kommende Jahrzehnt darstellt.

Diese Entwicklungen wirken sich direkt auf die Unternehmensstrategien aus. Das kanadische Unternehmen Xanadu, ein Partner des Chipkonzerns Nvidia, setzt auf modulare Quantum-Hardware und Cloud-Plattformen für Entwickler. Für sein erstes Quantum-Rechenzentrum erhält Xanadu bis zu 390 Mio. CAD staatliche Förderung. Horizon Quantum aus Singapur entwickelt softwarebasierte Lösungen, die mit herkömmlichen und quantumbasierten Systemen kompatibel sind. Auch bei Infleqtion (ISIN: US45676K1034, WKN: A422S8), spezialisiert auf neutralatomare Quantumtechnologie, steigt die Nachfrage trotz eines Aktienkursrückgangs von über 30 % seit dem Börsendebüt im Februar konstant.

Kapitalmarkt trotzt Risiken und Volatilität

Die neuen Börsengänge erfolgen in einem schwierigen Umfeld. Der Nahost-Konflikt, hohe Zinsen und die Risikoaversion gegenüber spekulativen Techwerten erschweren die Kapitalaufnahme. Dennoch war der erste Handelstag von Xanadu erfolgreich: +15 % an der NASDAQ. Horizon Quantum hingegen verzeichnet seit Börsenstart zurzeit ein Minus von rund 18 %. SPACs, also sogenannte "Blankoscheckfirmen", dienen dabei weiterhin als Vehikel, um schnell und ohne klassischen IPO an Kapital zu gelangen. Auch der erste börsennotierte Quantum-Player IonQ wurde 2021 über diesen Weg gelistet.

Laut Christian Weedbrook, CEO von Xanadu, ist "jetzt der ideale Zeitpunkt" für den Gang an die Börse, weil viele wissenschaftliche Durchbrüche aus den letzten 18 Monaten nun in die technische Umsetzung fließen. Die Phase reiner Grundlagenforschung ist demnach vorbei. Nun geht es um den Übergang in marktfähige Produkte.

Große Hoffnungen, begrenzte Umsätze

Der Markt ist noch jung, doch das langfristige Potenzial gilt als enorm. Bain & Company schätzt das adressierbare Marktvolumen auf 100 bis 250 Mrd. USD auf Sicht von Jahrzehnten. Die heutigen Umsätze sind gering und beruhen vor allem auf Beratungsdiensten, Cloud-Zugängen zu Testsystemen und Spezialsoftware. Horizon will 2026 erste Produkte für Testkunden bereitstellen. Infleqtion kündigt Investitionen in konkrete Kundenmärkte an, die Kommerzialisierung soll stufenweise erfolgen.

Während Technologiekonzerne wie Alphabet, Microsoft oder IBM massiv in Quantumforschung investieren, bleiben eigenständige Börsengänge noch eher die Ausnahme. Diese werden derzeit fast ausschließlich von kleineren, spezialisierten Firmen getrieben, die auf zügige Kapitalzufuhr angewiesen sind, auch um sich im Wettbewerb um Talente, Patente und Infrastruktur zu behaupten.

Ein Marathon mit hohem Starttempo

Staatliche Förderungen aus Nordamerika, Europa und China sichern zwar einen Teil der Entwicklungsausgaben. Doch mittelfristig braucht der Sektor private Investitionen, um die nötige Skalierung zu erreichen. Noch ist offen, wann Quantumcomputer alltäglich im Einsatz sein werden - für Endnutzer dürfte das noch Jahrzehnte dauern. In Rechenzentren großer Unternehmen oder öffentlicher Forschungseinrichtungen aber könnten sie deutlich früher Realität werden.

Wie Marc Einstein von Counterpoint Research zusammenfasst: "Quantumcomputer werden Milliarden von Rechenoperationen in einem Wimpernschlag durchführen können - und das verändert alles."