
Hoffnung trotz Flaute: ZEW-Index steigt im September trotz schwacher Lage weiter
Der ZEW-Erwartungsindex steigt im September auf 37,3 Punkte und übertrifft den Konsens deutlich. Zugleich fällt die Lageeinschätzung auf −76,4. Ökonomen sehen Hoffnungssignale, warnen aber vor anhaltenden Risiken.
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Der Stimmungsaufheller kommt zur Unzeit: Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzmarktprofis sind im September gestiegen, während die aktuelle Lage weiter absackt. Der ZEW-Erwartungsindex klettert auf 37,3 Punkte nach 34,7 im August und übertrifft den Konsens von 26,3 klar. Parallel fällt die Bewertung der Gegenwartslage auf −76,4 Punkte. "Finanzmarktexperten sind verhalten optimistisch und der ZEW-Indikator stabilisiert sich, aber die wirtschaftliche Lage hat sich verschlechtert", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach.
Die Befragung bildet mittelfristige Erwartungen auf einer Skala von −100 bis +100 ab. Erhoben wurden die September-Werte unter 182 Analystinnen und Analysten vom 8. bis 15. September. Damit signalisiert der Anstieg Hoffnung auf bessere Quartale, ohne die konjunkturelle Talsohle bereits zu verlassen.
Erwartungen steigen trotz weiter trüber Lage deutlich
Ökonomen werten den Sprung bei den Erwartungen unterschiedlich. Alexander Krüger von Hauck Aufhäuser Lampe spricht von einem Plus, das "irgendwie vom Himmel gefallen" sei. Er mahnt, die Zuversicht müsse sich erst in Unternehmensumfragen und Auftragsdaten bestätigen. Ralf Umlauf von Helaba sieht dagegen "Grund zur Hoffnung auf einen Aufschwung in den kommenden Quartalen". Beide verweisen auf die zugleich schwache Lageeinschätzung als Korrektiv.
Dass die Lage weiter drückt, passt zum makroökonomischen Befund: Deutschland ist im G7-Vergleich das Schlusslicht und verzeichnete 2023 und 2024 Rückgänge des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts. Für 2024 meldet das Statistische Bundesamt ein Minus von 0,2 % und spricht von "zyklischen und strukturellen Belastungen".
US Zölle und Reformunsicherheit erhöhen die Risiken
Die Unsicherheit über die US-Handelspolitik belastet die exportabhängige Industrie zusätzlich. Seit 01.08. gilt auf den Großteil der EU-Ausfuhren in die USA ein einheitlicher Zollsatz von bis zu 15 %. Das trifft Schlüsselbranchen wie Autos, Chemie und Pharma und verschärft die Hürden in ohnehin schwachen Absatzmärkten.
Wambach verweist zudem auf offene Fragen rund um den "Herbst der Reformen" in Berlin. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre BIP-Prognose für 2025 jüngst auf 0,1 % reduziert und auf verzögerten Effekt höherer Staatsausgaben hingewiesen. Die Institute betonen, dass Trade-Spannungen die Erholung dämpfen könnten.
Ökonomen mahnen Bestätigung durch Unternehmen an
Ob sich die bessere Stimmung in harte Daten übersetzt, entscheiden Investitionen, Aufträge und Produktion. Bislang signalisieren Umfragen ein Auseinanderlaufen: Erwartungen hellen sich auf, die Lage bleibt schwach. "Es bleibt abzuwarten, ob Unternehmen den positiven Analystenblick bestätigen", so Krüger. Gleichzeitig sehen einige Experten eine Basis für eine sanfte Trendwende, sofern Energie- und Handelskosten planbar bleiben und Reformpakete rasch wirken.