
Fonds: Aktives Management ist am Bondmarkt der Weg zum Alpha
Der Anleihemarkt ist noch immer in weiten Teilen ineffizient und komplex. Dies eröffnet erfahrenen Vermögensverwaltern Raum für Überrenditen. Eine Kennzahl verrät, wie gut das Management wirklich agiert.
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Der Bondmarkt unterscheidet sich vom Aktienmarkt. Zwei Eigenschaften des Marktes sprechen für ein aktives Management und gegen passive Ansätze: die Ineffizienz und die Komplexität.
Zunächst ein Blick auf die Ineffizienz. Trotz effizienzsteigernder Innovationen wie Credit-Default-Swap-Baskets, indexbasierten ETFs und Block-Trading existieren am Anleihemarkt weiterhin Ineffizienzen. Diese wiederum eröffnen Fondsmanagern die Möglichkeit, Alpha zu generieren.
Ein Großteil der am Markt umlaufenden Anleihen wird durch eine geringe Zahl zumeist größerer Investoren gehalten. Dadurch gibt es nur eine begrenzte Zahl an Käufern und Verkäufern, was wiederum ein geringes Handelsvolumen nach sich zieht.
Studie: Viele Anleihen werden kaum gehandelt
Wie gravierend dieses Problem nach wie vor ist, zeigte eine Morningstar-Studie aus dem Jahr 2021, die 35.000 Schuldtitel untersuchte. Weniger als die Hälfte davon wies zumindest eine abgeschlossene Transaktion innerhalb von drei Tagen auf. Dies allein führt das Konzept börsengehandelter Indexfonds außerhalb der liquidesten Teile des Anleihemarktes ein Stück weit ad absurdum.
Das zweite wichtige Argument für aktive Ansätze am Anleihemarkt ist dessen Komplexität. Anleihen können mit einer Vielzahl von Merkmalen ausgestattet sein. Dies belegt bereits ein Blick auf Gestaltungsmöglichkeiten beim Kupon. Es gibt Fix- und Stufenzinsanleihen, Geldmarkt- und Kapitalmarktfloater (inklusive Reverse-Floatern), Nullkuponanleihen …
Neben Kupon, Laufzeit und Währung gibt es weitere Merkmale, darunter die Rangfolge sowie Options- und Wandlungsrechte. Auch Anleihen eines einzelnen Emittenten können sehr unterschiedlich ausgestaltet sein.
Selbst auf den vergleichsweise homogenen Märkten für Staatsanleihen der Industrienationen finden sich komplexe Varianten, wie ein Blick auf inflationsindexierte Anleihen zeigt. Und der stark gewachsene Markt für verbriefte Verbindlichkeiten zeichnet sich ohnehin durch ein Höchstmaß an Heterogenität aus.
Anleiheindizes: Mit den Schulden steigt das Gewicht der Schuldner
Neben Ineffizienz und Komplexität liefert auch ein Blick in die Historie ein gutes Argument für aktive Investmentstrategien. Egal ob Staats-, Unternehmens- oder verbriefte Anleihen: In den letzten Jahrzehnten kam es wiederholt zu Verwerfungen in Teilen des Marktes.
Prominente Beispiele sind die Griechenlandkrise 2011 und die Subprimekrise einige Jahre zuvor. Pikant vor allem im Hinblick auf passive Staatsanleihen-ETFs erscheint zudem der Umstand, dass in den Indizes jene Länder mit besonders hoher Verschuldung automatisch höher gewichtet werden.
Der Amundi Fixed Maturity 2028 Euro Government Bond Yield + UCITS ETF Dist etwa bildet die Wertentwicklung des FTSE Euro Yield+ Government 2028 Maturity Index nach. Der Index berücksichtigt ausschließlich Staatsanleihen aus der Eurozone. Doch die Streuung ist mangelhaft: Mehr als die Hälfte des Portfolios entfällt auf italienische Schuldtitel.
Handfeste Daten sprechen dafür, dass aktives Management am Bondmarkt die bessere Wahl ist. Eine Morningstar-Studie aus dem Jahr 2025 verglich die Wertentwicklung eines durchschnittlichen aktiv verwalteten "Intermediate-Core"-Anleihefonds gegenüber dem Bloomberg US Aggregate Bond Index in rollierenden Dreijahreszeiträumen der letzten zwei Jahrzehnte.
Das Ergebnis: In 59 % der so untersuchten Zeiträume übertraf der Durchschnitt der aktiv verwalteten Anleihefonds die Benchmark. "Die Zahlen fallen für aktive Anlagen in festverzinsliche Wertpapiere außerhalb des Bereichs hochwertiger Core-Anleihen tendenziell noch besser aus", notierte Studienautor Eric Jacobson.
Information Ratio macht Managementqualität messbar
Anleger, die nach einem Anleihefonds mit erfolgreichem Management suchen, können die Information-Ratio zu Rate ziehen – eine risikoadjustierte Performance-Kennzahl. Im Gegensatz zur Sharpe-Ratio, die die Rendite ins Verhältnis zum risikofreien Zins setzt, misst die Information-Ratio die Leistung des Managers relativ zu einer spezifischen Benchmark. Die Information-Ratio wird berechnet, indem das Alpha des Fonds (also seine Überschussrendite) durch den Tracking-Error dividiert wird.
Die Kennzahl gibt so an, ob ein Fonds durch die Abweichung der Portfoliozusammensetzung vom Vergleichsindex eine höhere oder niedrigere Rendite als dieser erzielen konnte. Die Grundidee: Weicht das Fondsportfolio von der Benchmark ab, sollte diese Abweichung mit einer höheren Wertentwicklung gerechtfertigt werden. Ein steigender Tracking-Error erfordert aufgrund der Berechnungsweise eine steigende Überrendite: Ansonsten sinkt die Information Ratio. Je höher der Wert der Information Ratio, desto besser. Gute Werte beginnen oberhalb von 0,60.
Fazit: Passives Mitlaufen ist am Bondmarkt oft die schlechtere Wahl. Versierte Fondsmanager können aus Ineffizienzen und Komplexität Kapital, sprich Alpha, schlagen. Anleger können bei der Fondsauswahl die Information Ratio heranziehen.