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Dollarschwäche und faire BewertungenEmerging Markets Rallye setzt sich fort

Für eine Fortsetzung der Emerging Markets Rallye sprechen moderate Bewertungen, die Schwäche des Greenback und hohe Wachstumsraten.

von Verumo-Redaktion

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Titelbild: Resource Database / Unsplash

Der MSCI Emerging Markets hat im Jahr 2025 in USD gerechnet eine Rendite von 33,57 % erzielt. Damit hat er die beiden anderen großen Indizes von MSCI - MSCI ACWI (22,34 %) und MSCI World (21,09 %) - hinter sich gelassen.

Die Outperformance setzte sich im Januar fort. Stand 30.01. stand beim MSCI Emerging Markets ein Plus von 8,85 % zu Buche, während die beiden anderen Indizes lediglich 2,96 % bzw. 2,24 % zulegen konnten. Auch in den letzten Tagen ging es aufwärts. Der Index übertraf seine Hochs aus 2021 und 2007 - in technischer Hinsicht ein wichtiges Signal.

Dabei erfahren nicht nur die Aktienmärkte der Schwellenländer einen Aufschwung, sondern die Schwellenländer insgesamt. Auch Währungen und Anleihen legen zu. Der Bloomberg Emerging Market USD Sovereign & Sovereign Owned Index, der in US-Dollar denominierte Staatsanleihen enthält, setzt seinen seit Anfang 2023 laufenden Aufwärtstrend auch in diesem Jahr bislang fort.

Aktien, Bonds, Währungen: Emerging Markets im Aufwind

Der MSCI Emerging Market Currency Index markiert ebenfalls einen Rekord. Der Index enthält die Währungen Chinas, Taiwans, Südkoreas, Indiens und weiterer Länder. Die starke Nachfrage nach Währungen aus Schwellenländern spiegelt die starke Nachfrage nach Aktien oder Anleihen aus diesen Regionen wider.

Die Gretchenfrage für Anleger lautet, wie so oft: Haben die Schwellenländer mit den Kurssteigerungen der letzten Zeit ihr Potential bereits ausgeschöpft oder geht die Rallye weiter? Es gibt gute Argumente für eine Fortsetzung.

So lag Stand 30. Januar das durchschnittliche Forward KGV im MSCI Emerging Markets bei rund 13,6. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis lag bei 2,35, die Dividendenrendite bei 2,12 %. Damit fällt die Bewertung deutlich niedriger aus als im MSCI World (Forward KGV 20,02, KBV 3,95, Dividendenrendite 1,57 %).

In der langfristigen Perspektive zeigt sich zudem noch erheblicher Nachholbedarf. So hat der MSCI Emerging Markets in den vergangenen 5 Jahren eine annualisierte Rendite von 5,34 % eingefahren. Der MSCI World konnte mit 12,87 % eine mehr als doppelt so hohe jährliche Wertsteigerung verbuchen.

Bewertungsabschlag von 32 % gegenüber weltweitem Aktienmarkt

Carmignac-Fondsmanagerin Naomi Waistell sieht einen Bewertungsabschlag der Schwellenländer gegenüber dem amerikanischen Aktienmarkt von 40%. Dieser Abschlag sei in dieser Höhe nicht zu rechtfertigen. Der Abschlag zum weltweiten Aktienmarkt beträgt 32 %.

Neben der Bewertung gibt es weitere Entwicklungen, die eine Fortsetzung der Rallye in den Schwellenländern rechtfertigen können. Dazu gehört das höhere Wirtschaftswachstum. Der IWF rechnet für die Emerging Markets in diesem Jahr mit 4,2 % realem BIP-Zuwachs. In den Industrienationen werden dagegen lediglich 1,8 % erwartet.

Ein weiterer Treiber der Emerging Markets Rallye ist die Schwäche des US-Dollar. Viele Schwellenländer sind in US-Dollar verschuldet. Eine Abwertung des Dollars entspricht einer Abwertung der Verbindlichkeiten, wodurch sich neue fiskalische Spielräume ergeben. Gleichzeitig erhöht sich durch die Aufwertung der Schwellenländerwährungen der Wert der dortigen Assets.

James Johnstone vom Vermögensverwalter Redwheel sieht die Dollar-Abwertung noch nicht am Ende. "Wir halten es für wahrscheinlich, dass wir uns in der frühen Phase eines längeren Zyklus der US-Dollar-Schwäche befinden, die Schwellenländern zugutekommen wird."

Rekordhohe Mittelzuflüsse in EM Aktienmärkte

Waistell zufolge gab es im Januar rekordhohe Zuflüsse von Finanzmitteln in die Aktienmärkte der Schwellenländer. Dies deutet auf eine laufende Umschichtung in den weltweiten Portfolios hin: Weg vom hoch bewerteten US-Tech-Sektor hin zu Unternehmen, die vom aktuellen makroökonomischen Umfeld profitieren können und weitaus günstiger bewertet sind.

"Langfristige Anpassungen in der Asset-Allokation sprechen weiterhin für Schwellenländer", bestätigt auch Geoffrey Yu von BNY Mellon. Die Region sei unterinvestiert, teilweise seien zudem auch die Währungsbewertungen attraktiv.

Risiken gibt es naturgemäß auch. So ist nach wie vor unklar, wie China die gewaltige Krise auf dem Immobilienmarkt in den Griff bekommen könnte. Für die Wirtschaft der Volksrepublik spricht Waistell zufolge, dass die Regierung stark auf den Ausbau von Industrien für hochwertige Produkte und Technologien setzt. Der indische Markt ist eher hoch bewertet. Die lateinamerikanischen Aktienmärkte korrelieren typischerweise stark mit den Rohstoffpreisen.