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SchuldenfluchtUS-Schulden rücken Bitcoin und Gold als Krisenschutz ins Blickfeld

Die britische Großbank Standard Chartered hält einen Bitcoin-Kurs von 100.000 USD zum Jahresende für womöglich zu niedrig. Investor Ray Dalio warnt zugleich vor den wachsenden US-Staatsschulden und empfiehlt Bitcoin als kleine Beimischung.

von Verumo-Redaktion

Lesezeit 5 min
Titelbild: picture alliance / Zoonar / Kyrylo Shevtsov

Dalio sieht die US-Staatsfinanzen an einem Wendepunkt. In einem öffentlichen LinkedIn-Beitrag vom 21. August warnt der Gründer der US-Vermögensverwaltung Bridgewater vor den Folgen der wachsenden Schuldenlast. Seine Aussagen treffen auf einen nervösen Markt: Bitcoin hat sich binnen weniger Tage deutlich von seinem August-Tief gelöst.

Warnung trifft auf ein reales Haushaltsproblem

Dalio schrieb, die finanzielle Lage der Regierung habe einen kritischen Punkt erreicht. Ohne Kurswechsel könnten die Schulden binnen weniger Jahre nur noch unter erheblichen Belastungen beherrschbar werden. Seine grobe Schätzung liegt bei drei Jahren, mit einer Bandbreite von zwei Jahren nach oben oder unten.

Für Anleger leitet Dalio daraus eine breiter angelegte Portfolioempfehlung ab. Er rät dazu, Anleihen unterzugewichten, den Goldanteil zu erhöhen und Bitcoin lediglich in kleiner Dosis beizumischen. Für Gold nennt er einen Portfolioanteil von 10 bis 15 %.

Unabhängige Haushaltsdaten geben der Warnung zusätzlich Gewicht. Die Haushaltsbehörde des US-Kongresses, das Congressional Budget Office (CBO), erwartet für 2026 ein Defizit von 1,9 Bio. USD. Die öffentlich gehaltene Bundesschuld soll 101 % des BIP erreichen, während Nettozinsausgaben bereits 1,0 Bio. USD verschlingen. Diese Haushaltsprognosen beschreiben die finanzielle Lage der USA, den möglichen Krisenzeitpunkt schätzt Dalio selbst.

Als Ausweg nennt Dalio drei Schritte, die gleichzeitig greifen müssten. Washington solle Ausgaben senken, mehr Steuereinnahmen erzielen und die Zinslast reduzieren. Ein künstlich erzwungenes Drücken der Zinsen durch die US-Notenbank hält er allerdings für gefährlich.

Treasury-Rückkäufe brauchen nüchterne Einordnung

Das Treasury – das US-Finanzministerium – hat die Obergrenze für Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen von zwei auf mindestens 4 Mrd. USD je Operation angehoben. Die höheren Rückkaufobergrenzen gelten ab dem 9. September und zunächst bis zum 4. November. Offiziell sollen die Rückkäufe die Liquidität im Anleihehandel stützen.

Das Treasury erwartet ausdrücklich keine wesentliche Veränderung seiner marktgängigen Netto-Kreditaufnahme bei privaten Investoren, weil neue Emissionen die zurückgekauften Papiere ersetzen. Die Maßnahme lässt sich daher nicht ohne Weiteres als geldpolitische Lockerung lesen. Geoff Kendrick, Leiter der Digital-Asset-Analyse der britischen Großbank Standard Chartered wertet sie gegenüber Forbes dennoch als günstiges Signal für Bitcoin.

Für Juli bis September rechnet das Treasury mit 739 Mrd. USD marktgängiger Netto-Kreditaufnahme bei privaten Investoren. Der Betrag zeigt den Finanzierungsbedarf, ohne die Rückkäufe mit zusätzlicher Geldschöpfung gleichzusetzen.

Der Kryptomarkt legte in dieser Phase dennoch kräftig zu. Am 25. August stieg Bitcoin laut Reuters zeitweise auf rund 81.237 USD, den höchsten Stand seit Mitte Mai. Im August lag das Plus zu diesem Zeitpunkt bei 28 %. Schon am 23. August hatte Bitcoin rund 24 % über seinem Tief vom 19. August notiert.

Standard Chartered traut Bitcoin mehr zu

Die Bank schätzt ihr Jahresendziel von 100.000 USD inzwischen als womöglich zu niedrig ein. Kendrick hatte die Prognose im Februar von 150.000 USD gesenkt. Nach der jüngsten Kursdynamik und mit Blick auf günstigere Liquiditätsbedingungen hält er nun sogar einen erneuten Test des Rekordhochs von 126.000 USD für möglich.

Eine Gegenposition vertritt David McAlvany. Er ist CEO von Vaulted, einer Plattform, über die Anleger physisches Edelmetall kaufen, verkaufen und verwahren lassen können. Er hält Kryptowährungen weiterhin für eine spekulative Anlageklasse. Bitcoin könne erhebliches Vermögen schaffen, passe aber nicht in seine klassischen Anlagekategorien. McAlvany sieht Gold und Silber deutlich stärker als Absicherung gegen fiskalische Risiken.

Für Dalio reicht die Botschaft ohnehin über ein einzelnes Kursziel hinaus. Er empfiehlt keine vollständige Umschichtung des Portfolios in Kryptowährungen. Seine kleine Bitcoin-Beimischung steht neben einer deutlich größeren Goldquote und einer skeptischeren Sicht auf Anleihen. Entscheidend bleibt, ob die fiskalische Sorge zum dauerhaften Marktthema wird und wie weit der jüngste Aufschwung Bitcoin trägt.

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