
Geldvermögen steigt: Bei der Geldanlage geht ein Riss durch Deutschland
10 Billionen EUR Geldvermögen: Während ein kleiner Teil der Anleger die Chancen der Aktienmärkte nutzt, gelingt anderen nicht einmal das Zinshopping mit Tagesgeld.
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Auf den ersten Blick klingt die Zahl beeindruckend: Das in Sparbüchern, Bankkonten, Depots und sonstigen Geldanlagen investierte private Geldvermögen der Bundesbürger ist im vergangenen Jahr laut (zunächst vorläufigen) Berechnungen der DZ Bank um 6 % auf 10,03 Billionen EUR und damit einen Rekordwert gestiegen.
Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich ein Großteil des Zuwachses allerdings nicht als Rendite, sondern als hinzugekommene Ersparnisbildung, sprich: als Einzahlungen auf Konten und Depots und nicht als Zinsgutschrift, Dividendenzahlung oder Kursgewinn.
Geldvermögen steigt durch Sparraten und Kursgewinne
Auf 10,4 % schätzt die Studie der DZ Bank die Sparquote der Deutschen im Gesamtjahr 2025. Ein Jahr zuvor lag die Quote noch bei 11,2 %. Dadurch "belief sich die Geldvermögensbildung der privaten Haushalte - also die Investition von Ersparnissen als neue, zusätzliche Anlagemittel - im letzten Jahr insgesamt auf voraussichtlich über 300 Mrd. EUR", heißt es.
Der Rendite-Teil des Zuwachses entfällt vor allem auf Aktien. "So trugen Kursgewinne voraussichtlich mit rund 290 Mrd. EUR maßgeblich zum Vermögensaufbau der Privathaushalte bei und machten 3,1 Prozentpunkte des gesamten Geldvermögenszuwachses von über 6% im abgelaufenen Jahr aus", schreiben die Autoren.
Diese Erträge entfallen jedoch auf einen relativ kleinen Teil des Vermögens. 990 Mrd. EUR waren der Studie zufolge zum Jahreswechsel in Aktien angelegt, 1.575 Mrd. EUR in Fonds. Selbst wenn es sich bei diesen Fonds ausnahmslos um Aktienfonds handeln würde (was nicht der Fall ist), wäre nur rund ein Viertel des deutschen Geldvermögens gegenüber dem Aktienmarkt exponiert. Das passt zu Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI): Diesem zufolge besaßen 2024 12,1 Millionen Menschen in Deutschland Aktien, Aktienfonds oder ETFs, also jeder Sechste ab 14 Jahren.
60 % sind in Bankeinlagen und Versicherungen angelegt
35,7 % dagegen wurden in der Kategorie Einlagen und Bargeld, 25,7 % in Versicherungen angelegt. Die Zinserträge aus Bankeinlagen sanken im abgelaufenen Jahr aufgrund des rückläufigen Zinsniveaus auf lediglich 25 Mrd. EUR.
Für Daniel Franke, Betreiber eines Zinsvergleichsportals, ist das keine Überraschung. "4,156 Mrd. EUR Zinsertrag haben Sparer in Deutschland den Berechnungen unserer Redaktion zufolge beim Tagesgeld allein im November 2025 verschenkt, weil sie ihr Geld nur zu durchschnittlichen Zinsen anstatt bei den Banken mit den höchsten Zinsen angelegt haben", schrieb er am Mittwoch in einem Beitrag. Das berühmte Zinshopping ist also nur vermeintlich eine deutsche Königsdisziplin.
In der langfristigen Perspektive sei der Schaden noch viel größer - vor allem, wenn die renditeschwachen Zinsanlagen mit der Performance der Aktienmärkte verglichen werden. "Seit 2008 summieren sich die verschenkten Zinserträge beim Tagesgeld auf mittlerweile 312 Mrd. EUR und die verschenkten Renditen gegenüber der Geldanlage in ETFs auf den S&P500 bzw. den Stoxx Europe 600 haben die unglaublichen Summen von 4.257 bzw. 2.299 Mrd. EUR erreicht", so Franke.
Sind die Deutschen bei der Geldanlage also entweder desinteressiert oder schlicht unterbegabt? Zumindest gegen Letzteres spricht eine neue Studie der Consorsbank. Deren Kunden verwalten ihre 1,8 Millionen Wertpapierdepots selbst - und erzielten im vergangenen Jahr eine Rendite von 8 % nach Abzug der Inflation, wie Consorsbank-Chef Rainer Hohenberger gegenüber dem Handelsblatt berichtete. Das ist zwar weniger als der DAX im vergangenen Jahr schaffte (+ 23 %), liegt aber im Bereich des Erwartungswertes für Aktienanlagen.