
Investor Woche: Trumps Turnaround, Konjunkturflaute in Deutschland, Apple, Meta, SAP, Argentinischer Peso, Inpex, Tiffany, Arctic Ice
Die Aktienmärkte atmen auf, da Trump bei Zöllen und Powell-Entlassung zurückrudert. Die Bundesregierung sieht die deutsche Wirtschaft im dritten Jahr in Folge in der Stagnation. SAP legt derweil starke Zahlen vor, Meta und Apple wollen sich gegen Millionenstrafen der EU-Kommission wehren.
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Top Meldungen
Die Aktienmärkte zeigten diese Woche klare Erholungstendenzen. Der NASDAQ 100 legte bis Freitagmittag von seinen Tiefs bei 17.600 auf knapp 19.300 Punkte zu, der S&P 500 notierte bei knapp 5.500 Punkten und der Dow Jones knapp über der psychologisch wichtigen Marke von 40.000 Punkten. Zu einer merklichen Stabilisierung kam es im EUR / USD mit Kursen um 1,1350 und bei den 10-jährigen US-Renditen bei 4,3 %: Der Dollar-Crash ist vorerst gestoppt. Der Goldpreis markierte zunächst ein neues Rekordhoch und kratzte kurzzeitig an der Marke von 3.500 USD. Mit dem positiven Stimmungsumschwung am Aktienmarkt gab der Preis bis Freitag jedoch auf 3.300 USD nach.
Trump deutet Kehrtwende bei Powell und Zöllen an, China blockt noch ab
US-Präsident Donald Trump hat in dieser Woche bei zwei Themen spürbar nachgegeben, die den Markt belastet hatten. Zum einen rückte er von einer Entlassung des Fed-Chefs Jerome Powell ab. "Ich würde mir wünschen, dass er bei seiner Idee, die Zinssätze zu senken, etwas aktiver vorgeht … aber nein, ich habe nicht die Absicht, ihn zu entlassen", so Trump gegenüber Journalisten im Weißen Haus.
Der Präsident erklärte zudem, sein Team führe "aktive" Handelsgespräche mit Peking. Diese Äußerung folgte auf Medienberichte, denen zufolge eine deutliche Senkung der Zölle auf Einfuhren aus China erwogen wird – in etwa auf die Hälfte des aktuellen Niveaus von 145 %.
Noch aber gibt es keine Entwarnung: Peking strebt selbst eine aktive Rolle in den anstehenden Verhandlungen an und forderte die USA am Donnerstag als Bedingung für Gespräche auf, "alle einseitigen Zölle aufzuheben". China bestritt zudem, dass derzeit Verhandlungen laufen.
Am Freitagmorgen allerdings kursierten Meldungen, denen zufolge China einigen US-Importen Zollbefreiungen gewährt und zudem erwägt, weitere Zölle aufzuheben. Das chinesische Handelsministerium überprüfe derzeit die Sektoren, die von Pekings 125-prozentigen Zöllen auf US-Waren betroffen seien, berichtete Michael Hart, Präsident der amerikanischen Handelskammer in China. Marktteilnehmer dürften sich für das Wochenende klare Zeichen der Entspannung erhoffen.
Deutsche Konjunkturprognose gesenkt, ifo-Index überrascht positiv
Die Bundesregierung musste als eine ihrer letzten Amtshandlungen die Konjunkturprognose für Deutschland noch einmal senken. Sie erwartet für das laufende Jahr nun eine Stagnation des Bruttoinlandsprodukts. Demnach wird die deutsche Wirtschaft damit das dritte Jahr in Folge nicht wachsen. Im Januar lag die Prognose noch bei 0,30, zuvor bei 1,10.
Anders als die Konjunkturprognose konnte der ifo-Geschäftsklimaindex überraschen – zumindest teilweise. Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland hat sich leicht verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im April auf 86,9 Punkte, nach 86,7 Punkten im März. "Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage positiver. Die Erwartungen trübten sich jedoch ein", heißt es beim ifo-Institut.
EU verhängt Strafen gegen Apple und Meta
Die Europäische Kommission hat Strafen gegen Apple ISIN US0378331005 WKN 865985 und Meta ISIN US30303M1027 WKN A1JWVX verhängt: Aufgrund von Verstößen gegen den Digital Markets Act muss Meta 200 Millionen, Apple 500 Millionen zahlen. Die beiden Unternehmen bezeichneten die Strafen als unfair und kündigten rechtliche Gegenwehr an.
SAP legt gute Zahlen vor
Das DAX-Schwergewicht SAP ISIN DE0007164600 WKN 716460 legte am Dienstag nachbörslich Zahlen für das erste Quartal vor. Das um Sondereffekte bereinigte EBITDA stieg aufgrund wirksamer Einsparungen um 60 % auf 2,46 Mrd. EUR und lag damit deutlich über den Erwartungen der Analysten. Die operative Marge stieg auf 27,2 %. Nach der Bekanntgabe der Zahlen machte die Aktie einen deutlichen Sprung nach oben.
Javier Milei freut sich über stabilen argentinischen Peso
Der argentinische Präsident Javier Milei hat in dieser Woche via X Ökonomen verbal attackiert, die eine deutliche Abwertung des Peso nach der teilweisen Freigabe des Wechselkurses vorausgesagt hatten. Die argentinische Währung wurde seit ihrer teilweisen Freigabe am 14. April unter großen Schwankungen gehandelt, hielt sich jedoch insgesamt stabil und notierte am Donnerstag bei 1.175. Das liegt deutlich über der neuen Untergrenze von 1.400, die die Zentralbank festgelegt hat.
