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ImmobilienmarktXXL-Bondemissionen des Bundes verteuern Hypothekenfinanzierungen

Die Zinsen für Immobilienkredite steigen wieder in Richtung von 4 %. Der Trend könnte sich fortsetzen: Die EZB strebt keine weiteren Zinssenkungen an und der Anleihemarkt gerät durch ein großes Angebot an Emissionen und womöglich auch japanische Kaufzurückhaltung dauerhaft unter Druck.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Sven Simon / Frank Hoermann

Die Zinsen für Immobilienkredite kratzen wieder an der Marke von 4 %, die 2023 zum ersten Mal seit 2011 zeitweise schon überschritten worden war. 3,84 % zahlen Kreditnehmer für Darlehen mit 10 Jahren Zinsbindung laut Daten des Hypothekenvermittlers Interhyp, 3,97 % fallen bei 15 Jahren Zinsfestschreibung an.

Globale Bondrenditen auf langjährigem Hoch

Die Wirkung der Leitzinssenkungen der EZB auf die Zinsen am langen Ende ist verpufft. Weitere Zinssenkungen sind derzeit mehr als unwahrscheinlich: Die meisten Ökonomen rechnen mit einer längeren Stagnation, an die sich eine Zinserhöhung anschließt. Entscheidend für die Entwicklung der Hypothekenzinsen sind die Entwicklungen am Bondmarkt - die für Kreditnehmer nichts Gutes verheißen. Die Bondrenditen sind weltweit auf dem höchsten Stand seit 16 Jahren, auch die Renditen deutscher Schuldverschreibungen sind deutlich angestiegen.

Es ist ein Trend, der sich fortsetzen dürfte. Die Märkte beginnen, die Verschuldungsproblematik westlicher Staaten einzupreisen. Gläubiger verlangen eine höhere Risikoprämie von Schuldnern, deren Verbindlichkeiten nicht selten das bestenfalls langsam wachsende BIP übersteigen, das eine gealterte und bereits mit hohen Steuern belastete Bevölkerung erwirtschaftet.

In dieser Woche hat die Deutsche Finanzagentur, die für das Liquiditäts- und Schuldenmanagement des Bundes verantwortlich ist, ihre Emissionsvorschau veröffentlicht. Diese zeigt wie im Brennglas die Auswirkungen der hohen Verschuldung auf die Bondmärkte.

Bund plant für 2026 Anleiheemissionen von 512 Mrd. EUR

512 Mrd. EUR: So hoch ist das Volumen, das der Bund im kommenden Jahr an den Geld- und Anleihemärkten zu platzieren plant. Das sind noch einmal 87 Mrd. EUR mehr als in diesem Jahr. Die geplante Nettoneuverschuldung liegt unter Berücksichtigung der Inanspruchnahme der sogenannten Sondervermögen bei gut 180 Mrd. EUR.

Diese Volumina muss der Markt absorbieren - in einem Umfeld, in dem auch andere Staaten hohe Schulden machen, darunter die USA und Frankreich. Erschwerend kommt das sich drastisch verändernde Zinsumfeld in Japan hinzu. Heute hat die BoJ den Leitzins auf 0,75 % erhöht: Den höchsten Stand seit 1995. "Ich glaube nicht, dass wir dies gänzlich als ein rein japanisches Ereignis betrachten können", warnt Frederic Neumann von HSBC Hongkong.

Die japanische Zinswende könnte sich gravierend und dauerhaft auf die Renditen auswirken. Jahrzehntelang haben private und institutionelle Anleger in Japan Geld in ausländischen, höher verzinsten Assets angelegt. Nicht nur drückte die japanische Geldpolitik das Zinsniveau im Inland gegen Null: Zusätzlich sorgte der Export japanischer Ersparnisse auch im Rest der Welt für niedrigere Renditen.

Kehrt sich dieser Trend um, steigen die Renditen am Bondmarkt, wodurch die Kreditkosten für Regierungen, Unternehmen und Haushalte steigen. Vor allem eine nachhaltige Stabilisierung des Yen würde eine solche Trendumkehr signalisieren. Ob es dazu kommt, hängt auch von der weiteren Entwicklung von Konjunktur und Inflation in Japan ab.

Der Bund jedenfalls wird sein Laufzeitensortiment um eine 20-jährige Anleihe erweitern. Früher waren ausschließlich Laufzeiten von zwei, fünf, zehn und 30 Jahren vorgesehen, bevor auch sieben und 15 Jahre angeboten wurden.