
Druck auf die Kurse: Der Kryptomarkt kämpft mit der 200-Tage-Linie
Seit Anfang Oktober fallen die Kurse am Kryptomarkt, die 200-Tage-Linie könnte nachhaltig fallen. Liquidationen gehebelter Positionen tragen dazu ebenso bei wie Transaktionen von Walen.
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Der Kryptomarkt kämpft mit der 200-Tage-Linie: Ein nachhaltiger Durchbruch könnte ein weithin beachtetes Verkaufssignal auslösen und den seit rund einem Monat bestehenden Druck auf die Kurse verlängern.
Der Bitcoin Kurs (in USD) ist in dieser Woche erstmals seit Juni unter die psychologisch wichtige Marke von 100.000 USD gefallen. Das jüngste Tief liegt bei 98.850 USD. Von diesem Niveau hat sich der Kurs wieder entfernt: Am frühen Mittwochabend wurden für einen Bitcoin an den wichtigsten Kryptobörsen knapp 104.000 USD gezahlt.
Bitcoin technisch angeschlagen
Aus technischer Sicht bedeutet dies jedoch noch keine Entwarnung. Der Tageschart zeigt eine Korrektur um 4.000 USD nach oben. Dieser Korrektur ging jedoch ein Abwärtsimpuls im Umfang von 12.000 USD voraus, der am 3. November startete. Solange ein Impuls nur zu einem Drittel korrigiert wird, ist der übergeordnete Trend stark.
Noch wichtiger jedoch: Der Bitcoin hat Anfang der Woche seine 200-Tage-Linie unterschritten. Die Linie, die im Tageschart einen gleitenden Durchschnitt der 200 jüngsten Kurse anzeigt, gilt unter Tradern und Investoren trotz ihrer einfachen Konzeption als aussagekräftig. Viele institutionelle Investoren etwa stocken Bestände nur in aufwärtsgerichteten Märkten auf: Märkten also, die über der 200-Tage-Linie notieren.
Unter Tradern gilt das Überkreuzen der Linie als potenzielles Handelssignal, wobei ein Überkreuzen der Linie von oben nach unten bearish zu sehen ist. Als aussagekräftig gilt ein solches Signal, wenn das Überkreuzen erstens mit einer gewissen Dynamik stattgefunden hat und zweitens die anschließende Rückkehrbewegung des Marktes in Richtung der 200-Tage-Linie scheitert.
Ein solches nachhaltiges Unterschreiten der 200-Tage-Linie könnte ein Verkaufssignal auslösen - vor allem, wenn der Markt zusätzlich das letzte Tief und das Tief vom 22. Juni und damit eine signifikante Unterstützungszone unterschreiten sollte. Bislang ist es allerdings noch nicht so weit.
Krypto Market Cap sinkt um 20 %
Neben Bitcoin stehen auch andere Kryptowährungen seit einigen Wochen unter Druck. Laut Daten von Coinmarketcap sank die Marktkapitalisierung des Sektors in der Zeit vom 06. Oktober bis zum 05. November von 4,32 Billionen USD auf 3,47 Billionen USD - ein Rückgang um rund 20 %.
Deutlich wird der Druck im Markt an Barometern wie dem BITA Krypto-10-Index, der durch viele CFD Broker als Underlying verwendet wird. Der Index notierte am Mittwochabend bei 22.900 Punkten und damit fast ein Viertel niedriger als noch Anfang Oktober. Anfang der Woche wurde auch hier die 200-Tage-Linie durchbrochen.
Analysten machen einen Risk-Off-Moment für den Rückgang verantwortlich und verweisen auf die jüngste Korrektur an den Edelmetallmärkten, wie ebenso wie Bitcoin und andere Kryptowährungen durch viele Anleger als Schutz vor Inflation und Krisen betrachtet werden.
Maximilian Nagel von OnVista weist zudem auf die stärkere Korrelation der Kryptomärkte zu den Aktienmärkten hin. Diese Korrelation habe bis 2020 recht stark geschwankt, sei seitdem jedoch fast durchweg positiv. "Getrieben von pessimistischen Aussagen von Wall-Street-Bossen höchstpersönlich rutschten die Märkte am Dienstag ab. Zusätzlich belasteten Ängste vor den mittlerweile hohen Aktienbewertungen vieler Tech-Konzerne."
Bitcoin Wale trennen sich von ihren Beständen
Doch auch krypto-spezifische Ursachen lassen sich für den Kursrückgang anführen. Zum einen handeln sehr viele Marktteilnehmer mit einem Hebel. Solche Positionen werden bei sinkenden Kursen liquidiert, sodass weiterer Druck auf den Markt entsteht. Anfang Oktober trat dieses Phänomen besonders stark zutage: Dem Datenanbieter Coinglass zufolge löschte der Crash über alle Krypto-Börsen hinweg Positionen im Wert von 19 Mrd. USD aus. Auch aktuell gibt es solche Liquidationen Datenanbietern wie Coindesk zufolge, wenn auch in geringerem Umfang als Anfang des Monats.
Außerdem trennen sich sogenannte Bitcoin Wale von ihren Beständen. Langjährige Bitcoin-Besitzer haben Bloomberg zufolge im letzten Monat rund 400.000 Bitcoin abgestoßen, was einem Volumen von rund 45 Mrd. USD entspricht.
Viele Marktteilnehmer sitzen nach der Trump-Krypto-Rallye zudem auf nicht realisierten Gewinnen - und verlieren angesichts der sich hinziehenden Konsolidierung die Geduld. "Im vergangenen Monat wurden über 319.000 Bitcoin reaktiviert, hauptsächlich aus Beständen, die sechs bis zwölf Monate lang gehalten wurden - was auf erhebliche Gewinnmitnahmen seit Mitte Juli hindeutet", berichtet etwa Vetle Lunde, Forschungsleiter bei K33.