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Investor WocheSpaceX mit Kursgewinn nach IPO, EZB erhöht Leitzins, Lithium Africa startet Exploration, Oracle wegen hoher Ausgaben unter Druck, Mitsubishi Heavy Industries profitiert von Rüstung und KI

SpaceX erfreut Anleger mit Kursgewinnen am IPO-Tag, wird von Analysten aber als überbewertet angesehen. Die EZB erhöht den Leitzins, der Inflationsdruck in den USA und China nimmt zu. Lithium Africa startet Bohrprogramme in Südafrika, Oracle gerät abermals wegen hoher Investitionen unter Druck. MHI profitiert von KI- und Rüstungsausgaben.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 9 min
Titelbild: picture alliance / Everett Collection / Kristin Callahan

Marktentwicklung

Nach zwischenzeitlich deutlichen Verlusten in den Vortagen notierten NASDAQ-100, S&P 500 und DAX kurz vor dem Wochenende nahezu unverändert. Deutlich abwärts ging es dagegen bei Gold und Silber: Beide Edelmetalle leiden unter den sich eintrübenden Zinserwartungen besonders.

Top-Meldungen

EZB erhöht Leitzins auf 2,25 % – und signalisiert weitere Schritte

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag den Leitzins für die Eurozone erstmals seit September 2023 erhöht. So stieg der Einlagensatz von 2,0 auf 2,25 %. Zur Begründung hieß es, die Aussichten für die Wirtschaft im Euroraum trübten sich ein. Im laufenden Jahr werde ein Wachstum von 0,8 % erwartet, für 2027 dann 1,2 %. Weitere Zinsschritte im Juli gelten als wahrscheinlich.

US-Inflation über 4 Prozent

Die US-Inflation stieg im Mai auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Im April hatte die Jahresrate noch bei 3,8 % gelegen. Die Kerninflationsrate lag mit 2,9 % niedriger, aber anders als die Headline-Inflation leicht über den Erwartungen (2,8 %). "Ich denke, wir nähern uns dem Höhepunkt der jährlichen Inflation", sagte Joe Brusuelas, Chefökonom bei RSM.

Chinas Erzeugerpreise auf Vierjahreshoch

Die Erzeugerpreise in China stiegen im Mai um 3,9 % nach einem Anstieg von 2,8 % im April. Damit legten die Preise so stark zu wie seit Sommer 2022 nicht mehr. Der Anstieg der Verbraucherpreise fiel mit 1,2 % deutlich geringer aus. "Die Lebensmittel- und Immobilienpreise helfen vorerst, die Gesamtinflation zu dämpfen", sagte die China-Chefvolkswirtin Lynn Song von der Bank ING. "Aber die auf breiter Front steigenden Preise deuten darauf hin, dass wir uns von der Deflation in ein Umfeld niedriger Inflation bewegen."

SpaceX vollzieht Börsengang

SpaceX (ISIN: US84615Q1031, WKN: A42D4F) ist an der Börse. 555,6 Millionen Aktien wurden bei vierfacher Überzeichnung zu 135 USD platziert, was die durch CEO Elon Musk – auf dem Papier der nun wohl erste Billionär der Welt – angestrebten Einnahmen von 75 Mrd. USD und eine Bewertung von 1,77 Billionen USD ermöglichte. Erst am frühen Abend teilte die NASDAQ den ersten Kurs mit: Knapp 165 USD entsprechen einem Aufschlag von knapp 22 % auf den Ausgabekurs und einer Marktbewertung von 2,15 Billionen USD.

Lithium Africa startet Exploration bei weiterem Projekt

Lithium Africa (ISIN: KYG6003G1010, WKN: A425GC) startet im Juli eine 1.500 Meter umfassende Diamantbohrkampagne sowie eine 2.000 Meter umfassende Umkehrspülbohrkampagne auf dem Springbok-Projekt in der Provinz Nordkap in Südafrika. Die Bohrungen zielen auf eine neue Mineralressource im Zielgebiet Norrabees ab. Dabei werden neue Strukturkartierungen einbezogen, die eine neue spodumenhaltige Oberflächenausdehnung der Mineralisierung identifiziert haben, wo frühere Abschnitte 1,09 % Li2O über 32,7 Meter ergaben.

