
Investor Woche: SpaceX IPO auch für deutsche Anleger, Anthropic kündigt Börsengang an, Alphabet beschafft sich 80 Mrd. USD, Broadcom unter Druck, Gunnison Copper und PTX Metals starten Bohrungen
SpaceX plant ein IPO zum Festpreis, der Broker Trade Republic wird zum deutschen Vertriebspartner für den Börsengang. Anthropic will im Herbst auf das Parkett. Unicredit könnte die HV-Mehrheit an der Commerzbank bereits sicher haben. Broadcom enttäuscht beim Ausblick. PTX Metals und Gunnison Copper starten Bohrprogramme. Der Dividendenaristokrat Clorox bietet 5,5 % Dividendenrendite und ein KGV von 13.
Lesezeit 9 min
Marktentwicklung
Der NASDAQ-100 lag am Freitagnachmittag gegenüber der Eröffnung am Montag um 1,4 % im Minus, der S&P 500 gab 0,8 % nach. Beim DAX summierte sich das Minus auf 1 %. Gold, Silber und Bitcoin gerieten unter Druck.
Top-Meldungen
US-Arbeitsmarkt stabil
Laut dem Bericht des Arbeitsmarktdienstleisters Automatic Data Processing (ADP) entstanden im Mai im Privatsektor 122.000 neue Jobs. Vorausgesagt hatten Bankvolkswirte einen Wert im Bereich von 110.000. Der Stellenaufbau erfolgte zudem in mehr Branchen als zuletzt. Der Bericht des Arbeitsministeriums sah 172.000 neue Stellen, wobei 80.000 erwartet worden waren. Für den neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh verkompliziert sich damit die Situation rund zwei Wochen vor seiner ersten geldpolitischen Sitzung.
Anthropic konkretisiert IPO
Anthropic hat einen Antrag für einen Börsengang eingereicht. Details zum Volumen oder den Bedingungen der Erstnotierung wurden zunächst nicht genannt. Ende Mai hatte sich Anthropic in einer Finanzierungsrunde 65 Mrd. USD gesichert, was die Bewertung auf 965 Mrd. USD hochschraubte. Wetten auf die Marktkapitalisierung des Unternehmens am Ende des ersten Handelstages, der im Oktober stattfinden könnte, liegen bei rund 1,8 Billionen USD.
Alphabet mit 80 Mrd. USD Kapitalerhöhung – 10 Mrd. von Berkshire
Alphabet (ISIN: US02079K3059, WKN: A14Y6F) hat die Ausgabe von Aktien im Wert von 80 Mrd. USD angekündigt, um KI-Investitionen zu finanzieren. 10 Mrd. USD dieser Summe werden durch Berkshire Hathaway (ISIN: US0846707026, WKN: A0YJQ2) abgedeckt, das seine Position dort damit spürbar ausbaut. Das Unternehmen rechnet im Jahr 2026 mit Investitionsausgaben von bis zu 190 Mrd. US-Dollar und geht davon aus, dass diese im nächsten Jahr für die KI-Infrastruktur deutlich steigen werden.
SpaceX bietet Aktien zum Festpreis an – Zugang auch für deutsche Anleger?
SpaceX bietet 555,6 Millionen Aktien zu einem Festbetrag von 135 USD je Stück an. Damit würde das Unternehmen 75 Mrd. USD erlösen und eine Bewertung von 1,75 Billionen USD erreichen.
Die Platzierung zu einem Festpreis ohne Spanne ist ungewöhnlich – was allerdings auch auf andere Aspekte zutrifft, wie den 30 % Anteil an der Emission, der für Kleinanleger reserviert wurde, und die Sonderstimmrechte, die Elon Musk langfristig die Kontrolle garantieren.
Deutsche Anleger können möglicherweise über den Broker Trade Republic an dem IPO teilnehmen. Der Broker teilte in einer Mail an Kunden diese Woche mit: "Trade Republic wurde als Vertriebspartner für Privatanleger beim geplanten Börsengang von SpaceX bestätigt. Weitere Informationen folgen in den nächsten Tagen." Wetten auf den Kurs der SpaceX-Aktie am Ende des ersten Handelstages liegen bei gut 2,1 Billionen USD und waren damit in den vergangenen Tagen leicht rückläufig.
Unicredit vor Mehrheit an Commerzbank
Unicredit (ISIN: IT0005239360, WKN: A2DJV6) hat den direkten Anteil an der Commerzbank (ISIN: DE000CBK1001, WKN: CBK100) mit ihrem Übernahmeangebot bereits zwei Wochen vor dessen Ablauf auf 34,35 % ausgebaut. Dies teilte die Bank am Dienstag mit. Über Derivate-Positionen könnte der Anteil Medienberichten zufolge auf 50,8 % steigen. Die Commerzbank bestreitet dies und bezweifelt, dass für den Ausgleich der Swaps genügend Aktien am Markt verfügbar sind.
Broadcom-Aktie nach schwachem Ausblick unter Druck
Die Broadcom (ISIN: US11135F1012, WKN: A2JG9Z) Aktie ging auf Talfahrt. Das Unternehmen hatte für das laufende Quartal einen Umsatz von 29,4 Milliarden US-Dollar prognostiziert und damit zumindest die Erwartungen am oberen Ende verfehlt. "Die Umsatzprognose für KI fiel etwas zu niedrig aus", sagte Melissa Otto, Forschungsleiterin bei Visible Alpha. "Ich vermute, dies war der Auslöser für den Kursrückgang nach Börsenschluss."
