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Investor WocheZinssenkung in UK, Zinserhöhung in Japan, sinkende Inflation in USA, KDNS plant IPO, Warner weist Paramount zurück, BMW, BP, Rheinmetall, Trump Media

In der Eurozone rücken Zinssenkungen in weite Ferne, in UK sinken die Zinsen, während Japan erhöht. US-Inflationsdaten scheinen den Fed-Spielraum zu vergrößern. KDNS plant ein IPO, Trump Media steigt in Fusionsenergie ein, Rheinmetall erhält einen Großauftrag. Warner weist die Paramount-Offerte zurück, BMW schafft Vorzüge ab und BP wechselt den CEO aus.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 12 min
Titelbild: picture alliance / Panama Pictures / Christoph Hardt

Marktentwicklung

An den Aktienmärkten geht eine überwiegend ruhige Woche ohne Weihnachtsrallye-Stimmung ihrem Ende zu: DAX, S&P 500 sowie NASDAQ-100 gaben jeweils leicht nach. Der EUR/USD schwankte zwischen 1,17 und 1,18, Gold notierte über 4.300 USD.

Top Meldungen

EZB lässt Leitzins unverändert

Die EZB hat zum vierten Mal in Folge den Leitzins für die Eurozone unverändert bei 2,0 % belassen. Bemerkenswert offen adressierte EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Inflationsrisiken. Die Prognose für die Gesamtinflation 2026 wurde von 1,7 % auf 1,9 % angehoben. Die Prognose für die Kerninflationsrate wurde von 1,9 % auf 2,2 % angehoben. Dies wird vor allem auf die hartnäckige Inflation der Dienstleistungspreise zurückgeführt. In den vergangenen Sitzungen hatte die EZB stets auf den perspektivisch nachlassenden Lohndruck verwiesen. Die EZB sieht sich geldpolitisch weiter "an einem guten Punkt", betont aber: "Alle Zinsoptionen bleiben auf dem Tisch." Zinssenkungen erwarten Ökonomen nun jedoch nicht mehr. Die Frage lautet ab sofort: Wann steigen die Zinsen in der Eurozone?

BoE senkt Leitzins

Die Bank von England senkte am Donnerstag die Zinssätze um einen Viertelpunkt auf 3,75 %. Zugleich warnten die Währungshüter, künftige Zinsentscheidungen könnten komplizierter werden: Der geldpolitische Ausschuss der Zentralbank stimmte mit fünf zu vier Stimmen für eine sechste Zinssenkung seit Sommer 2024. Die Zinssenkung erfolgte in der Annahme, dass die britische Inflation im zweiten Quartal nahe an das Zielniveau von 2 % heransinken wird. BoE Gouverneur Andrew Bailey sieht Spielraum für weitere Lockerungen, sollte sich die Inflation dauerhaft auf dem Zielwert einpendeln. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Zinsen allmählich sinken werden. Doch mit jeder Zinssenkung wird es schwieriger abzuschätzen, wie weit wir noch gehen werden."

Leitzinserhöhung in Japan

Die Bank of Japan hat am Freitag den Leitzins wie durch fast alle Ökonomen erwartet von 0,50 % auf 0,75 % angehoben. Es handelt sich um den ersten Zinsschritt seit Januar und das höchste Zinsniveau seit 1995.

US-Inflation sinkt auf 2,7 %

Die Verbraucherpreise in den USA stiegen im November gegenüber dem Vorjahr um 2,7 % und damit deutlich schwächer als erwartet. Durch das Wall Street Journal befragte Ökonomen hatten einen Anstieg um 3,1 % prognostiziert. Die Kerninflation stieg um 2,6 %. Das war der geringste Anstieg seit Anfang 2021. Ökonomen hatten hier mit einem Anstieg von 3 % gerechnet.

Fraglich ist jedoch, wie belastbar die Daten sind. Ökonomen weisen darauf hin, dass das Bureau of Labor Statistics infolge des Shutdowns die Datenerhebung für sechs Wochen unterbrochen hatte und infolgedessen viele Preise als Schätzung und nicht als Erhebung eingeflossen sind.

US-Handelsdefizit so niedrig wie seit 2020 nicht mehr

Das US-Handelsdefizit fiel im September um 11 % gegenüber dem Vormonat auf 52,8 Mrd. USD und damit auf den niedrigsten Stand seit 2020. Ökonomen hatten im Durchschnitt 63,3 Mrd. USD erwartet. Die Importe legten um 0,60 % zu, die Exporte um 3 %. Der Anstieg der Ausfuhren entfällt allerdings zu einem erheblichen Teil auf Goldexporte. 6,1 Mrd. USD des 8,7 Mrd. USD umfassenden Exportanstiegs entfallen auf diesen Effekt, der sich anders als sonstige Zugewinne im Nettoexport nicht im BIP niederschlägt. Oliver Allen von Pantheon Macroeconomics erwartet eine Normalisierung im vierten Quartal, rechnet dann aber dennoch mit einem höheren Außenbeitrag als bislang erwartet. Seine bisherige Wachstumsprognose von 3,5 % sieht er deshalb Aufwärtsrisiken ausgesetzt.

