
Investor Woche: Fed-Zinssenkung unsicher, Chinas Exporte boomen, Klöckner vor Übernahme, Porsche verkauft 21 % weniger Autos, Rekordgewinn bei TSMC, Arctic Minerals findet Anomalien bei Hennes Bay
Zwei regionale Fed-Präsidenten sehen keinen Bedarf für Zinssenkungen. Chinas Außenhandel boomt. Klöckner steht vor der Übernahme durch Worthington, Boston Scientific kauft Penumbra, Mitsubishi kauft einen US-Gasproduzenten, Blackrock meldet 14 Billionen AUM und Arctic Minerals entdeckt neue Anomalien bei Hennes Bay.
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Marktentwicklung
Die wichtigsten Indizes notieren überwiegend seitwärts, der EUR/USD wertet leicht auf, Gold bleibt auf Rekordkurs, Silber ist volatil und Bitcoin gewinnt wieder an Stärke.
Top Meldungen
Inflation in Deutschland sinkt auf 1,8 %, BIP steigt um 0,2 %
Die deutsche Wirtschaft ist 2025 laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) nach zwei Jahren der Schrumpfung um 0,2 % gewachsen. Das BIP liegt allerdings nur 0,20 % über dem Niveau des Jahres 2019. Das Wachstum ist vor allem auf die gestiegenen privaten und öffentlichen Konsumausgaben zurückzuführen, während der Export unter Druck geriet.
Die Inflationsrate ist derweil im Dezember auf 1,8 % gesunken - nach jeweils 2,3% im Oktober und November. Einen niedrigeren Wert gab es zuletzt im September 2024 mit 1,6%. Im Gesamtjahr lag die Teuerung mit 2,2 % auf dem Niveau des Vorjahres.
Zwei regionale Fed-Präsidenten gegen baldige Zinssenkung
Steht in den USA eine längere Zinspause an? John Williams, Präsident der Fed New York, sieht das Zinsniveau "gut positioniert", um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren und die Inflation mittelfristig auf den Zielwert von 2 % zu senken. Alberto Musalem, Präsident der Fed St. Louis, äußerte sich ähnlich: "Es gibt keinen Bedarf an einer zeitnahen Zinssenkung."
Chinas Außenhandel auf Rekordhoch
Chinas Außenhandel boomt allen Zöllen zum Trotz. Laut Daten des chinesischen Zolls stiegen die Exporte 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 % auf 3,8 Billionen USD. Die Importe betrugen unverändert rund 2,6 Billionen USD, womit der Handelsüberschuss auf einen Rekordwert von knapp 1,2 Billionen USD anstieg.
Klöckner vor Übernahme durch Worthington Steel
Der deutsche Stahl- und Metallverarbeiter Klöckner & Co (ISIN: DE000KC01000, WKN: KC0100) steht vor der Übernahme durch den US-Konkurrenten Worthington Steel (ISIN: US9821041012, WKN: A3EYZG). Wie Klöckner mitteilte, einigten sich beide Unternehmen auf einen Kaufpreis von 11 EUR pro Aktie. Der Wert der Transaktion beläuft sich insgesamt auf 2,1 Mrd. EUR. Vorstand, Aufsichtsrat und Großaktionär Friedhelm Loh unterstützen das Angebot.
Boston Scientific kauft Penumbra für 15 Mrd. USD
Boston Scientific (ISIN: US1011371077, WKN: 884113) hat die Übernahme des Thrombektomie-Unternehmens Penumbra (ISIN: US70975L1070, WKN: A14Y65) für rund 15 Milliarden Dollar in bar und Aktien vereinbart. Penumbra wird dabei mit 374 US-Dollar pro Aktie bewertet, was einem Aufschlag von 19 % auf den Schlusskurs vom Mittwoch entspricht. Die Zahlung soll zu 73 % in Cash und zu 27 % in Aktien erfolgen.
Blackrock steigert Assets auf 14 Billionen USD
Blackrock (ISIN: US09290D1019, WKN: A40PW4) verwaltet erstmals Vermögen von mehr als 14 Mrd. USD. Der Nettozufluss von Kundengeldern belief sich auf 342 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen. Das verwaltete Vermögen im Bereich alternativer Anlagen stieg von 290,6 auf 423,6 Mrd. USD.
