
Investor Woche: Rio Tinto und Glencore in Fusionsgesprächen, Merck will Revolution Medicines kaufen, Chinas Automarkt stottert, Anta Sports bietet für Puma, Rheinmetall legt stark zu
Rio Tinto und Glencore nehmen die Gespräche über eine Fusion wieder auf und könnten den weltweit größten Bergbaukonzern gründen. Die deutschen Exporte stottern ebenso wie der chinesische Automarkt, während der US-Arbeitsmarkt sich zu erholen scheint. Anta Sports bietet für Puma, Merck Co. vielleicht für Revolution Medicines - und Zalando schließt ein Zentrum in Erfurt. Rohstoffe waren 2025 die großen Gewinner.
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Marktentwicklung
Die erste volle Handelswoche des Jahres verlief relativ ruhig. NASDAQ-100 und S&P 500 konnten leicht, der DAX sogar etwas stärker zulegen. Der Dollar gewinnt etwas an Stärke und notiert bei 1,16. Gold und Silber verbleiben vorerst in ihren kurzfristigen Konsolidierungszonen.
Top Meldungen
Deutsche Exporte sinken im November um 2,5 %
Die deutschen Exporte sind im November um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf 128,1 Mrd. EUR geschrumpft, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der stärkste Rückgang seit Mai 2024 kommt unerwartet: Ökonomen hatten mit einer Stagnation der Ausfuhren gerechnet. Sowohl in den USA als auch in Europa liefen die Geschäfte schlecht.
US-Arbeitsmarkt erholt sich leicht
Der US-Arbeitsmarkt zeigte im Dezember Anzeichen einer Erholung. Wie derArbeitsmarktdienstleister Automatic Data Processing (ADP) berichtete, entstanden im Dezember im Privatsektor 41.000 neue Stellen. Auch die Löhne legten zu: Um 4,8 % bei Arbeitnehmern ohne Jobwechsel.
Chinas Autoverkäufe sinken um 14 %
Der chinesische Pkw-Absatz sank im Dezember im Vergleich zum Vorjahr um 14 % auf 2,26 Millionen Einheiten, wie der chinesische Pkw-Verband am Freitag mitteilte. Gegenüber November stieg der Absatz um 1,6 %. Im Gesamtjahr stieg der Absatz von Pkw im chinesischen Einzelhandel um 3,8 % auf 23,7 Millionen Einheiten.
Rio Tinto und Glencore erwägen Fusion
Rio Tinto (ISIN: GB0007188757, WKN: 852147) und Glencore (ISIN: JE00B4T3BW64, WKN: A1JAGV) verhandeln über einen Zusammenschluss zur Gründung des weltgrößten Bergbaukonzerns. Dabei würde Rio Tinto Glencore im Wege eines Aktientauschs übernehmen. Die beiden Unternehmen hatten einen solchen Schritt bereits vor rund einem Jahr erwogen, die Gespräche dann aber eingestellt.
Merck Co. erwägt Übernahme von Revolution Medicines
Der US-Pharmakonzern Merck & Co (ISIN: US58933Y1055, WKN: A0YD8Q) will Medienberichten zufolge den Krebsmittelspezialisten Revolution Medicines (ISIN: US76155X1000, WKN: A2PYWG) übernehmen. Laut FT steht ein Kaufpreis von 28-32 Mrd. USD im Raum. Eine Einigung ist aber noch nicht sicher: Auch andere Pharmakonzerne zeigen Interesse an Revolution.
Anta Sports bietet 40 EUR pro Puma-Aktie
Der chinesische Sportartikelhersteller Anta Sports Products (ISIN: KYG040111059, WKN: A0MVDZ) bietet laut Medienberichten für den Anteil der französischen Familie Pinault an Puma (ISIN: DE0006969603, WKN: 696960). Im Raum stehen offenbar 40 EUR pro Aktie. Möglicherweise zu wenig: Den Berichten nach wurde die Offerte bereits vor Wochen vorgelegt. Die Pinault-Holding Artemis hat offenbar noch nicht reagiert.
Zalando schließt Logistikzentrum in Erfurt
Zalando (ISIN: DE000ZAL1111, WKN: ZAL111) schließt bis Ende September das Logistikzentrum in Erfurt, das seit 2012 betrieben wird. Der Schritt erfolgt im Rahmen der Neuordnung des Logistiknetzes nach der Übernahme des Wettbewerbers About You. Die Erfurter Kapazitäten sollen durch die bestehenden Zentren in Mönchengladbach und Lahr und das im Bau befindliche Zentrum in Gießen abgedeckt werden.
Saudischer Chemiekonzern Sabic verkauft Anlagen in Europa
Der größte saudische Chemiekonzern Sabic verkauft seine Anlagen in Europa. Das Petrochemiegeschäft geht an die Münchener Industrieholding Aequita, die dafür 500 Mio. USD auf den Tisch legt. Mutares übernimmt das Sabic-Geschäft mit Hochleistungskunststoffen in Europa und den USA für 450 Mio. USD.
