
Mega Cap: Die IPOs von SpaceX, Anthropic und Open AI werfen ihre Schatten voraus
Frühen SpaceX Investoren winkt eine Verzehnfachung ihres Einsatzes, wenn das Unternehmen an die Börse geht. Auch die IPOs von Anthropic und Open AI werden durch den VC-Sektor dringend erwartet - doch nachhaltige positive Impulse sind keineswegs sicher.
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Was sich in diesem Jahr auf dem IPO-Markt ankündigt, ist alles andere als gewöhnlich. SpaceX (mit einer Bewertung von rund 1,25 Billionen USD, je nach Quelle auch 1,5-1,75 Billionen USD), OpenAI (840 Mrd. USD) und Anthropic (330 Mrd. USD) planen nach aktuellem Stand noch 2026 den Gang aufs Parkett.
Um das Volumen einzuordnen, hilft folgender Vergleich: Die drei Unternehmen könnten zusammen mehr Wert schaffen als alle VC-gestützten IPOs seit dem Jahr 2000. Oder: Die durch SpaceX geplanten Erlöse durch einen Teilverkauf von Anteilen sollen 50 Mrd. USD erreichen. Das ist fast so viel wie alle US-Venture-backed-IPOs des Rekordjahres 2021 zusammen, als 60 Mrd. USD erlöst wurden.
Mega IPOs: Rekordjahr für Venture Capital?
Für die VC-Branche wären drei erfolgreiche Börsengänge in dieser einmaligen Größenordnung nicht nur ein Gewinn an Reputation, sondern auch an Liquidität - und gerade die wird im Sektor dringend benötigt. "Nach Jahren stockender Exits, sinkender Multiplikatoren und zunehmendem Druck der Limited Partners leidet der US-Venture-Capital-Markt unter akutem Liquiditätsmangel. Über vier Billionen USD an Gesamtwert sind in Unicorns gebunden - und diese drei Unternehmen stehen im Zentrum dieses Geschehens", sagt Kyle Stanford von PitchBook.
Die größten Profiteure unter den Investoren sind bekannt. Das Investmentunternehmen T. Rowe Price aus Baltimore ist in allen drei Unternehmen investiert, das Wagniskapitalunternehmen Andreessen Horowitz aus Kalifornien an SpaceX und Open AI beteiligt. Nvidia, Microsoft, Altimeter, Coatue und Fidelity haben sowohl in Anthropic als auch in OpenAI investiert.
Viele im Venture-Capital-Sektor hoffen auf starke Börsengänge und eine Belebung der Märkte. Doch es gibt Gründe, daran zu zweifeln. Einer dieser Gründe offenbart sich mit einem Blick hinter die drei möglichen Mega-IPOs. Danach kommt in der Pipeline: Lange nichts. Dann folgen Namen wie Strava, Cerebras, Kraken, Motive und Discord.
Nach den Mega Caps kommt in der Pipeline lange nichts
Optimisten verweisen auf die hohen Gewinne, die frühe Investoren der drei Mega IPOs einstreichen könnten. SpaceX etwa wurde 2023 bei einer Finanzierungsrunde mit 137 Mrd. USD bewertet. Könnten die im Raum stehenden Bewertungen bei einem Börsengang realisiert werden, entspräche dies Gewinnen im Bereich von 1.000 %.
Stanford sieht den VC-Markt im Zuge der drei großen IPOs am Scheideweg: "Im optimistischen Szenario bestätigen erfolgreiche Börsengänge die Investitionsthese im Bereich KI, beleben die IPO-Pipeline und ermöglichen lang erwartete Renditen im gesamten Ökosystem. Im pessimistischen Szenario absorbieren diese Mega-Börsengänge das verfügbare Kapital und die Aufmerksamkeit der Anleger (...) und verschieben die Liquiditätszeiten bis ins Jahr 2027 und darüber hinaus."
Auch im Hinblick auf den Aktienmarkt prognostiziert er erhebliche Auswirkungen der MegaCap IPOs. "Die Mega-IPOs des Jahres 2026 könnten entweder ein Segen für alle sein - oder den Markt zum Einsturz bringen", so der Analyst.
Anleger müssen nicht zwingend auf IPO warten
Die Börsengänge könnten im VC-Segment zudem eine bereits bestehende Konzentration zusätzlich verschärfen und die Trennlinie zwischen den in den drei Unternehmen engagierten Investoren und allen anderen verbreitern.
Wer nicht auf die IPOs warten möchte, muss über spezialisierte Plattformen investieren. Diese verkaufen Aktien aus Mitarbeiterprogrammen oder anderen Quellen und ermöglichen damit ein Direktinvestment in OpenAI und Co. lange vor dem Börsengang. Beispiele für solche Plattformen sind Hiive, Forge Global und EquityZen. Die Mindesteinlage bei solchen Plattformen liegt oft im fünfstelligen Bereich, zudem ist eine Akkreditierung unter Offenlegung von Einkommens- und Vermögensverhältnissen notwendig.