
Fonds: Covered Call ETFs waren im Zoll-Crash die falsche Wahl
Covered Call ETFs versprechen zusätzliche Einnahmen und eine verringerte Volatilität. Ein Blick zurück auf den Zoll-Crash im Frühjahr und die Kursentwicklung danach zeichnet ein eher schwaches Bild.
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Der JPMorgan US Equity Premium Income Active UCITS ETF (JEIP, ISIN: IE000U5MJOZ6, WKN: A40FFH) etwa investiert in US Aktien und verkauft gleichzeitig Call Optionen auf Aktien und Indizes. Referenzindex ist der S&P 500 (Total Return Net).
Der ETF hatte ausweislich des Factsheets zum 31. Oktober seit Jahresbeginn um 5,38 % zugelegt und lag damit deutlich hinter dem S&P 500, der ein Plus von 17,15 % vorweisen konnte. Die Gesamtrendite lag also deutlich unter der eines reinen Aktienportfolios. Lässt sich diese Underperformance mit Stärken an anderer Stelle rechtfertigen?
Optionsprämien sollen Volatilität verringern
"Die Erträge aus den Optionsprämien sind eine wichtige Quelle für die Rendite des Teilfonds und können auch die Volatilität des Teilfonds verringern", heißt es bei JP Morgan. Nicht wenige Anleger dürften nun mutmaßen, der Covered Call ETF habe im Frühjahr, als es aufgrund der US-Zollpolitik zu Kursturbulenzen kam, besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt. Doch der maximale Drawdown lag sowohl beim ETF als auch beim S&P 500 bei rund 20 %. Während der Index sich nach dem Rücksetzer kräftig erholte, entwickelte sich der Fonds seitwärts.
Dazu kam es mutmaßlich konstruktionsbedingt. Zwar steigen bei einem Einbruch des Marktes mit anziehender Volatilität die Optionsprämien, die der Fonds vereinnahmt. Kommt es danach jedoch zu einem Kursanstieg in den Aktien, auf die Optionen verkauft werden, landen die Optionen im Geld und werden eingelöst. Der Fonds partizipiert somit nicht weiter an den Kurssteigerungen.
Allerdings gilt dies nicht für jeden Covered Call Writing im selben Umfang, wie ein Blick auf ein anderes Produkt aus dem Hause JP Morgan zeigt. Der JPMorgan NASDAQ Equity Premium Income Active ETF (JEQP, ISIN: IE000U9J8HX9, WKN: A40FFF) - Referenzindex ist hier der NASDAQ-100 - erzielte in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von 14,21 % (Stand Ende Oktober) und verfehlte damit die Performance der Benchmark ebenfalls deutlich (23,56%). Der Kurs des ETF gab beim Zoll-Crash jedoch etwas weniger nach als der Index und erholte sich im Nachgang deutlich stärker als JEPI.
Covered Call ETFs bleiben oft hinter Aktienindex zurück
Auch bei anderen Covered Call ETFs lässt sich eine Underperformance konstatieren. Der NEOS Nasdaq-100 High Income ETF (ISIN: US78433H6751, WKN: A408ED) etwa legte in den zwölf Monaten bis zum 30. November um 19,65 % zu, während der NASDAQ-100 22,4 % gewann. Ganz ähnlich verhält es sich beim NEOS S&P 500 High Income ETF (ISIN: US78433H3030, WKN: A3ESDH). 16,01 % Gewinn stehen hier 20,57 % Zuwachs im S&P 500 gegenüber.
Interessant ist ein Blick auf die Performance der beiden NEOS ETFs im Vergleich zu einer anderen Benchmark: Dem CBOE Buy Write Monthly Index, der sowohl für NASDAQ-100 als auch für S&P 500 berechnet wird. Im Nachgang der Korrektur im Frühjahr haben sich beide Fonds deutlich besser entwickelt als diese Vergleichsindizes. Der Drawdown verlief dagegen nahezu deckungsgleich.
Kaum Unterschiede bei den maximalen Kursverlusten im Crash
Andere Fonds, ähnliche Muster, aber unterschiedliche Prozentzahlen: Der Goldman Sachs S&P 500 Premium Income ETF weist für die zwölf Monate bis zum 31. Oktober einen Wertzuwachs von 15,22 % aus und liegt damit ebenfalls hinter der Benchmark - jedoch weitaus weniger abgeschlagen als das Produkt von JPMorgan im selben Zeitraum. Der Goldman Sachs Nasdaq-100 Premium Income ETF schaffte in den zwölf Monaten bis Ende Oktober 27,13 % und lag damit unter der Benchmark mit 30,95 %. Beide Fonds verzeichneten im Frühjahr zudem einen ähnlich starken Einbruch wie die reinen Aktienindizes.
Fazit: Im Zoll-Crash im Frühjahr erwiesen sich viele Covered Call ETFs als schlechte Entscheidung: Es gelang im Wesentlichen nicht, den maximalen Drawdown zu verringern oder die Verluste schneller wieder aufzuholen. In der Gesamtperformance bleiben die Fonds oft hinter der reinen Aktien-Benchmark zurück.