
Immobilienmarkt: Immobilienpreise in Deutschland steigen wieder leicht - Ein Zeitfenster zum Kauf?
Der IW Wohnindex sieht eine "vorsichtige Preiserholung" bei deutschen Immobilien, allerdings mit erheblichen regionalen Unterschieden. Das IW sieht eine Festigung des Marktes, der Immowelt-Chef will gar ein günstiges Zeitfenster für Käufer ausgemacht haben.
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Die Immobilienpreise sind laut dem am Dienstag veröffentlichten Wohnindex des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Wohnindex) moderat gestiegen. Eigentumswohnungen verteuerten sich im zweiten gegenüber dem ersten Quartal um 1,9 %, Ein- und Zweifamilienhäuser um 1,2 %. Auf Jahressicht liegen die Zuwächse bei 2,0 % beziehungsweise 3,0 %.
Vorsichtige Preiserholung stabilisiert sich
Die Autoren Pekka Sagner und Michael Voigtländer konstatieren: "Damit festigt sich der Trend einer vorsichtigen Preiserholung, nachdem der Markt in den Vorjahren unter dem Druck gestiegener Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheiten gelitten hatte." Eine wichtige Rolle spielten dabei "stabile Bauzinsen und die wachsende Zahl von Haushalten, die angesichts stabilisierter Preise den Schritt ins Eigentum wagen."
Steigende Einkommen, leicht verbesserte Finanzierungsbedingungen und eine allmählich bessere Stimmung könnten demnach eine insgesamt stabilisierende Entwicklung verfestigen mit regionalen Unterschieden allerdings.
Zwar sind die Kaufpreise für Wohnimmobilien auf Jahressicht in allen der zehn größten Städte gestiegen. Zwischen den Metropolen gab es jedoch erhebliche Unterschiede. Den stärksten Zuwachs verzeichnete Essen mit +7,2 % vor Düsseldorf (+3,5 %) und München (+2,5 %). In Köln (+2,1 %), Hamburg (+1,5 %) und Leipzig (+1,1 %) legten die Preise inflationsbereinigt gar nicht zu bzw. gingen sogar zurück. In Frankfurt am Main (+0,7 %), Berlin (+0,9 %) und Dortmund (+1,3 %) und Stuttgart (+0,6 %) lagen die Zuwächse ebenfalls unterhalb der Teuerungsrate. "Die Preisdynamik unterscheidet sich weiterhin deutlich nach Standort", konstatieren die Autoren des Berichts.
Zentrumsnahe Lagen entwickeln sich besser als die Peripherie
Interessant ist eine Sonderauswertung des IW Wohnindex, die die Preisentwicklung im Umland der sieben größten Städte anhand der Entfernung zum Stadtzentrum misst. Dabei wird zwischen zentrumsnahen Lagen, mittleren Distanzen und äußeren Ringen unterschieden. Die Entwicklung wird anhand von Preisindizes dargestellt.
Für Berlin etwa zeigt die Auswertung, dass der Markt mit der Nähe zum Zentrum an Stärke gewinnt. Im innersten Radius (0-5 km) war demnach nach einem Rückgang bis auf rund 96 Punkte Ende 2023 eine Erholung zu beobachten. Bis zum zweiten Quartal 2025 stieg der Index auf 99,5 Punkte und liegt damit immer noch unter dem Niveau vom Jahresbeginn 2022.
Auch im 5-10 km-Ring zeigt sich das Muster einer weitgehenden, aber nicht vollständigen Erholung seit 2022: Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang unter 95 stieg der Index zuletzt auf 98,4. Stagnierenden zeigte sich der Markt in den mittleren Zonen (10-20 km). In der 10-15 km-Zone liegt der Index bei 95,3 Punkten - knapp 5 % unter dem Niveau von Anfang 2022. In der angrenzenden 15-20 km-Zone liegt der Index bei 93,0 Punkten.
"Sehr gutes Zeitfenster für den Immobilienkauf"
Eine kürzlich veröffentlichte Auswertung des Immobilienportals immowelt.de passt zu den Zahlen des IW Wohnindex. In 72 der 79 größten deutschen Städte konnten Käufern 2025 mit einem bestimmten Budget größere Wohnungen erwerben als drei Jahre zuvor. "Neben den gesunkenen Preisen liegen derzeit auch die Zinsen deutlich niedriger als zu früheren Höchstständen. Für Interessenten bietet sich somit aktuell ein sehr gutes Zeitfenster für den Immobilienkauf", kommentierte Dr. Robert Wagner, Geschäftsführer von Immowelt.
Auch hier zeigten sich jedoch große Unterschiede zwischen lokalen Märkten. Im München konnten Käufer für 350.000 EUR 39 Quadratmeter erwerben - fünf Quadratmeter mehr als 2022. Auch in Hamburg waren fünf Quadratmeter mehr drin, in Frankfurt am Main und Berlin vier Quadratmeter. In Chemnitz fiel das Plus an Wohnfläche mit 32 Quadratmetern deutlich größer aus.