Unter der Lupe
Ist Inpex ein "Buffett-Style"-Geheimtipp aus dem Upstream Öl- und Gassektor?
Ist diese Bewertung schon ein Fall für Warren Buffett, der bekanntlich öfter einen Blick nach Japan wirft?
Inpex ISIN JP3294460005 WKN A0JD4G hat an der japanischen Börse seit dem Hoch am 11. April 2024 rund 30 % an Wert verloren. Inpex ist Japans größtes Öl- und Gasexplorations- und -produktionsunternehmen und betreibt Projekte auf mehreren Kontinenten, wobei der Schwerpunkt auf Offshore-Feldern in Abu Dhabi liegt.
2024 wurden insgesamt 231 Mio. Barrel Öläquivalent produziert, das langfristige erklärte Ziel sind 365 Mio. Barrel pro Jahr, was durch den Ausbau von Ichthys LNG in Südostasien und den Bau des Abadi LNG-Projekts in Indonesien realisiert werden soll. Auch eine Diversifizierung des Portfolios ist geplant: Inpex will 1 Billion JPY in fünf Net Zero-Unternehmen investieren und damit bis 2030 etwa 10 % des operativen Cashflows erzielen.
Die Fundamentaldaten von Inpex sind ausgesprochen solide. Das zukunftsgerichtete KGV liegt bei rund 7,7, das KBV bei unter 0,50. Das Unternehmen ist nur gering verschuldet: Ende 2024 lag das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA bei etwa 0,50.
Die Verschuldung konnte in den letzten Jahren dank stabiler Cashflows reduziert werden, nachdem infolge von Investitionen in der Zeit von 2016 bis 2020 zunächst ein Anstieg erfolgte. Die Schuldentilgung war möglich, obwohl die Dividenden in den vergangenen Jahren deutlich angehoben wurden. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei ca. 4,7 %.
Der Kurs der Inpex Aktie ist seit Anfang April deutlich eingebrochen. Neben dem allgemeinen Abwärtssog spielt dabei auch der teils deutliche Rückgang der Öl- und Gaspreise und die entsprechend deutlich reduzierten Marktprognosen für diese Rohstoffe eine wichtige Rolle.
Morningstar etwa sieht die Mid-Cycle-Preisprognosen für Brent-Rohöl und LNG bei 60 USD pro Barrel bzw. 8,40 USD pro mmBtu ab Mitte 2027 – und hält Inpex dennoch für unterbewertet (etwa 22 % unter dem fairen Wert). Das bedeutet auch: Sollten sich die Öl- und Gaspreise besser entwickeln als gedacht, bestünde zusätzliches Potenzial.
Unser Fazit: Inpex scheint ein günstig bewertetes Upstream Öl- und Gasunternehmen zu sein, das in einer Marktlage, die sinkende Öl- und Gaspreise bereits eingepreist hat, einen Blick wert ist.
Ob Warren Buffett auf Inpex aufmerksam wird, wissen wir natürlich nicht. Dagegen spricht möglicherweise der Umstand, dass das Unternehmen einen großen Teil seines operativen Geschäfts außerhalb Japans betreibt. Aber wer weiß …
Grafik der Woche
Freihandel spaltet die Amerikaner mehr denn je
Einer Studie des Polarization Lab zufolge hat sich die Unterstützung für den Freihandel unter Wählern der US-Demokraten seit Donald Trumps Wahl zum zweiten Mal als US-Präsident im November mehr als verdoppelt. Die Zahl der dem liberalen Lager zugeneigten Amerikaner, die uneingeschränkte Exporte und Importe befürworten, ist einer Umfrage des Instituts zufolge von gut 20 % kurz vor den Wahlen auf mehr als 40 % gestiegen.
Anders die Wähler des konservativen Spektrums: Hier sank die Zustimmung für den Freihandel auf kaum noch mehr als 10 %. Bemerkenswert: Noch im Jahr 2023 lagen die beiden Lager gleichauf. Die Zustimmung der Moderaten bzw. keinem Lager zugeordneten Wähler ist zuletzt ebenfalls angestiegen, liegt aber mit etwa 27 % zwischen den Zustimmungsraten von Liberalen und Konservativen.

Fun Facts
Tiffanys annoncierte gegen Silberspekulanten
In den 1970er Jahren trieben die Brüder Hunt den Silberpreis durch waghalsige Spekulationen in ungeahnte Höhen – bis die Blase am Silver Thursday platzte, worunter der Ruf des Edelmetalls bis heute zu leiden hat. Am 26. März 1980 – einen Tag vor dem Silver Thursday - schaltete der Luxusgüterhersteller Tiffany & Co. eine ganzseitige Anzeige in der New York Times, in der es die Hortung von Silber im Wert von mehreren Milliarden Dollar durch die Hunts als unvereinbar mit den Interessen der Allgemeinheit bezeichnete.
100 USD für sechs Eiswürfel aus Grönland
Arctic Ice, ein zwei Jahre altes Start-up, fängt schwimmende Eisberge in der Größe eines Autos aus einem Fjord im Westen Grönlands ein und macht daraus Eiswürfel. Der Preis für eine Box mit sechs dieser Eiswürfel: 100 USD.

