Bild zum Artikel: Deal mit Auflagen: JD.com darf MediaMarkt-Mutter Ceconomy übernehmen

Deal mit AuflagenJD.com darf MediaMarkt-Mutter Ceconomy übernehmen

Der chinesische Handelskonzern JD.com steht vor dem Einstieg bei MediaMarkt und Saturn. Er verspricht mehr Auswahl und schnellere Lieferungen, doch Brüssel will Wettbewerbsvorteile aus chinesischen Staatshilfen verhindern. Deshalb gelten zehn Jahre lang besondere Auflagen.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: picture alliance / Photoshot

Die Europäische Kommission hat am Dienstag die Übernahme der deutschen MediaMarkt- und Saturn-Mutter Ceconomy ISIN DE0007257503 WKN 725750 durch den chinesischen Onlinehandelskonzern JD.com ISIN US47215P1066 WKN A112ST genehmigt. Das Angebot bewertet Ceconomy mit rund 2,2 Mrd. Euro. Damit liegt die letzte behördliche Freigabe vor. Der Vollzug ist für die kommenden Tage angekündigt.

Europäisches Filialnetz trifft chinesischen Onlinehandel

MediaMarkt und Saturn gehören zu den bekanntesten Elektronikhändlern Europas. Sie verkaufen Smartphones, Computer, Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte sowohl in ihren Fachmärkten als auch über das Internet. Die Muttergesellschaft Ceconomy betreibt europaweit mehr als 1.000 Märkte und beschäftigt rund 50.000 Menschen.

JD.com wiederum zählt zu den größten chinesischen Onlinehändlern und verfügt über eine umfangreiche eigene Lager- und Lieferinfrastruktur. Der Konzern verkauft Waren sowohl selbst als auch über seine Handelsplattform und erzielte 2025 einen Umsatz von 187,2 Mrd. USD.

Mit der Übernahme erhält JD.com Zugang zu einem etablierten europäischen Filialnetz und dessen Kundenstamm. Der Konzern sucht bereits seit Längerem nach Möglichkeiten, seine Präsenz in Europa auszubauen. Frühere Gespräche über den Erwerb der britischen Händler Argos und Currys blieben allerdings ohne Ergebnis.

Chinesische Staatshilfen bestimmen die Spielregeln

Bei der Prüfung der geplanten Übernahme durch JD.com prüfte die EU-Kommission insbesondere mögliche Wettbewerbsvorteile durch chinesische Staatshilfen. Ende Mai 2026 hatte sie dazu eine vertiefte Untersuchung eingeleitet. Nach Feststellung der Behörde erhielt JD.com in China vergünstigte Finanzierungen, Steuererleichterungen und Zuschüsse. Diese Mittel unterstützten den Ausbau von Logistik und Technologie, die künftig auch Ceconomy nutzen könnte.

Die Untersuchung erfolgte auf Grundlage einer seit Juli 2023 geltenden EU-Verordnung, mit der Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Hilfen von außerhalb der Union erfasst werden sollen. Die Bedenken betreffen auch die Preisgestaltung. Dank günstiger Finanzierung könnte Ceconomy besonders preiswerte Angebote machen und konkurrierende Händler unter Druck setzen. Deshalb muss JD.com konzerninterne Geschäfte, einschließlich Krediten, zu marktüblichen Bedingungen abwickeln.

Eine weitere Auflage betrifft JD.coms Lager- und Logistikdienste sowie bestimmte Technologiedienstleistungen. Sie müssen anderen Einzelhändlern zu denselben Konditionen offenstehen wie Ceconomy. Nach Rückmeldungen aus einem Markttest verschärften die Unternehmen ihre Zusagen zu Finanzierung und Dienstleistungszugang. Ein unabhängiger Treuhänder überwacht die Einhaltung der zehnjährigen Verpflichtungen unter Aufsicht der EU-Kommission.

EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera sieht darin einen Schutz fairer Wettbewerbsbedingungen. Auch über den Elektronikhandel hinaus ist die Entscheidung regulatorisch bedeutsam. Laut der Wirtschaftszeitung Financial Times ist dies die erste chinesische Übernahme in Europa, die nach EU-Regeln für drittstaatliche Subventionen untersucht wurde.

Nach langer Prüfung rückt der Vollzug näher

Im Juli 2025 hatte JD.com sein Übernahmeangebot vorgelegt. Der gebotene Preis lag bei 4,60 EUR je Ceconomy-Aktie. Bis zum Ende der Annahmefrist hatte sich JD.com 59,8 % der Anteile gesichert. Rechnet man die 25,35 % der weiterhin beteiligten Gründerfamiliengesellschaft Convergenta hinzu, kommen beide Partner zusammen auf 85,2 % der Aktien. Die behördlichen Prüfungen verzögerten den ursprünglich angepeilten Abschluss um rund fünf Monate. Die Genehmigung kam gut eine Woche vor Ablauf einer vertraglichen Frist, nach der unter bestimmten Voraussetzungen ein Rückzug möglich gewesen wäre.

Investitionsfreigaben aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Österreich lagen bereits vor. An der Börse wurde die Nachricht positiv aufgenommen: Die Ceconomy-Aktie gewann am Dienstag zeitweise rund 2,5 %. Die ursprüngliche Investitionsvereinbarung sieht für die Zeit nach dem Vollzug einen von JD.com angestrebten Rückzug Ceconomys von der Börse vor.

Wachstumspläne unter strenger Wettbewerbsaufsicht

JD.com-Chefin Sandy Xu will Ceconomy bei seinem langfristigen Wachstum unterstützen und dessen Stellung in Europa stärken. Ceconomy-Chef Remko Rijnders erwartet vor allem eine größere Produktauswahl, schnellere Lieferungen und die zügigere Einführung neuer Technologien.

Nach Angaben von Ceconomy sollen Geschäftsmodell und Strategie bestehen bleiben. Die operative Leitung liegt weiterhin beim bisherigen Vorstand. Die geplante Verbindung von Filialnetz und Liefertechnik soll vor allem das Einkaufserlebnis verbessern.