Oracle trotz übertroffener Erwartungen unter Druck

Oracle (ISIN: US68389X1054, WKN: 871460) meldete für das vierte Quartal einen Gewinn von 4,3 Mrd. USD, verglichen mit 3,4 Mrd. USD im Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg um 21 % auf 19,2 Mrd. USD und übertraf damit die Analystenprognosen von 19,1 Mrd. USD. Der Softwareumsatz sank um 2 % auf 6,8 Mrd. USD, was auf die Migration von On-Premise-Software in die Cloud zurückgeführt wird. Der Grund für den zweistelligen Absturz der Aktie waren einmal mehr hohe Investitionsausgaben im Zusammenhang mit KI-Infrastruktur. Finanzchefin Hilary Maxson erklärte, dass im Geschäftsjahr 2027 mit einem Netto-Cashflow für Investitionsausgaben in Höhe von rund 70 Mrd. USD zu rechnen sei.

Mitsubishi Heavy Industries profitiert bei Turbinen und Rüstung

Mitsubishi Heavy Industries (ISIN: JP3900000005, WKN: 853314) profitiert sowohl vom Rüstungs- als auch vom KI-Boom. Der Bedarf an Gas zur Stromversorgung von KI-Rechenzentren trieb den Wert der Turbinenaufträge von MHI im Jahr 2025 auf fast das Vierfache des Durchschnitts der Jahre 2019–2022 – Tendenz steigend auf 70 Gigawatt pro Jahr. Im Geschäft mit Kampfflugzeugen, Raketen und Kriegsschiffen profitiert das Unternehmen von der Verdopplung der inländischen Verteidigungsausgaben innerhalb von vier Jahren und der liberalisierten Rüstungsexportpolitik.

Unter der Lupe

Was ist SpaceX wert?

Für fundamental orientierte Anleger kann es an diesem Tag nur eine relevante Frage geben: Was ist SpaceX eigentlich wert? Geht es nach den Analysten von Morningstar, ist das Unternehmen jedenfalls überbewertet. Sie sehen den fairen Wert der Aktie bei 63 USD, was einem Discount von 53 % gegenüber dem offiziellen Ausgabekurs von 135 USD entspricht.

Ein Analystenteam um Nicolas Owens hat drei Szenarien erstellt und nach Wahrscheinlichkeit gewichtet. "In unserem optimistischsten "Moonshot"-Szenario würde das Unternehmen einen Wert von 1,97 Billionen USD oder 154 USD pro Aktie erreichen. (…) Wir unterstellen hier eine hohe Wiederverwendbarkeit von Starship und sehr hohe Skaleneffekte bei den Rechenzentren. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Szenario eintritt, sehen wir aber bei lediglich 7 %", sagt Owens.

In diesem Szenario funktioniert die KI-Plattform von SpaceX im Orbit, erzielt Betriebskostenvorteile gegenüber terrestrischen Rechenzentren und stellt bis 2040 schließlich ein Fünftel der globalen Rechenkapazität für KI-Infrastruktur (ohne Russland und China) bereit. Bis 2035 wären in diesem Szenario 59.000 Satelliten im Einsatz, die 11,6 Gigawatt KI-Rechenkapazität bereitstellen und 225 Mrd. USD Jahresumsatz generieren. In diesem Szenario würde sich die Fair-Value-Schätzung ungewichtet um 108 USD erhöhen.

Für wahrscheinlicher halten die Analysten allerdings die anderen Szenarien. Im Szenario "No Go" etwa (Wahrscheinlichkeit: 43 %) würden selbst bei einem Erfolg von Starship die KI-Rechenzentren im Orbit möglicherweise scheitern. Dann würde der Fair Value um 6,20 USD sinken.