PTX Metals startet Bohrungen bei Shining Tree
PTX Metals (ISIN: CA69380V2057, WKN: A40KHN) hat Bohrungen im Zielgebiet Ronda auf dem Projekt Shining Tree in Ontario gestartet. Das Phase-1-Programm umfasst ca. 1.250 Meter in sechs Diamantbohrungen, die das Ronda-Zielgebiet in der Tiefe und entlang des Streichens untersuchen sollen.
"Das Ronda-Zielgebiet stellt eine der vielversprechendsten kurzfristigen Chancen innerhalb unseres Shining-Tree-Portfolios dar", sagte Greg Ferron, Präsident und CEO von PTX Metals. "Dieses Programm dient dazu, die Kontinuität der hochgradigen Mineralisierung zu prüfen und gleichzeitig unser Verständnis eines breiter angelegten mineralisierten Korridors in einem der aussichtsreichsten Golddistrikte Ontarios weiter zu vertiefen."
Gunnison Copper startet 42.000-Meter-Bohrprogramm bei Gunnison
Gunnison Copper (ISIN: CA4028801088, WKN: A40TP4) hat noch für diesen Monat den Beginn eines Bohrprogramms auf dem Gunnison-Kupferprojekt in Arizona angekündigt. Das Programm umfasst bis zu 120 Bohrungen mit einer Gesamtlänge von ca. 42.000 Metern und dient der Unterstützung der laufenden Vorstudie (Pre-Feasibility Study, PFS), der Ressourcenerweiterung, der metallurgischen Optimierung und der Ressourcenumwandlung.
Unter der Lupe
Clorox: Dividendenaristokrat mit 5,5 % Dividendenrendite und Forward-KGV von 13
Eine Dividendenrendite von 5,5 % und ein Forward-KGV von 13, dazu ein Short Interest von fast 8 %: Vieles spricht dafür, dass die Aktie des in Oakland ansässigen Dividendenaristokraten Clorox (ISIN: US1890541097, WKN: 856678) derzeit günstig bewertet ist.
Das Markenportfolio umfasst neben Clorox auch Liquid-Plumr, Pine-Sol, SOS, Tilex, Kingsford, Fresh Step, Glad, Hidden Valley, KC Masterpiece, Brita und Burt's Bees. Das Sortiment beinhaltet Reinigungs- und Waschmittel, Naturkosmetik, Wasserfilter, Katzenstreu und einiges mehr. CEO Linde Rendle gab Ende Mai aus gesundheitlichen Gründen ihren Rücktritt bekannt, ein Nachfolger wird gesucht.
Morningstar sieht den fairen Wert der Aktie bei 163 USD. Der aktuelle Kurs: 90 USD. Analystin Susan Dziubinski zählt das Unternehmen "zu den fünf besten Dividendenaristokraten, die man 2026 kaufen sollte". Sie verweist auf das erwartete Dividendenwachstum im mittleren einstelligen Bereich für die nächsten zehn Jahre.
Analystin Erin Lash erwartet ein jährliches Umsatzwachstum von 3–4 % bei operativen Margen im hohen zweistelligen Bereich. "Unserer Ansicht nach reagiert der Markt aufgrund der Schwankungen in den Clorox-Ergebnissen der letzten Jahre skeptisch. Wir sehen hingegen Chancen für ein gesteigertes Umsatzwachstum, das sich aus der langfristigen Investitionsausrichtung des Unternehmens ergibt."
Charttechnisch sieht es weniger gut aus: Seitdem der fast zwei Dekaden lange Aufwärtstrend im Jahr 2020 gebrochen wurde, fällt die Aktie.
Die durch das Wall Street Journal befragten Analysten erwarten für 2027 einen leichten Anstieg des Gewinns auf 6,95 USD, rechnen für 2028 aber wieder mit einem leichten Rückgang. Das Kursziel setzen diese Analysten im Median bei 97 USD an und schließen sich damit der bullishen Sichtweise von Morningstar nicht an.
Grafik der Woche
USA investieren mehr in Rechenzentren als in verkehrsbezogene Bauwerke
Am Bond- und Aktienmarkt sind die gewaltigen Investitionen in KI-Infrastruktur bereits länger ein Thema: Die Frage nach der Absorptionsfähigkeit stellt sich längst. Das US Census Bureau veröffentlichte nun weitere Daten, die aufhorchen lassen. So entfallen mittlerweile 2,3 % aller Bauausgaben in den USA auf Rechenzentren. Erstmals überstiegen die privaten Investitionen in Rechenzentren auch die öffentlichen Ausgaben für verkehrsbezogene Bauwerke wie Flughäfen, Hafenterminals und den öffentlichen Nahverkehr. Daten der Behörde zeigen zudem, dass der Import von Investitionsgütern, darunter Halbleiter und Hardware, im April um 40 % höher lag als ein Jahr zuvor.

Fun Fact
273 Lotto-Millionen – und Ehegattenunterhalt obendrauf
Im März 2019 gewann Mike Weirsky aus New Jersey in der Mega Millions-Lotterie 273 Mio. USD. Der Gewinn ereignete sich nur fünf Monate nach der rechtskräftigen Scheidung von seiner Ehefrau Eileen Murray, mit der er 15 Jahre verheiratet war. Während der Ehe war seine Frau Hauptverdienerin, während Weirsky lange arbeitslos war. Im Zuge der Scheidung wurde seine Frau gerichtlich zu fünf Jahren Ehegattenunterhalt verpflichtet – den sie fortan an einen der reichsten Menschen des Landes zahlen musste. Fast wäre Weirsky im Übrigen weiter auf den Unterhalt angewiesen gewesen: Er hatte den Lottoschein auf dem Tresen eines Kiosks vergessen, erhielt ihn jedoch durch einen ehrlichen Finder zurück.



