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IPO-MarktNach Autodoc-Rückzieher blickt der IPO Markt auf Brainlab und ISS Stoxx

Autodoc sagt den Börsengang kurzerhand ab: Die nächste Flaute für den deutschen und europäischen IPO-Markt. Nun richten sich die Blicke auf Brainlab und ISS Stoxx.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 4 min
Titelbild: Autodoc GmbH / creativecommons.org CC BY-SA 3.0 DE / wikimedia.org

Das Autodoc-IPO ist abgeblasen: Das Unternehmen und seine Großaktionäre – die Firmengründer und der US-Finanzinvestor Apollo entschieden sich am Dienstag den für Mittwoch geplanten Gang aufs Parkett zu verschieben.

Firmenchef Dmitry Zadorozhny nannte auch die geopolitische Situation als Grund für die Entscheidung, die "trotz des positiven Interesses der Investoren in Abstimmung mit Aktionären und den beteiligten Banken" getroffen worden sei. Mit anderen Worten: Autodoc wartet auf einen günstigeren Zeitpunkt.

Bereits 2021 hatte das Unternehmen ein IPO abgesagt. Die Anteilseigner hatten mit dem Börsengang einen Erlös von 450 Mio. EUR erzielen wollen und strebten eine Bewertung von gut 2,2 Mrd. EUR an. "Ein Börsengang zu einem späteren Zeitpunkt wird weiterhin von der Gesellschaft und den Aktionären geprüft", heißt es nun.

Frankfurter Börse verzeichnet 2025 bislang nur zwei IPOs

Für den deutschen IPO-Markt sind dies keine guten Nachrichten. Der Markt ist ohnehin fast ausgetrocknet: Bislang haben 2025 lediglich der Elektrotechnikspezialist Pfisterer (ISIN: DE000PFSE212, WKN: PFSE21) und das Softwareunternehmen Innoscripta (ISIN: DE000A40QVM8, WKN: A40QVM) den Gang an die Frankfurter Börse vollzogen. Pfisterer erzielte eine Bewertung von 500 Mio. EUR, Innoscripta erreichte zum Ausgabekurs eine Marktkapitalisierung von 1,2 Mrd. EUR. Pfisterer hat sich seit dem IPO gut entwickelt, während die Innoscripta Aktie bereits am ersten Handelstag enttäuschte.

Umso wichtiger sind die IPOs, die anstehen bzw. sich abzeichnen. Ein angehender Debütant ist die Medizintechnikfirma Brainlab, die am 03. Juli an die Börse zu gehen plant und dabei – ausgehend vom oberen Ende der Preisspanne von 80-100 EUR - eine Bewertung von gut 2 Mrd. EUR anstrebt. Das Unternehmen, das u.a. Soft- und Hardware für Operationen und Strahlentherapien anbietet, verzeichnete im vergangenen Jahr ein zweistelliges Umsatzwachstum.

Brainlab will Dataverse für Gesundheitsdaten entwickeln

Mit dem Erlös aus dem IPO will das in München ansässige Unternehmen weiteres Wachstum finanzieren. Laut Gründer Stefan Vilsmeier besteht das Ziel darin, ein datengesteuertes Ökosystem ("Dataverse für Gesundheitsdaten") aufzubauen. Entwickelt werden Bildgebungslösungen, die effizientere Behandlungen bei größtmöglicher Sicherheit erlauben sowie Neuromonitoring-Lösungen für eine große Bandbreite an kritischen chirurgischen Eingriffen.

Zu den weiteren interessanten IPOs im zweiten Halbjahr könnte die Governance-Daten- und Analyse-Sparte der Deutschen Börse, ISS Stoxx, gehören. Wie Bloomberg berichtet, hat die Deutsche Börse weitere Banken in die Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang eingebunden.

"Zusätzlich zu den bereits federführend tätigen Instituten Deutsche Bank, Morgan Stanley und UBS sollen nun auch Bank of America, Berenberg, BNP Paribas, Commerzbank, Goldman Sachs, Jefferies Financial sowie Société Générale in untergeordneter Rolle involviert werden", heißt es bei der Nachrichtenagentur.

ISS Stoxx IPO könnte im zweiten Halbjahr folgen

Das IPO könnte in der zweiten Jahreshälfte stattfinden, das Emissionsvolumen rund 1 Mrd. USD erreichen - womit der Deal einer der größten in Europa seit längerem wäre. Im laufenden Jahr hat es bislang keine Neuemissionen mit einem Volumen von über einer Milliarde Dollar gegeben.

Doch sicher ist dieses IPO noch nicht: Laut Deutscher Börse kommen sowohl ein IPO von ISS Stoxx als auch der Rückkauf von Anteilen des Private-Equity-Investors General Atlantic in Betracht.

ISS Stoxx ist auf Governance-Daten und Analysen spezialisiert und bietet unter anderem Empfehlungen zur Stimmrechtsausübung auf Hauptversammlungen sowie Benchmarks und Indizes zu Nachhaltigkeit, Aktienmärkten und Cyberrisiken an. Im vergangenen Jahr belief sich das EBITDA auf 238 Mio. EUR.