
Private Markets: ETFs investieren längst in SpaceX und Co: SEC-Regeln werden gedehnt
Mehrere US-ETFs investieren in SpaceX, Anthropic und andere private Unternehmen, indem SEC-Regeln bewusst gedehnt werden. Bislang ist der Gegenwind durch die Behörde überschaubar.
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SpaceX, OpenAI, Anthropic: Namen wie diese stehen für kapitalstarke Unternehmen, deren Börsengang durch viele Privatanleger erwartet wird. Vor dem IPO ist der Einstieg nur über spezialisierte Plattformen möglich, die z.B. den Erwerb von Beständen aus Mitarbeiterprogrammen ermöglichen. Der Zugang ist auf akkreditierte Investoren begrenzt.
Mehrere US-ETFs sind SpaceX und Co. investiert
Mehrere US-ETFs gehen einen anderen Weg - und investieren einfach jetzt schon in die begehrten Unternehmen. Der KraneShares Artificial Intelligence & Technology ETF etwa investiert laut eigener Darstellung sowohl in börsennotierte als auch in private KI- und Technologieunternehmen vor dem Börsengang. Unter den Top-10-Positionen im Portfolio finden sich auch SpaceX und Anthropic.
Der Baron First Principles ETF investiert in Unternehmen mit signifikantem Wachstumspotenzial, nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen und herausragenden Managementteams. "Die Investitionen werden zu Bewertungen erworben, die wir aufgrund ihres langfristigen inneren Wertes für attraktiv halten", heißt es in der Eigendarstellung des Fonds. SpaceX war Stand 31. März mit einem zweistelligen Prozentsatz im Portfolio gewichtet, wenn A- und C-Aktien des Unternehmens zusammengezählt werden.
Auch der XOVR Private-Public Crossover ETF investiert in private Aktien. Die Fondsgesellschaft verspricht eine "Demokratisierung des Zugangs von Privatanlegern zu Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen über einen einzigen ETF" und "institutionellen Zugang zum Pre-IPO-Markt ohne Aufschläge für geschlossene Fonds, Sperrfristen oder Intervallfonds-Beschränkungen." Eine über ein SPV realisierte Beteiligung an SpaceX machte hier am 31. März fast 45 % des Portfolios aus.
Bislang kaum Widerstand aus der SEC
Wie sind diese Engagements mit den SEC-Regeln für ETFs vereinbar? Die Regulierung schreibt eigentlich vor, dass Fonds maximal 15 % ihres Portfolios in sogenannten illiquiden Wertpapieren halten dürfen. Es geht um ein regulatorisches Detail: Baron Capital vertritt die Ansicht, dass SpaceX-Aktien nicht der 15-Prozent-Regel der SEC unterliegen, da die Aktie "weniger liquide" und nicht "illiquide" sei. Wertpapiere der Kategorie "weniger liquide" müssen Fonds innerhalb von maximal sieben Tagen veräußern können, ohne signifikant auf den Marktpreis einzuwirken.
"Wir sehen, dass ETFs die Grenzen der SEC-Regeln ausreizen", sagte Bryan Armour, Leiter der Abteilung für passive Anlagestrategien in Nordamerika bei Morningstar. Und: "Wir sehen keinerlei Widerstand seitens der SEC, daher ist es nicht unvernünftig zu erwarten, dass weitere ETFs die Grenzen des Machbaren ausloten werden." Es sei "nicht klar, inwiefern die SEC an dieses Thema herangeht oder ob Fondsgesellschaften einfach feststellen, dass die Bereitschaft zur Durchsetzung von Regeln nicht mehr so groß ist, wie einst angenommen."
Gewicht im ETF-Portfolio kann stark schwanken
Die Fonds erwerben die Anteile an privaten Aktien im Sekundärhandel. Dieser unterliegt nicht selten Beschränkungen. So kann z.B. die Zustimmung des Unternehmens zum Kauf oder Verkauf von Anteilen notwendig sein. Zudem kann es Vorkaufsrechte und Sperrfristen geben.
Aus diesen Einschränkungen ergibt sich für Anleger ein sehr praktisches Problem: Das Gewicht der privaten Aktien im Portfolio kann stark schwanken. Hält ein ETF z.B. 20 % seines AUM in SpaceX und kommt es daraufhin zu hohen Mittelzuflüssen, kann der Anteil an dem Unternehmen möglicherweise nicht oder nicht proportional aufgestockt werden. Bei Mittelabflüssen werden Fondsmanager dagegen Wertpapiere aus dem liquiden Teil des Portfolios veräußern, wodurch das Gewicht der privaten Aktien steigen kann.