Mitsubishi kauft US-Gasproduzenten für 7.5 Mrd. USD
Mitsubishi (ISIN: JP3898400001, WKN: 857124) kauft mit Aethon den größten US-amerikanischen Schiefergasproduzenten in Privatbesitz für 7,5 Mrd. USD. Aethon fördert im Haynesville-Becken in Texas und Louisiana 2,1 Milliarden Kubikfuß Erdgas pro Tag. "Aufgrund der rasanten Entwicklung von KI und einer datengetriebenen Gesellschaft wird ein beschleunigter Anstieg des globalen Energiebedarfs erwartet", erklärte das Unternehmen.
Porsche verkauft im vierten Quartal 21 % weniger Autos
Porsche (ISIN: DE000PAG9113, WKN: PAG911)meldete für das vergangene Jahr einen Rückgang der Auslieferungen um 10 % auf 279.449 Fahrzeuge. Im Jahresschlussquartal 2025 sank der weltweite Absatz sogar um 21 % auf 66.940 Autos. Bis auf Nordamerika verzeichnete Porsche in allen anderen Regionen der Welt Rückgänge. In Nordamerika stagnierte das Geschäft 2025 bei 85.229 Fahrzeugen.
TSMC meldet Rekordgewinn
Das Nettoergebnis von TSMC (ISIN: US8740391003, WKN: 909800) sprang im vierten Quartal um 35 % auf 16 Mrd. USD und lag damit über den Erwartungen. Für 2026 rechnet der Konzern mit einem Umsatzwachstum von fast 30 %. Die Investitionen sollen um 37 % auf 56 Mrd. USD steigen.
Arctic Minerals identifiziert neue Anomalien bei Hennes Bay
Arctic Minerals (ISIN: SE0024172779, WKN: A411LJ) hat im Rahmen einer "äußerst erfolgreichen" geophysikalischen Kampagne beim Kupfer-Silber-Projekt Hennes Bay in Schweden sieben neue vorrangige Ziele identifiziert. Dazu gehören Erweiterungen bekannter Explorationsgebiete sowie neue Anomalien in Oberflächennähe und in der Tiefe. Regisseur Peter George kommentierte: "Nach der ersten Veröffentlichung der 55-Mt-MRE im März 2025 und der positiven konzeptionellen Untertagestudie im September 2025 hat diese geophysikalische Datenmodellierung erneut das enorme Aufwärtspotenzial unseres Vorzeigeprojekts unterstrichen."
Unter der Lupe
Was bedeutet Apples Entscheidung für Gemini für Anleger?
Apple (ISIN: US0378331005, WKN: 865985) machte in dieser Woche mit einer strategischen Entscheidung Schlagzeilen: Eine mehrjährige Vereinbarung zur Nutzung von Googles Gemini-Modellen für iPhone-Funktionen und für den nächsten Siri-Sprachassistenten, der 2026 erwartet wird und personalisierter sein soll als bisherige Versionen. Analysten schätzen den als Cloud-Computing-Vertrag gestalteten Deal auf 5 Mrd. USD.
Wichtiger jedoch: Die Vereinbarung belegt die im Vergleich zur Tech-Konkurrenz zurückhaltenden KI-Investitionen. Zwar hatte CEO Tim Cook im Oktober eine deutliche Erhöhung dieser Investitionen angekündigt. In den letzten fünf Jahren lagen Apples Investitionen in physische Infrastruktur jedoch nur bei rund 3 % des Umsatzes.
Der Aktienkurs hat auf die Ankündigung kaum reagiert. Analysten äußerten sich dagegen positiv. William Kerwin von Morningstar etwa begrüßt "Apples Entscheidung für Partnerschaften, anstatt generative KI-Modelle von Grund auf selbst zu entwickeln." Apple hatte bisher Schwierigkeiten, eigene KI-Tools zu entwickeln, und Siris Fähigkeiten hinken denen anderer Anbieter deutlich hinterher.
Apples Stärke, sagt Kerwin, liege in der Entwicklung von Softwareanwendungen und nicht in der Entwicklung bahnbrechender Modelle. Kerwin zufolge sollte Apple "auf einem bewährten Modell wie Gemini aufbauen, um überzeugende Funktionen zu realisieren." Die aktuelle Bewertung sieht er als fair an. "Um eine höhere Bewertung zu erzielen, müsste Gemini einen Hardware-Aktualisierungszyklus für das iPhone anstoßen."
Sollte Gemini das seit 2024 in "Apple Intelligence"-Funktionen für Mobilgeräte integrierte ChatGPT hinsichtlich Genauigkeit, Kontext und Aufgabenerfüllung deutlich übertreffen, könnte sich das Potenzial für einen solchen Zyklus allerdings eröffnen. Von den rund 1,5 Mrd. iPhones dürften etwa die Hälfte nicht mit Apple Intelligence kompatibel sein. Aus der anderen Hälfte ergibt sich das Potenzial für Hardwareaktualisierungen durch die Kunden.
