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Hohe Kosten und RisikenMorningstar warnt vor gehebelten ETFs auf Einzelaktien

Gehebelte ETFs auf Einzelaktien können durch hohe Swap-Gebühren zur Kostenfalle werden und rechnen sich für Anleger fast nie. Morningstar kritisiert die Emittenten deutlich. Besonders hart fällt die Kritik an zwei komplexen Krypto-ETFs aus.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: picture alliance / Zoonar / Andrii Yalanskyi

Morningstar warnt in einem aktuellen Beitrag eindringlich vor den Risiken gehebelter ETFs auf Einzelaktien. Diese seien aufgrund ihrer Konstruktion nicht nur riskant, sondern auch sehr teuer, so dass Anleger regelmäßig mit Verlusten rechnen müssten.

27 % der aufgelegten ETFs basieren auf einer Aktie

Im laufenden Jahr wurden demnach bereits mehr als 1.000 ETFs aufgelegt. Über 92 % davon bilden jedoch keinen Index nach. "Alarmierende 27 % der neu aufgelegten ETFs basierten auf einer Strategie, die auf einer einzigen Aktie basierte und durch Hebelwirkung, Short-Positionen oder Options-Overlays ergänzt wurde", schreibt Morningstar Analyst Bryan Armour in einem Bericht zum ETF-Markt in den USA.

Armour geht mit gehebelten ETFs - und ganz speziell solchen auf einzelne Aktien - hart ins Gericht. "Gehebelte ETFs scheitern aufgrund teurer Derivate und Volatilitätsverluste - beides gilt auch für ETFs mit nur einer Aktie." Ein Grund dafür ist, dass ETFs zur Realisierung der Hebelwirkung oft mit Swaps arbeiten, die bei volatileren und weniger transparenten Basiswerten sehr teuer seien.

Der Bericht verweist auf das Beispiel des T-REX 2X Long GME Daily Target ETF, der auf zwei Swaps zurückgreift, um einen Hebel auf die Gamestop Aktie zu realisieren. Die Zinssätze: 6,5 % und 17,5 %. Es ist statistisch kaum möglich, bei solchen Kosten noch positive Renditen zu erzielen.

"Zielen nicht darauf ab, den Markt zu übertreffen

Armour übt Kritik an den Emittenten, da gehebelte ETFs auf Einzelaktien aufgrund der höheren Finanzierungskosten und Volatilität noch größere Risiken mit sich brächten als gehebelte ETFs auf andere Basiswerte. "Es mutet seltsam an, dass Emittenten massenhaft Einzelaktien-ETFs auflegen, angesichts deren geringen Anlagepotenzials."

Sein Verdacht: "Die 276 aufgelegten Einzelaktien-ETFs zielten nicht darauf ab, den Markt zu übertreffen, sondern darauf, dass die Gebühreneinnahmen - sollte eine Aktie an Dynamik gewinnen und neue Anleger anziehen - alle Kosten decken und sogar einen Gewinn abwerfen würden." Im Klartext: Emittenten suchen nach einer Zielgruppenlogik Aktien aus, auf die dann Produkte aufgelegt werden. Sind dann einige der Aktien gefragt, verdient zumindest der Emittent Geld.

Kritik an komplexen Krypto-ETFs

Der aus Sicht von Morningstar schlechteste neue ETF im Jahr 2025 war der 21Shares 2x Long Dogecoin ETF, der ein gehebeltes Investment in der bekannten Kryptowährung ermöglicht. Der ETF hält ausschließlich Dogecoin-Futures und Bargeld als Sicherheit, verlangt dafür aber eine hohe Gebühr von 1,89 %.

Ein weiteres Negativbeispiel aus Sicht des Berichts ist der Roundhill MSTR WeeklyPay ETF. Dieser ermöglicht ein bis 120%-iges Engagement in der Strategy-Aktie und "schüttet wöchentliche Erträge aus, indem er jede Woche ineffizient Call-Optionen kauft und das Kapital zur Erreichung der Ausschüttungsziele zurückführt." Die Gebühr für die Rückzahlung des investierten Kapitals beträgt dabei 0,99 %.

Armour kritisiert, dass der ETF zum 16. Dezember mit einer Ausschüttungsquote von 114,46 % warb. Er warnt: "Ausschüttungsquoten können irreführend sein." Tatsächlich werden die wöchentlichen Ausschüttungen hochgerechnet und durch den Nettoinventarwert (NAV) des Fonds geteilt. Seit seinem Start am 24. Juli 2025 hat der Roundhill MSTR WeeklyPay ETF inklusive dieser wöchentlichen Ausschüttungen 69 % an Wert verloren.