Die Analysten räumen allerdings ein, dass "eine lange Liste weiterer Projekte und Ambitionen" des Unternehmens in der Kalkulation nicht berücksichtigt wurden, darunter Mondflüge und die Besiedlung anderer Planeten. Diesen Projekten wurde ein Barwert von Null zugewiesen.

Grafik der Woche

MANGOS ist das neue Megacap-Akronym

FAANG Facebook/Meta, Apple, Amazon, Netflix, Google/Alphabet ist aus der Mode: MANGOS (Meta, Anthropic, Nvidia, Google, OpenAI und SpaceX) lautet nun das Akronym, mit dem die MegaCaps der Stunde abgekürzt werden. Dabei vollzog SpaceX erst heute sein IPO, die beiden KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI sind noch nicht einmal gelistet (werden aber bereits im MegaCap-Bereich bewertet).

Investor Woche: SpaceX mit Kursgewinn nach IPO, EZB erhöht Leitzins, Lithium Africa startet Exploration, Oracle wegen hoher Ausgaben unter Druck, Mitsubishi Heavy Industries profitiert von Rüstung und KI

Was bedeutet das für die Märkte und für Anleger? Der Übergang von FAANG zu MANGOS spiegelt eine Neuausrichtung hin zu KI-Fähigkeiten und -Technologien wider. Die anstehenden IPOs von Anthropic und OpenAI dürften den Einfluss der MANGOS-Gruppe auf dem Markt weiter festigen – zumindest für einige Zeit.

In den 2010er Jahren dominierten die FAANG-Aktien durch soziale Netzwerke, Streaming, E-Commerce und mobile Lösungen. Der technologische Shift hat stattgefunden: Die Märkte sehen derzeit in KI die künftige Vorherrschaft im Technologiesektor, wie ein Blick auf den Kursverfall im Softwarebereich eindrucksvoll zeigt. Den MANGOS wird zugetraut, die Weiterentwicklung der KI voranzutreiben.

Sinnbildlich dafür stehen die Pläne von SpaceX für Rechenzentren im Weltall. Satelliten sollen als Rechenknoten im Orbit fungieren, mit Sonnenenergie betrieben und durch Wärmeabstrahlung in den Weltraum gekühlt werden. Dadurch könnten die zunehmenden Engpässe bei der Energieversorgung behoben werden.

Apple, Amazon und Netflix sind damit im fortan populärsten MegaCap-Akronym nicht mehr enthalten, obwohl diese Unternehmen sowohl in KI investieren als auch davon profitieren können. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass der Markt eine der drei Aktien künftig wieder stärker als KI-Titel wahrnimmt – und dann auch das führende Akronym erneuten Änderungen unterworfen ist.

Fun Fact

Berkshire Hathaway A-Aktie zu teuer für 32-Bit-System der NASDAQ

Das Wall Street Journal nannte es die "Aktienversion des Effekts von 2000": Im Mai 2021 erreichte die Aktie von Berkshire Hathaway einen Kurs von 421.000 USD. Gut für die Aktionäre, schlecht für die Abläufe an der NASDAQ: Die Technologiebörse setzte die Veröffentlichung der Kurse der Berkshire-A-Aktien über mehrere gängige Datenfeeds vorübergehend aus. Diese Feeds liefern Echtzeit-Kursaktualisierungen für zahlreiche Online-Broker und Finanzwebsites. Der Grund: Die Computer der Nasdaq konnten aufgrund des kompakten digitalen Formats, das sie zur Preisübermittlung verwenden, nur bis maximal 429.496,7295 USD zählen. Auch andere Börsenbetreiber wie IEX Group waren betroffen. 429.496,7295 entspricht 2 hoch 32 minus 1 und damit der größtmöglichen Zahl in einem 32-Bit-System.

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