Die Apple Aktie hatte ihr letztes Hoch Mitte Dezember bei 287,40 USD markiert, danach aber eine Korrektur auf zuletzt 258 USD eingeschlagen. Der seit April laufende Aufwärtstrend mit Tiefs im April und im August ist jedoch weiterhin intakt. 22 durch das Wall Street Journal befragte Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf (bei 7x overweight, 17x hold, 2x underweight und 2x sell).
Der Deal zwischen Alphabet (ISIN: US02079K1079, WKN: A14Y6H) und Apple erinnert an eine frühere Vereinbarung der beiden Unternehmen: Vor zwei Jahrzehnten wurde Google zur Standardsuchmaschine auf Apple-Endgeräten. Apple erhielt dafür im Gegenzug einen Teil der Werbeeinnahmen und nahm so 20 Mrd. USD pro Jahr ein.
Die Entscheidung für Gemini - und gegen ChatGPT - ist ein Stück weit brisant, weil OpenAI sich zum Ziel gesetzt hat, in den Markt für Endgeräte einzusteigen. So wurde der frühere Apple-Chefdesigner Jony Ive im vergangenen Jahr durch OpenAI eingestellt.
Grafik der Woche
Venezuelas Aktienmarkt zieht nach Maduro-Coup um 169 % an
Am Samstag, dem 03. Januar gegen 1 Uhr Ortszeit erfolgte der Zugriff auf den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores durch US-Spezialkräfte.
Am 02. Januar hatte der Caracas Stock Exchange Market Index bei 2.230 Punkten geschlossen. In den darauffolgenden Tagen legte der Index bis auf 6.009 Punkte zu: Der Anstieg um 169 % ist auf die Hoffnung der Märkte zurückzuführen, dass die Wirtschaft des Landes nach jahrzehntelanger sozialistischer Tristesse wieder Morgenluft wittern könnte.
Offenbar hatten Investoren bereits in den Monaten zuvor darauf gewettet, dass das Regime Maduro an sein - wie auch immer geartetes - Ende gelangen könnte. Die Kurse begannen im Juli/August merklich zu steigen und zogen insbesondere Ende Dezember deutlich an.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei einer 4 Mrd. USD schweren Dollar-Anleihe Venezuelas (ISIN: USP17625AD98, WKN: A1GUB4) mit Fälligkeit im August 2031 und einer jährlichen Kuponverzinsung von 11,95 %. Die 2011 begebene Anleihe hatte noch im Juni 2025 bei 15 % ihres Nennwertes notiert. Aktuell liegt der Kurs bei mehr als 41 %.
Die Hoffnungen vieler Menschen im Land sind groß. Investitionen in den Ölsektor, die Aufhebung von Sanktionen und die Rückkehr von vielen der acht Millionen Bürger, die vor dem Maduro-System geflohen sind, könnten das Potenzial des Landes wiederbeleben.
Francisco Litvay, ein Unternehmer, der über seine Firma Sudamerica Hub Unternehmen bei der Gründung von Offshore-Niederlassungen oder der Verlagerung innerhalb Südamerikas berät, teilt den Optimismus: "Wenn sich das Land stabilisiert und seine Diaspora zurückgewinnen kann, ist das Potenzial gigantisch." Er sieht auch Chancen jenseits des Ölsektors, etwa in den Bereichen Agrarwirtschaft, Immobilien und Technologie. Caracas könne sich zu einem regionalen Startup-Zentrum entwickeln.
Bis dahin sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen, darunter die Eindämmung der verbreiteten Korruption und glaubwürdige Wirtschaftsreformen.

Fun Fact
Unterhosen-Index soll Rezession vorhersagen
Wenn Männer ihr Konsumverhalten in Bezug auf ihre eigenen Unterhosen ändern, muss in der Gesamtwirtschaft etwas im Argen liegen. Dieser Überzeugung war der ehemalige US-Notenbankpräsident Alan Greenspan. Er beobachtete den umgangssprachlich als "Unterhosen-Index" bezeichneten Herrenunterwäscheindex. Die Annahme: In einer schweren Rezession sinkt die Nachfrage in diesem Bereich. Unterhosen seien das Erste, was Männer in einer angespannten Wirtschaftslage nicht mehr kauften. Umgekehrt wird das Ende der Rezession durch einen nachholbedingten Anstieg der Verkäufe angezeigt.