BMW will Vorzugsaktien abschaffen

BMW (ISIN: DE0005190003, WKN: 519000) plant die Abschaffung seiner Vorzugsaktien. Die Gattung soll in die vorherrschenden Stämme im Verhältnis 1:1 umgewandelt werden. Dem Plan muss die Hauptversammlung im Mai zustimmen. Der Autobauer will mit der Maßnahme die Aktionärsstruktur vereinfachen und den Streubesitz der Stämme erhöhen. Die Umwandlung wird an der bestehenden Stimmrechtsmehrheit von Stefan Quandt und Susanne Klatten nichts ändern. Die Vorzugsaktien machen etwa 9 % des Grundkapitals aus und erhalten eine um 2 Cent höhere Dividende.

KDNS plant IPO für 2026

Der deutsch-französische Panzerkonzern KNDS strebt für 2026 ein IPO an. Geplant ist eine Doppelnotierung und Frankfurt und Paris. Der Wert des Unternehmens wird auf etwa 20 Mrd. EUR taxiert. Das Unternehmen war 2015 aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann (Kampfpanzer Leopard) und des französischen Konkurrenten Nexter hervorgegangen. Finanzkreisen zufolge planen die deutschen Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens einen weitgehenden Rückzug.

Rheinmetall erhält Auftrag für Satelliten und verkauft Autozulieferersparte

Rheinmetall (ISIN: DE0007030009, WKN: 703000) hat in der neuen Satelliten-Geschäftssparte einen mehrjährigen, 1,7 Mrd. EUR umfassenden Auftrag der Bundeswehr erhalten. Es geht dabei im Aufklärungsdaten von finnischen Satelliten.

Derweil laufen die Bemühungen um den Verkauf der schwächelnden Autozulieferersparte weiter. Zwei Bieter für die zivile Sparte Power Systems wurden in die engere Wahl genommen. Für den Bereich such Rheinmetall seit April einen Käufer, bis Ende des ersten Quartals 2026 soll ein Deal abgeschlossen werden. Dies geht mit einer 350 Mio. EUR schweren Abschreibung einher.

Warner Bros. lehnt Angebot von Paramount ab

Der Warner Bros. (ISIN: US9344231041, WKN: A3DJQZ) Verwaltungsrat hat die Übernahmeofferte von Paramount (ISIN: US69924R1086, WKN: A1W9NU) zurückgewiesen und sich für das Angebot von Netflix (ISIN: US64110L1061, WKN: 552484) ausgesprochen. An dem Angebot von Paramount wurden insbesondere unzureichende Finanzierungsgarantien bemängelt.

Trump Media steigt in Fusionsforschung ein

Die Aktie der Trump Media & Technology Group (ISIN: US25400Q1058, WKN: A3CYXD) legte nach starken Verluste im letzten Jahr um 40 % zu: Das Unternehmend des US-Präsidenten fusioniert mit einem durch die Google-Mutter Alphabet unterstützten Entwickler von Fusionsreaktoren TAE. Trump Media wird den Angaben zufolge künftig etwa die Hälfte der Anteile an der nicht börsennotierten TAE Technologies halten. Trump Media wird TAE im Rahmen der Transaktion 200 Mio. USD Cash zur Verfügung stellen.

BP tauscht CEO aus

BP (ISIN: GB0007980591, WKN: 850517) ersetzt CEO Murray Auchincloss nach weniger als zwei Jahren im Amt. Seine Nachfolgerin wird mit Meg O'Neill die Chefin von Woodside Energy. Der Einstieg des aktivistischen Hedgefonds Elliott Investment Management hatte zuvor angedeutet, einen Führungswechsel anzustreben. Im Oktober hatte der neu ernannte Vorstandsvorsitzende Albert Manifold eine deutliche Vereinfachung des Geschäfts gefordert und eine strategische Überprüfung des Unternehmens eingeleitet. Deren Ergebnisse werden im Februar erwartet.

Unter der Lupe

Yum China könnte als Gewinner aus Chinas Restaurant-Krise hervorgehen

Die Aktie von Yum China Holdings (ISIN: US98850P1093, WKN: A2ARTP) bietet ein zukunftsgerichtetes KGV von 17,3 und eine Dividendenrendite von rund 2 %. Der Aktienkurs steht heute dort, wo er auch vor Corona notierte: Bei gut 48 USD.

