
Devisenmarkt: Australischer und Neuseeländischer Dollar werten auf, Yen schwächer
Der Yen gibt nach einer Personalentscheidung der wiedergewählten Ministerpräsidentin deutlich nach. Australischer und Neuseeländischer Dollar sowie Norwegische Krone werten dagegen auf.
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Der Japanische Yen hat in dieser Woche gegen dem US-Dollar wieder deutlich nachgegeben. Am späten Donnerstagabend wurden 156 Yen pro US-Dollar gezahlt: Nach 154 Yen am frühen Montagmorgen.
Ursächlich für den Kursrückgang, vor allem ab Mittwoch, waren zwei Personalentscheidungen der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi für die japanische Zentralbank, die eher dem Lager der Tauben zuzurechnen sind. Mit der jüngsten Kursentwicklung ist die Aufwertung des Yen im Nachgang der japanischen Wahlen nahezu vollständig neutralisiert.
Sorge vor Ende des japanischen Normalisierungswegs
Ayano Sato von der Aoyama Gakuin Universität und Toichiro Asada von der Chuo Universität sprachen sich beide für Konjunkturprogramme und niedrigere Zinssätze aus. Sie könnten Analysten zufolge versuchen, die Strategie des BoJ-Gouverneurs Kazuo Ueda zur Normalisierung (sprich: Straffung) der Geldpolitik infrage zu stellen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die Nominierungen durch das Parlament bestätigt werden.
Die Personalien gelten als substanzieller erster Test für Takaichis Ambitionen im Hinblick auf Eingriffe in die Geldpolitik. Die Ministerin gilt als Anhängerin höherer Inflationsraten. In einem 2021 erschienenen Buch hatte sie jährliche Teuerungsraten von 3 % oder mehr als ideal bezeichnet. An den Märkten wird befürchtet, dass die Regierung die Staatsausgaben ausweitet und dabei Inflationsraten jenseits des Inflationsziels von 2 % billigend in Kauf nehmen könnte.
Dies spiegelt sich auch in der Entwicklung am Bondmarkt wider. Im Februar 2024 lagen die Renditen 10-jähriger japanischer Anleihen noch bei rund 0,7 %. Seitdem haben sich die Renditen auf gut 2,1 % mehr als verdreifacht.
Neuer Zinserhöhungszyklus in Australien
In eine gänzlich andere Richtung tendiert die Währung in Down Under. Der Australische Dollar hat in diesem Jahr gegenüber dem US-Dollar um mehr als 6 % zugelegt und notiert auf einem 3-Jahres-Hoch.
Die Reserve Bank of Australia hat in diesem Monat einen neuen Zinserhöhungszyklus eingeleitet und damit auf die hohe Inflation reagiert. Für das laufende Jahr werden noch ein bis zwei weitere Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte erwartet. Aktuell liegt der Leitzins in Australien bei 3,85 %. Der AUD/USD-Kurs ist charttechnisch aus einem seit März 2021 laufenden Abwärtstrend ausgebrochen.
Die Rendite 10-jähriger australischer Staatsanleihen liegt aktuell bei rund 4,7 %, was im Rückblick allerdings kein außergewöhnlich hohes Niveau darstellt.
NZD und NOK im Aufwind
Auch der Neuseeländische Dollar hat gegen dem US-Dollar zugelegt - seit dem Jahreswechsel um rund 4 %. Marktteilnehmer rechnen damit, dass es in den kommenden Monaten zu ersten Leitzinserhöhungen seit dem Beginn des Zinssenkungszyklus im August 2024 kommen dürfte. Aktuell liegt der Leitzins in Neuseeland bei 2,25 %. Die Rendite 10-jähriger neuseeländischer Staatsanleihen liegt aktuell bei 4,35 % und damit rund 1,2 Prozentpunkten unter dem letzten Hoch aus dem Herbst 2023.
Die norwegische Krone ist eine weitere G10-Währung im Aufwertungsmodus. Wurden zum Jahreswechsel noch rund 10,1 Kronen pro US-Dollar gezahlt, sind es aktuell weniger als 9,6. Der Leitzins in Norwegen liegt aktuell bei 4 %.
Die zuletzt etwas höher als erwartet ausgefallenen Inflationsraten haben die Erwartungen an baldige Zinssenkungen reduziert. Zehnjährige norwegische Staatsanleihen notieren aktuell bei knapp 4,2 % Rendite und haben damit das Hoch aus dem Oktober 2023 knapp übertroffen.