Unter der Lupe
Rheinmetall steigt um 27 % und bleibt Liebling der Analysten
Die Aktie von Rheinmetall (ISIN: DE0007030009, WKN: 703000) steht bei Analysten weiterhin hoch im Kurs. 14 der durch das Wall Street Journal befragten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf (bei 4x overweight und 3x hold). Das Kursziel liegt im Median bei 2.215 EUR und damit gut 18 % über dem aktuellen Kurs. Die Wall Street erwartet einen deutlichen Anstieg des Gewinns pro Aktie von 42,74 EUR in diesem auf 63,29 EUR im kommenden Jahr.
Günstig bewertet ist Rheinmetall auf dem gegenwärtigen Niveau nicht: Das KBV liegt laut Daten von Morningstar bei knapp 18 und damit weit über dem 5-Jahres-Durchschnitt von knapp 4. Das zukunftsgerichtete KGV gibt Morningstar mit 48 an, die Dividendenrendite liegt unter 0,5 %.
Die Bewertung hat die Käufer in den vergangenen Wochen jedoch nicht abgehalten. Wenige Tage vor dem Jahreswechsel notierte die Aktie noch bei 1.469 EUR - seitdem ist der Kurs um 27 % gestiegen. Damit wurde ein zwischenzeitlicher Kursrückgang ausgeglichen, der durch die Friedensgespräche in der Ukraine ausgelöst worden war. Analysten verweisen auf die Ausgabenverpflichtung der Nato, die unabhängig vom Krieg in der Ukraine für volle Auftragsbücher sorgt.
Technisch läuft die Rheinmetall-Aktie auf spannendes Terrain zu: Das obere Ende der seit dem vergangenen Frühjahr laufenden Konsolidierung liegt bei gut 2.000 EUR. Dort wartet das Hoch vom September als charttechnischer Widerstand. Gelingt es, diesen zu überschreiten, wäre der Weg nach oben frei.
Chart der Woche
Edelmetalle lassen die Aktienmärkte alt aussehen
Wer das Jahr 2025 an der Börse noch einmal starten dürfte, würde sich wohl für Edelmetalle entscheiden: Keine andere Anlageklasse erzielte eine so starke Performance.
Der auf Rohstoffe spezialisierte Vermögensverwalter Sprott schwärmt geradezu: "Gold legte um 64,58 % zu und bestätigte damit seine Rolle als wichtiger Diversifikator für Portfolios. Silber stieg um 147,95 % und Platin um 127,04 % und übertraf damit traditionelle Anlageklassen deutlich. Palladium trug mit einem Plus von 77,51 % ebenfalls zur positiven Entwicklung bei."
Zum Vergleich: Der S&P 500 Total Return Index gewann 17,88 % und Anleihen erzielten eine Rendite von 7,30 %.
Die Gretchenfrage für alle Anleger ohne Zeitmaschine: Wie geht es weiter? Für Gold sind die meisten Analysten optimistisch, weil die Nachfrage nach Zentralbanken und die Aufstockung des Anteils in privaten Portfolios als Kurstreiber bestehen bleiben.
Bei Silber gehen die Meinungen weiter auseinander: Manche sehen das Metall vor einer grundsätzlichen Neubewertung, andere warnen vor einer Wiederholung der Muster von 1980 und 2011. Goldman Sachs warnt vor starker Volatilität vor lokalen physischen Verknappungen auf dem Silbermarkt - bedingt durch die Verschiffung von Barren in die USA. "Die Turbulenzen sind weniger auf eine weltweite Verknappung von Silber zurückzuführen als vielmehr darauf, wo das Metall physisch gelagert wird", schrieben die Goldman-Analysten Lina Thomas und Daan Struyven in einer Mitteilung vom Mittwoch.
Geringere Lagerbestände haben demnach Bedingungen geschaffen, unter denen es zu Engpässen kommen kann. "In solchen Phasen beschleunigen sich Kursaufschwünge, wenn Investoren das verbleibende Metall in den Londoner Tresoren aufkaufen, und drehen sich anschließend abrupt, sobald sich die Knappheit wieder entspannt", heißt es weiter.

Fun Fact
70 % der Erben wechseln sofort den Finanzberater
Die sogenannten "Babyboomer" vererben Billionen an die Gen Z und Millennials. Das Problem für traditionelle Berater: Rund 70 % der Erben wechseln sofort den Finanzberater ihrer Eltern, weil sie anders investieren als der Erblasser. Cora Kaczmarek, Sales Executive von Vanguard verwies dazu in einem Interview auf eine hauseigene Untersuchung: "Laut unserer Studie wechseln 70 Prozent der erbenden Ehefrauen und 87 Prozent der Kinder umgehend den Berater nach dem Erbfall."

