
Geldpolitik: Zerstrittene FED senkt Zinsen um 0,25 % - in Europa drehen die Zinsen wieder nach oben
Die Fed hat die Zinsen wie erwartet gesenkt, zeigte sich dabei aber intern so uneins wie seit 2019 nicht mehr. In Japan stehen die Zeichen auf Zinserhöhung noch in diesem Jahr, in der Eurozone wird der nächste Zinsschritt ebenfalls in Form einer Zinserhöhung erwartet.
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Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins für die USA am Donnerstag wie von den Märkten im Wesentlichen erwartet um 25 Basispunkte auf 3,5 bis 3,75 % und damit den tiefsten Stand seit drei Jahren gesenkt. Es war die dritte FOMC-Sitzung mit einer Zinssenkung in Folge.
Die Aktienmärkte in den USA legten direkt nach der Bekanntgabe der Entscheidung moderat zu. Gut möglich aber, dass die Stimmung nicht lange anhält: Die Details der Sitzung der Notenbanker lassen erahnen, dass der Zinssenkungszyklus zunächst vorüber sein könnte.
Fed Zinssenkung mit drei Gegenstimmen
So zeigten die Teilnehmer ungewöhnliche interne Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die Inflation oder der Arbeitsmarkt das drängendere Problem darstellt. Die Zinssenkung erfolgte mit drei Gegenstimmen. Der Präsident der Federal Reserve Bank von Chicago, Austan Goolsbee, und der Präsident der Federal Reserve Bank von Kansas City, Jeff Schmid, hielten die Senkung für nicht gerechtfertigt, während Fed-Gouverneur (und Trump-Vertrauter) Stephen Miran eine stärkere Senkung um einen halben Prozentpunkt befürwortete. Damit zeigte sich die Fed bei ihrer Entscheidung so uneins wie seit 2019 nicht mehr.
Schon vor der Sitzung war klar: Zinssenkungen müssen mit dem Arbeitsmarkt begründet werden, da die Inflationsrate weiterhin über dem erklärten Zielniveau von 2 % liegt. Künftig, so lassen es die Erläuterungen nach der Sitzung vermuten, müssen diese arbeitsmarktbedingten Begründungen noch schwerer wiegen.
"Bei der Prüfung des Umfangs und des Zeitpunkts weiterer Anpassungen des Zielkorridors für den Leitzins wird der Ausschuss die eingehenden Daten, die sich entwickelnden Aussichten und die Risikobilanz sorgfältig bewerten", heißt es in dem Papier. Dies wird so interpretiert, dass keine konkreten Pläne für weitere Zinssenkungen bestehen.
Arbeitsmarkt vs. Inflation bleibt das Fed-Dilemma
Befürworter einer lockeren Geldpolitik argumentieren mit Daten, denen zufolge die US-Wirtschaft nicht mehr genügend Arbeitsplätze schafft. Die Arbeitslosenquote im Land war zuletzt leicht von 4,1 % auf 4,4 % gestiegen. Gegner verweisen auf Detaildaten zur Inflationsentwicklung und hier insbesondere auf Anzeichen für eine stärkere Inflation im Dienstleistungssektor, der den Großteil der US-Wirtschaftsleistung ausmacht.
Jerome Powell wird vor dem Ende seiner Amtszeit noch drei Zinssitzungen leiten. Danach übernimmt sein Nachfolger den Stab. Donald Trump hat angekündigt, diesen Nachfolger bald zu benennen - und präferiert offen eine lockere Geldpolitik. Allerdings rückt für die aktuelle Regierung das Thema "Bezahlbarkeit" gegenüber den Wählern immer stärker in den Blickpunkt, was gegen die Inkaufnahme wachsender Inflationsrisiken spricht.
Das Potenzial für weitere Zinssenkungen scheint auch in Europa nicht groß. Am Montag gingen die Kurse europäischer Staatsanleihen auf Talfahrt, nachdem EZB-Direktorin Isabel Schnabel das derzeitige Leitzinsniveau in der Eurozone als Talsohle eingestuft hatte. "Sowohl die Märkte als auch die Umfrageteilnehmer erwarten, dass der nächste Zinsschritt eine Anhebung sein wird, wenn auch nicht in naher Zukunft", sagte die Notenbankerin in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg.
"Nächster Zinsschritt in der Eurozone wird eine Anhebung sein"
Auch die Bondmärkte gerieten nach den Aussagen unter Druck - womit sich allerdings lediglich ein schon länger laufender Trend fortsetzt. Deutsche Schuldtitel mit einer Laufzeit von zehn Jahren etwa notieren aktuell mit einer Rendite von 2,85 %. Vor gut einem Jahr lag die Rendite noch unter 2,1 %. Im Dezember 2023 lag die Rendite noch bei knapp unter 2 %.Die französische Rendite stieg in diesem Zeitraum etwa von 2,47 % auf 3,57 % und notiert damit aktuell auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten.
Auch in Japan deutet sich eine straffere Geldpolitik längst nicht mehr nur an. Der Chef der Bank of Japan (BoJ), Kazuo Ueda, stellte vergangene Woche für die nächste geldpolitische Sitzung am 19. Dezember eine Zinserhöhung in Aussicht. Die Inflation im Land liegt nach Jahrzehnten der Deflation deutlich über dem erklärten Ziel. Die Renditen japanischer Staatsanleihen haben zuletzt deutlich angezogen und notieren bei zehn Jahren Laufzeit nahe 2 %.