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Vom Krisenmodus zum UmbauEuropas Gasversorgung zwischen Privatisierung und neuer Eigenförderung

Beim staatlichen deutschen Gasversorger SEFE steht nach der Krisenrettung die Rückkehr in private Hände an. Europas Gasmarkt bleibt zugleich stark importabhängig. In diesem Marktumfeld treibt CanCambria in Ungarn die Entwicklung eines Gasprojekts voran.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 8 min
Titelbild: Pierre Chatel Innocenti / Unsplash

Vier Jahre nach dem Höhepunkt der europäischen Energiekrise zeichnet sich bei einem ihrer prominentesten staatlichen Rettungsfälle der nächste große Schritt ab. Die deutsche Bundesregierung bereitet die Reprivatisierung des Energiekonzerns SEFE (Securing Energy for Europe) vor. Nach Reuters-Informationen arbeitet SEFE dabei mit dem US-amerikanischen Finanzhaus Lazard zusammen. Der Verkaufsprozess könnte 2027 beginnen. Ein Börsengang gilt derzeit allerdings als eher unwahrscheinlich.

SEFE gehört zu den zentralen Akteuren der deutschen Gasversorgung. Der Konzern war 2022 nach dem Rückzug des früheren Eigentümers, des russischen Energiekonzerns Gazprom, mit 6,3 Mrd. Euro staatlich gestützt worden. Heute betreibt SEFE unter anderem rund 4.200 Kilometer Gasleitungen, rund ein Viertel der deutschen Gasspeicherkapazität sowie ein großes Handelsgeschäft. Nach den europäischen Beihilfeauflagen muss Deutschland seine Beteiligung an SEFE allerdings spätestens bis Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie reduzieren.

Vom Rettungsfall zurück in den Markt

Für SEFE beginnt damit eine neue Phase. Die Vorbereitung auf die angestrebte Privatisierung bezeichnet der Konzern inzwischen als zentrales Thema. Zugleich macht seine Strategie deutlich, dass Erdgas und verflüssigtes Erdgas (LNG) trotz des Ausbaus dekarbonisierter Energielösungen auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle für die europäische Versorgung spielen sollen.

Die anstehende Transaktion steht damit für eine Entwicklung, die über den Einzelfall SEFE hinausreicht. Die akute Krisenintervention des Staates kann schrittweise zurückgeführt werden, während die strukturelle Aufgabe bestehen bleibt. Europa hat seine Gasversorgung seit 2022 zwar stark umgebaut, Lieferwege diversifiziert und Speicher sowie LNG-Infrastruktur ausgebaut. Seine Abhängigkeit von externen Quellen ist dadurch jedoch nicht verschwunden.

Europas Gasversorgung bleibt stark importabhängig

2025 verbrauchte die EU nach Angaben der Europäischen Kommission rund 339 Mrd. Kubikmeter Erdgas. Die eigene Förderung lag bei lediglich 33 Mrd. Kubikmetern und deckte damit etwa zehn Prozent des Verbrauchs. Gleichzeitig importierte die EU 289 Mrd. Kubikmeter Gas. Norwegen lieferte davon 89 Mrd. Kubikmeter, die USA 76 Mrd. Kubikmeter. LNG erreichte bereits 45 % der gesamten Gasimporte.

Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, bezifferte die Importabhängigkeit der EU bei Erdgas für 2025 auf 87,6 %. Europa hat sein Lieferantenrisiko damit breiter verteilt, bleibt aber in hohem Maß darauf angewiesen, dass große Gasmengen von außerhalb der Union verfügbar sind.

Russische Gasimporte laufen aus – Importabhängigkeit bleibt

Ein weiterer Umbau ist bereits gesetzlich festgeschrieben. Mit der 2026 verabschiedeten REPowerEU-Verordnung zum schrittweisen Ausstieg aus russischen Gasimporten soll die Einfuhr russischen Erdgases beendet werden. Für bestehende langfristige Verträge gilt das Verbot bei LNG ab dem 1. Januar 2027. Bei Pipelinegas greift es grundsätzlich ab dem 30. September 2027, spätestens ab dem 1. November 2027, falls die vorgesehenen Speicherziele nicht erreicht werden. Der Anteil russischen Gases an den EU-Importen war bereits von rund 45 % im Jahr 2021 auf etwa zwölf Prozent 2025 gefallen.

Diversifizierung bleibt deshalb notwendig. Sie kann über zusätzliche LNG-Bezugsquellen, neue Lieferverträge und Infrastruktur erfolgen. Eine weitere Möglichkeit liegt in Gasressourcen, die innerhalb Europas erschlossen werden.

Ungarn setzt ausdrücklich auch auf eine höhere heimische Förderung. 2024 stieg die Erdgasproduktion des Landes auf rund 1,9 Mrd. Kubikmeter und deckte damit mehr als ein Fünftel des nationalen Verbrauchs. Im ersten Halbjahr 2025 wurden 977 Mio. Kubikmeter gefördert. Gleichzeitig vergab die Regierung neue Kohlenwasserstoff-Konzessionen, unter anderem im Gebiet Kiskunhalas im Süden des Landes.