Yum China ist mit mehr als 18.000 Filialen und einem Systemumsatz von 12 Mrd. USD (2025) der größte Restaurantbetreiber in China. Einnahmen werden sowohl durch den Betrieb von Restaurants als auch durch Franchise-Systeme erzielt. Das Markenportfolio umfasst - womöglich auf den ersten Blick überraschend - KFC und Pizza Hut. Diese sind im Besitz der amerikanischen Yum! Brands. Diese gliederte das China-Geschäft 2026 in Yum China aus. Yum China ist Lizenznehmer der Marke Yum Brands und zahlt 3 % des Systemumsatzes von KFC und Pizza Hut nach Louisville in Kentucky. Auch Marken wie Little Sheep, Taco Bell, Huang Ji Huang und Lavazza gehören zum Portfolio.

Der behäbige Aktienkurs passt nicht zu den Bewertungen der meisten Analysten, lässt sich zum Teil aber mit der generell niedrigeren Bewertung des chinesischen Aktienmarktes erklären. 20 der durch das Wall Street Journal befragten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf - bei 4x overweight und 2x hold. Das Kursziel liegt im Median bei 56,10 USD, was knapp 16 % über dem aktuellen Kursniveau liegt. Für die kommenden Jahre erwartet die Wall Street deutlich steigende Gewinne pro Aktie: Von 2,88 USD im kommenden Jahr soll der Gewinn auf 3,28 USD im Jahr 2027 anziehen.

Zu den optimistischeren Analysten gehört Morningstar: Den fairen Wert sieht das Modell des Hauses bei 76 USD. Morningstar Analyst Ivan Su wies Anfang der Woche in einem Bericht auf die anhaltend schwachen Konsumausgaben in China hin. "In diesem Umfeld empfehlen wir Anlegern, sich auf Unternehmen zu konzentrieren, die aufgrund ihrer Größe eine aggressivere Preisstrategie verfolgen können (...)." Kurz: Es geht um Burggraben-Aktien, die aus einer Konsolidierung des Marktes gestärkt hervorgehen.

Yum China ist Su zufolge gut aufgestellt, um Marktanteile im fragmentierten chinesischen Restaurantmarkt zu gewinnen, wo Kettenrestaurants nur etwa 20 % der Restaurantausgaben in China ausmachen, im Vergleich zu rund 35 % weltweit und 60 % in den USA. "Dies unterstreicht das große Potenzial für eine Konsolidierung, von der Yum China überproportional profitieren dürfte." Mehr Büroangestellte, steigende Einkommen und schrumpfende Familien seien wesentliche Trends, die das Wachstum bei Schnellrestaurants förderten. "Ein bekannter Markenname, kontinuierliche Menüinnovationen und digitale Kompetenzen sowie Kostenvorteile durch Skaleneffekte beim Einkauf und die Beschaffung über die branchenführende Lieferketteninfrastruktur" sind für Morningstar die Zutaten für einen breiten ökonomischen Burggraben.

Chart der Woche

Gustav Gans vs. Donald Duck: Langfristige Anleger benötigen kein Glück

Von Peter Lynch stammt das Zitat: "Investoren haben weitaus mehr Geld verloren, indem sie sich auf Korrekturen vorbereiteten oder versuchten, Korrekturen vorherzusehen, als durch die Korrekturen selbst." Lynch, Investmentfondsmanager der 1980er Jahre und Autor des Buches "One up On Wall Street", untermauerte diese These mit einer Studie.

Gegenstand der Studie waren zwei Anleger, die beide über einen Zeitraum von 30 Jahren einmal pro Jahr denselben Betrag in den S&P 500 investierten. Ein Anleger (nennen wir ihn Gustav Gans), erwies sich als Glückspilz. Er investierte in jedem der 30 Jahre just an dem Tag, an dem der Markt den tiefsten Stand des Jahres markierte, kaufte also zu den besten verfügbaren Kursen des Jahres ein. Anders der zweite Anleger (Donald Duck): Er kaufte in jedem der 30 Jahre zum Jahreshöchstkurs.

Das Ergebnis der Studie (die später für andere Zeiträume wiederholt wurde und zu nahezu identischen Ergebnissen gelangte): Gustav Gans erzielte eine durchschnittliche jährliche Rendite von 8,4 %. Donald Duck brachte es auf 7,4 % und damit immer noch ein ansehnliches Ergebnis. Die wichtigste Erkenntnis lautet also: Langfristige Anleger benötigen Geduld und Ausdauer, aber kein Glück.

Investor Woche: Zinssenkung in UK, Zinserhöhung in Japan, sinkende Inflation in USA, KDNS plant IPO, Warner weist Paramount zurück, BMW, BP, Rheinmetall, Trump Media

Fun Fact

Die Weihnachtsrallye gibt es wirklich

Santa Claus bringt Aktionären Glück - rein statistisch jedenfalls. Die sogenannte Santa Claus Rallye oder Weihnachtsrallye beschreibt einen empirischen Kalendereffekt, demzufolge die Kurse in den letzten fünf Handelstagen im Dezember und den ersten beiden Tagen im Januar steigen. Statistiken nennen einen durchschnittlichen Anstieg von 1,3 %. In 76 % der Fälle steigen die Kurse im genannten Zeitraum demnach.

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