
Ein Grund ist die Fußball WM: Anleihe-Chefstratege von T. Rowe Price sieht US-Bondrendite bei 6 %
Die US-Bond-Renditen steigen in naher Zukunft in Richtung 6 % - und die Federal Reserve könnte selbst mit massiven Anleihekäufen nichts dagegen tun. Der T. Rowe Price Anleihechefstratege sieht darin kein Katastrophen-Szenario, sondern handfeste Chancen für Investoren.
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Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind seit dem Ausbruch des Iran-Krieges deutlich gestiegen. Wurden vor der Eskalation im Nahen Osten noch 3,95 % Rendite gezahlt, liegt der Wert aktuell bei 4,329 %, zwischenzeitlich wurden sogar 4,5 % erreicht.
Arif Husain, Anleihe-Chefstratege des US-Fondshauses T. Rowe Price, sieht das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Er geht davon aus, "dass die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in diesem Jahr die Marke von 6 % erreichen wird - oder zumindest deutlich in diese Richtung steigt", sagte er im Interview mit dem Handelsblatt.
Husains Prognose ist alles andere als Konsens. Die meisten Bond-Analysten rechnen für das Ende des Jahres mit Renditen auf dem aktuellen Niveau im Bereich von 4,3 %. Er nennt drei Gründe für seine Annahme: Die weltweit steigende Staatsverschuldung, das deutliche Wachstum der US-Wirtschaft und die anziehende Inflation.
"Nominales BIP-Wachstum historisch gute Obergrenze für 10-jährige Renditen"
Dem Bondspezialisten zufolge ist "historisch gesehen das nominale BIP eine gute Obergrenze für die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen." Vor dem Iran-Krieg habe T. Rowe Price mit einem nominalen US-Wachstum im Bereich von 6 -7 % gerechnet. Daran habe sich im Kern wenig geändert: Das reale Wachstum falle vielleicht etwas geringer aus, die Inflation dafür etwas höher.
Im Hinblick auf die US-Wirtschaft ist Husain optimistisch gestimmt. Er verweist auf hohe Steuerrückzahlungen an US-Konsumenten, die die wichtigste Stütze der Wirtschaft seien. Im Juli feierten die USA ihr 250-jähriges Bestehen; zeitgleich finde die WM im Land statt. "Trump wird im Vorfeld des Sommers viel tun, um der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen. Darüber hinaus sind die im November anstehenden US-Zwischenwahlen ein starker Ansporn für die Regierung, die Wirtschaft voranzutreiben."
Zur Stützung des Wirtschaftswachstums werde die US-Regierung auch zusätzliche Schulden aufnehmen, die neben den Ausgaben für den Iran-Krieg finanziert werden müssten. Die steigende Verschuldung führe zu Risikoaufschlägen nicht nur bei US-Bonds, sondern weltweit. Regierungen konkurrierten dabei nicht nur untereinander, sondern auch mit Unternehmen wie den US-Hyperscalern mit ihrem hohen Kapitalbedarf für KI-Investitionen.
Renditeanstieg könnte Private Credit Krise verstärken
Deutlich steigende Anleihe-Renditen hätten jedoch Konsequenzen. So könnten sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Privathaushalte verschlechtern. "Bei Unternehmen mit schwacher Bonität dürften die Ausfallraten steigen. Das könnte auch für nicht börsennotierte Anlagen wie zum Beispiel Private Credit zum Problem werden." Gut möglich also, dass sich ein ohnehin bereits angeschlagenes Segment noch weiter in Richtung Krise entwickelt.
Negative Auswirkungen für die Aktienmärkte sind für Husain nicht ausgemacht. Zwar seien die Anleiherenditen zentraler Bestandteil der Bewertungsmodelle von Aktien. Es komme jedoch darauf an, aus welchem Grund die Renditen anzögen. Läge dem Anstieg vor allem starkes Wirtschaftswachstum zugrunde, würden die Aktienmärkte wohl positiv reagieren."
Er sieht auf absehbare Zeit keinen Ausweg aus steigenden US-Bondrenditen, selbst für den Fall, dass die US-Notenbank Federal Reserve ab einem gewissen Renditeniveau die Leitzinsen senkt oder auch direkt am Bondmarkt tätig wird. Er glaubt, "dass die Fed nicht viel ausrichten kann, selbst wenn sie versucht gegenzusteuern."
Gegen effektive Einflussmöglichkeiten der FED spräche der Wettbewerb um Fremdkapital ebenso wie ein Vertrauensverlust in den US-Dollar mit einer damit verbundenen Abwertung im Fall einer Manipulation. "Ein schwächerer Dollar verteuerte aber Importe in die USA. Dann würde die Inflation folglich noch stärker anziehen - und damit auch die Anleiherenditen wieder steigen lassen."
Ein beängstigendes Szenario will der T. Rowe Price-Experte damit jedoch nicht an die Wand gemalt sehen. Ganz im Gegenteil. Für Anleiheinvestoren seien schon jetzt die attraktivsten Gelegenheiten der letzten 20 Jahre entstanden. Er verweist auf Chancen bei kurzfristigen europäischen Staatsanleihen, deren Renditen über die Rendite am Geldmarkt gestiegen seien. Auch inflationsindexierte Anleihen hält er für interessant.