Kiskunhalas: Gasressource im europäischen Binnenmarkt

In diesem Segment positioniert sich CanCambria Energy ISIN CA13740E1079 WKN A3EKUB. Rund um Kiskunhalas verfügt das kanadische Energieunternehmen über zusammenhängende Projektflächen von rund 1.080 km2. Den größten Teil bildet das 945,9 km2 große Konzessionsgebiet Kiskunhalas (KCA), hinzu kommt die angrenzende Bergbaulizenz Ba-IX. CanCambria ist an beiden Flächen zu 100 % beteiligt. Auf Ba-IX befindet sich das zentrale Tiefengasprojekt, während das Unternehmen innerhalb der KCA zusätzlich mehrere flachere, ölgewichtete Explorationsziele untersucht.

Das Projekt liegt im Pannonischen Becken, einem großen mitteleuropäischen Sedimentbecken mit langer Geschichte der Öl- und Gasexploration. Die Region Kiskunhalas zählt zu den traditionellen ungarischen Fördergebieten. Für die Projektentwicklung sind zudem umfangreiche historische Bohr- und Seismikdaten verfügbar. Für den tieferen Tight-Gas-Bereich – Erdgas in gering durchlässigen Gesteinsformationen – weist eine unabhängige Ressourcenbewertung des kanadischen Reserven- und Ressourcengutachters Chapman Hydrogen and Petroleum Engineering (CHPE) mit Stichtag 30. Juni 2026 571,9 Mrd. Kubikfuß Gas sowie 59,6 Mio. Barrel Kondensat in der Kategorie "2C Contingent Resources – Development Pending" aus. 2C bezeichnet dabei die mittlere Schätzung bereits entdeckter, potenziell förderbarer Ressourcen, deren kommerzielle Entwicklung noch an Bedingungen geknüpft ist. "Development Pending" bedeutet, dass an der Erfüllung dieser Bedingungen aktiv gearbeitet wird.

CHPE errechnete für diese risikogewichtete 2C-Ressourcenkategorie einen NPV10 von 2,04 Mrd. USD. Der NPV10 entspricht dem mit zehn Prozent abgezinsten Barwert der im Entwicklungsmodell geschätzten künftigen Nettoerlöse. Kalkulationsgrundlage ist unter anderem eine langfristige europäische Gaspreisannahme von 12 USD je MMBtu, einer im internationalen Gashandel üblichen Energieeinheit. Für die Risikogewichtung legte CHPE eine 80-prozentige Entwicklungschance zugrunde. Zu den noch offenen Voraussetzungen für die kommerzielle Entwicklung zählen zusätzliche Abgrenzungsbohrungen, ein weiter ausgearbeiteter Entwicklungsplan, die erforderlichen Genehmigungen, die Finanzierung und die unternehmerische Investitionsentscheidung.

Auch infrastrukturell liegt Kiskunhalas günstig. Auf der Ba-IX-Fläche besteht bereits eine Gasleitungsanbindung an den Speicher Zsana. Die KCA liegt zudem nahe an Verarbeitungsanlagen und Pipelinenetzen, die in den ungarischen und europäischen Gasmarkt eingebunden sind.

Von der Partnersuche ins Bohrprogramm

CanCambria steht vor dem entscheidenden Schritt von der Ressource zur kommerziellen Förderung. Für das Kiskunhalas-Tight-Gas-Projekt läuft ein Farm-out-Prozess, bei dem ein strategischer Partner für bis zu 50 Prozent des Projekts gesucht wird. Im Juni 2026 war die technische Projektprüfung durch interessierte Parteien abgeschlossen, während kommerzielle Verhandlungen liefen. In einer Unternehmensmeldung vom 22. September 2026 hielt CanCambria daran fest, den Joint-Venture-Prozess bis Ende 2026 abzuschließen. Der gesuchte Partner soll das anfängliche Bohr- und Entwicklungsprogramm mitfinanzieren.

Der nächste mögliche Projektschritt fällt in eine Phase, in der Europas Gasmarkt weiter neu geordnet wird. SEFE soll wieder mehrheitlich in private Hände übergehen, während die EU russische Gasimporte schrittweise beendet. Obwohl der EU-Gasverbrauch 2025 noch unter dem Niveau von 2022 lag, blieb die Importabhängigkeit mit 87,6 % hoch.

Bei CanCambria ist der laufende Joint-Venture-Prozess nun der nächste konkrete Meilenstein. Gelingt der angestrebte Abschluss bis Ende 2026, sollen Anfang 2027 die ersten Entwicklungsbohrungen folgen. Das aktuelle Entwicklungsmodell sieht erstes Gas ab Mitte 2027 vor. Damit könnte Kiskunhalas von der Ressourcenbewertung in die operative Entwicklungsphase übergehen, während Europa seine Gasbezugsquellen weiter neu ordnet.